Kirchheimer Umland

Mose an der Lindach​

Die Freilicht-Aufführung von „Mose“ fördert außer dem Glauben auch die Lachmuskeln

Nicht am Nil, sondern unweit der Lindach spielte am Freitagabend das Jesinger Freilichtspielteam. Mit dem heiteren Bibeldrama „Mose“ brachte die Laiengruppe ein beachtliches Werk auf die Bühne, das bei den 600 Besuchern an der Pet­ruskirche guten Anklang fand.

Das Bibeldrama „Mose“ begeisterte rund 600 Zuschauer an der Jesinger Petruskirche. Foto: Rainer Stephan
Das Bibeldrama „Mose“ begeisterte rund 600 Zuschauer an der Jesinger Petruskirche. Foto: Rainer Stephan

Kirchheim. Mit dem Stück „Mose“ präsentierten die Jesinger Freilichtspiele bereits ihre vierte Aufführung. Als ideale Bühne zeigten sich die Stufen und der Platz vor der Petruskirche. Unter dem Dach der evangelischen Kirchengemeinde Jesingen hat es sich eine knapp 30-köpfige Schar aus Darstellern und Helfern zur Aufgabe gemacht, biblische Geschichten dem Zuschauer nahezubringen, deren Aktualität deutlich zu machen und dies mit einem Schuss Humor der Öffentlichkeit zu zeigen.

In der ersten Szene sinniert eine Putzfrau – überzeugend gespielt von Carola Bernauer – während der Arbeit in einem Ägyptischen Museum über ihr Leben und Alltagsprobleme. Ihr Monolog, der auch Dinge wie Pharao, Sphinx und ein gewisses „Körbchen“ beinhaltet, reflektiert hierbei auf Geschehnisse, die im Hauptteil des Dramas zur Aufführung kommen. Der Pfarrer als Sprecher der erläuternden Texte informiert dann in Reimen über die Situation in Ägypten zu alttestamentarischen Zeiten.

Das 2. Buch Mose, Exodus 1 – 14, gibt den Handlungsablauf vor und zeigt das schwere Los der Hebräer, das von Sklaverei und Not geprägt ist. Den Pharao indes ängstigt die hohe Geburtenrate israelischer Frauen, sodass er zum Zwecke der Geburtenkontrolle sogar Hebammen einspannen lässt. Das schändliche Vorhaben gipfelt in des Herrschers Weisung, alle männlichen Kinder der Hebräer umzubringen.

In dieser Situation tritt Mose auf den Plan. Seine Mutter und die Schwester Mirijam haben den genialen Einfall, den Säugling in ein mit Harz ausgekleidetes Körbchen zu legen, um ihn zu retten. Das Vorhaben gelingt, da wenig später des Pharaos Tochter den blinden Passagier im Schilfgürtel des Nils entdeckt, ihr Herz an ihn verliert und den Buben annimmt. Nofretete tauft das Kind Mose – „aus dem Wasser gezogen“ – und gibt ihn der leiblichen Mutter zum Stillen und in Obhut.

Nachdem der erwachsene Mose aus dem Land fliehen musste, erfährt er durch das Feuer im Dornbusch von Gottes großem Plan mit ihm: Er solle zurück nach Ägypten und das Volk Israel aus der Gefangenschaft befreien. Das Credo „Lass mein Volk ziehen“ zog sich wie ein roter Faden durch die weiteren Handlungen. Nachdem der verstockte Pharao auch nach neun Plagen nicht zum Einlenken bereit ist, geht Gottes Engel durch die Straßen und bringt allen erstgeborenen Kindern der Ägypter den Tod. Daraufhin lässt der Pharao Mose und sein Volk ziehen. Die Flucht gelingt vollends, obwohl des Pharaos Heer den Israeliten auf den Fersen ist. Moses Stab teilt jedoch das Meer, und die Verfolger gehen in den Fluten unter.

Immer wieder wurde die eingangs erwähnte Putzfrau – quasi als Bezug zur Gegenwart und Beweis der ewigen Aktualität von Gottes Wort – in die Dramaturgie eingebaut. Kritisch fragt sie mit gereimten Worten: „Sind die Katastrophen in unseren Tagen, vielleicht auch so etwas wie Gottes Plagen?“ Und ob der vielen Unglücke und Nöte postuliert sie: „Niemand erkennt bei sich selbst die Schuld.“ Trotzdem gelangt die Frau am Schluss dankbar zur Erkenntnis, dass Gott sie im Leben wie Mose aus dem Wasser gezogen habe: „Denn Jahweh, der Herr, sieht auf die Elenden.“

Sehr viel Aufwand haben die Veranstalter beim Bühnenbild, bei der Kostümierung und der Tontechnik betrieben: Die Sklaventreiber wirkten authentisch, der Pharao saß gar herrlich auf dem Thron, und seine Tochter kam bestens gekleidet und mit Anmut auf der Sänfte daher. Die gesprochenen Texte samt Gesang waren stets gut hörbar, und das Dornbuschfeuer und die Nebelschwaden verlangten einiges an handwerklichem Geschick.

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