Kirchheimer Umland

Mitarbeiter schauen in die Röhre

Schließung 40 Beschäftigte von Schrag in Ebersbach verlieren voraussichtlich ihre Arbeit – schwere Vorwürfe von der IG Metall.

Ebersbach. Die Ebersbacher Schrag GmbH ist bald Geschichte. Zum 30. April wird das Unternehmen geschlossen, sofern der Interessenausgleich mit den Arbeitnehmern dann abgeschlossen ist. Das teilte Unternehmenssprecherin Frauke Barnofsky von den Fränkischen Rohrwerken mit Sitz in Königsberg in Bayern, kurz „Fränkische“, mit. Diese hatten den Ebersbacher Spezialisten für Kachelofen-Heizeinsätze und Lüftungstechnik 2011 übernommen und wollten sich seit zwei Jahren wieder von ihm trennen. „Für die 40 Beschäftigten in Ebersbach sieht die Lage düster aus“, sagt Manuel Schäfer, Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall Göppingen-Geislingen. „Die meisten sind 50 bis 60 Jahre alt, sie werden schwer eine neue Arbeit finden“, fürchtet er.

Nun geht es darum, für die Über-Sechzigjährigen Übergangslösungen bis zum Ruhestand zu finden. „Der Arbeitgeber muss Geld dafür zur Verfügung stellen. Danach sieht es momentan nicht aus“, meint Manuel Schäfer. Für alle anderen werde eine Transfergesellschaft gegründet. Auch über „vernünftige Abfindungen“ will man verhandeln.

Den Eigentümern macht Manuel Schäfer schwere Vorwürfe: „Seit drei Jahren hat Schrag eine Geschäftsführung, die nur ein paar Tage im Monat vor Ort in Ebersbach ist. So kann man ein Unternehmen, das in Schwierigkeiten ist, nicht sanieren.“ Jetzt wolle die Geschäftsleitung die Beschäftigten „mit möglichst geringer Abfindung und zu schlechten Bedingungen auf die Straße setzen“, kritisiert er und sagt weiter: „Das ist absolut unverantwortlich.“

2011 war die Ebersbacher Gesellschaft von dem fränkischen Familienunternehmen übernommen worden. Die „Fränkischen“ entwickeln und fertigen Röhren, Kabel und Leitungen für die Geschäftsbereiche Drainage, Elektrosysteme, Haustechnik, Automotive und Industrie. Gekauft worden sei die Schrag GmbH, um das Produktportfolio um den Lüftungsbereich zu erweitern. „Allerdings blieb die Entwicklung des Lüftungsgeschäfts deutlich hinter den Erwartungen zurück“, so Barnofsky. Von Beginn an sei versucht worden, Schrag in den rentablen Bereich zu führen. Doch weil die Gesellschaft über Jahre hinweg defizitär geblieben sei, habe man nach einem Käufer gesucht.

Die „Fränkischen“ beauftragten einen Dienstleister, „um die bestmögliche Lösung für die Schrag GmbH zu finden“. Über zwei Jahre hinweg sei mit knapp zehn Investoren „intensiv verhandelt“ worden, doch letztlich erfolglos. Den Entschluss, die Ebersbacher Firma zu schließen habe man „schweren Herzens“ getroffen, heißt es weiter, und man nehme die Verantwortung gegenüber den betroffenen Mitarbeitenden sehr wohl ernst. Man werde sich „auf offene und konstruktive Gespräche mit dem Betriebsrat einstellen, um nach allen Regeln des deutschen Arbeitsrechts zu einer Einigung zu kommen“.

Die Beschäftigten hätten in den letzten Jahren gravierende Beiträge geleistet, berichtet Manuel Schäfer: „Sie verzichteten auf Teile ihres Urlaubs- und Weihnachtsgeldes und akzeptierten die Verschiebung von Lohnerhöhungen.“ Die „Fränkischen“ waren bis vor Kurzem im Tarifverband Metall-Elektroindustrie, seien aber unlängst aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten, teilt Manuel Schäfer mit. Ingrid Zeeb

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