Kirchheimer Umland

Musical liegt in der Luft

Theater Anja Eisele steht leidenschaftlich gern auf der Bühne. Die 34-Jährige Kirchheimerin gehört beim Theater unter den Kuppeln in Stetten seit 2008 zum Ensemble. Von Katja Eisenhardt

Das Schminken übernimmt die Kirchheimerin am liebsten selbst. Trotz des enormen Fundus an Kostümen kommen in jeder Saison neue d
Trotz des enormen Fundus an Kostümen kommen in jeder Saison neue dazu. Foto: Katja Eisenhardt

Aktuell steht die Kirchheimerin Anja Eisele wieder auf den Brettern, die die Welt bedeuten - konkret im diesjährigen Musical „Big Fish“, das noch bis 10. August auf der Freilichtbühne in Stetten gezeigt wird. 2013 wurde das Stück am New Yorker Broadway uraufgeführt: „Das ist eine Familiengeschichte, bei der Fantasie und Realität miteinander verknüpft werden. Es gibt klassische Musical-Musik, darunter einige Ohrwürmer. Die Geschichte selbst ist gleichzeitig lustig, traurig und stellenweise sehr berührend. Da ist wirklich alles dabei“, erzählt Anja Eisele.

Sie selbst kommt ursprünglich aus Ostfildern und war als Kind bereits als Zuschauerin im Theater unter den Kuppeln. „Ich dachte mir schon damals, dass ich da selbst gern mal mitmachen würde“, erinnert sie sich. 2008 wurde sie dann über ihre Tanzlehrerin aus Ostfildern, die ebenfalls in der Tanzschule des Theaters unterrichtet, darauf aufmerksam, dass dort neue Mitspieler gesucht werden. „Ich wollte mir das einfach mal anschauen und bin letztlich bis heute hängen geblieben“, sagt die 34-Jährige und lacht.

„Das ist eine richtige Theaterfamilie hier, und es ist wirklich toll, gemeinsam etwas zu erschaffen und die Leute damit zu unterhalten. Ich tanze seit meiner Kindheit und singe seit der Grundschule in Chören. Beim Musical kann man die beiden Dinge mit dem Schauspiel kombinieren, das macht großen Spaß und passt einfach“, so Anja Eisele. Zum Musical habe sie auch ansonsten schon immer eine Affinität gehabt: „Von den Stuttgarter Musicals habe ich fast jedes gesehen.“

Sicher, zeitaufwendig sei das Theater-Hobby schon, besonders in der heißen Probenphase kurz vor der Premiere. „Man braucht einen verständnisvollen Partner, der am besten auch ein zeitintensives Hobby hat. Da habe ich Glück“, erzählt sie lachend. Denn gerade in der letzten Probenphase gehe es nahezu täglich von der Arbeit direkt ins Theater, dazu auch am Wochenende.

Heute ist Premiere

Die Chorproben starteten bereits im Herbst letzten Jahres. „Davor findet immer das Vorsingen für die Hauptrollen statt. Ab Januar beginnen dann die szenischen Proben.“ Am 15. Juni feierte das Musical nach monatelangen Proben im Theater unter den Kuppeln Premiere, die zweite Premiere findet am heutigen Samstagabend statt: „Die Rollen sind jeweils doppelt besetzt. Wir wechseln uns beim Spielen wöchentlich ab“, erklärt Anja Eisele.

Am Freitagabend letzte Woche stand die Generalprobe an. Bei einem Blick hinter die Kulissen zeigte sich, was eigentlich so alles dazugehört, bis das Stück dem Publikum präsentiert werden kann. Auf der Bühne werden zum letzten Mal Hand an die selbst gebaute Kulisse gelegt und dabei unter anderem letzte Malerarbeiten erledigt. In der Nähstube wird noch mit heißer Nadel das Elefantenkostüm für die Zirkusszene vorbereitet. In Teilen dient die Kulisse gleichzeitig für das diesjährige Kinderstück „Pippi Langstrumpf“.

Dass im Theater unter den Kuppeln schon seit bald 60 Jahren gespielt wird, zeigt sich am gut bestückten Kostüm- und Requisitenfundus. Von schlicht bis extravagant und knallbunt hängt hier alles auf den Kleiderständern. In den deckenhohen Regalen sind ordentlich beschriftete Kisten voller Kostümteile: Hexenhüte, Goldwesten oder Schlaghosen. „Im Ensemble haben wir diesmal während des Stücks circa sieben Kostümwechsel. Das muss dann teils sehr schnell gehen: Ich bin unter anderem Seiltänzerin, Pfadfinderin, Hochzeitsgast oder auch ein Baum“, zählt Anja Eisele auf. Die verschiedenen Kostümräume befinden sich in den Theaterkatakomben unter der Bühne, ebenso wie die Umkleiden, der Orchestergraben für die 13 Musiker samt Dirigent oder auch die großen Spiegel und Schminkplätze für die Maske der Darsteller.

Schritt für Schritt verwandeln sich diese hier in ihre Musical-Rollen. Während die Hauptdarsteller vom Team der Maske gerichtet werden, schminken sich die Ensemblemitglieder schnell selbst. Mikros werden angebracht. Dann kann es losgehen mit der Generalprobe auf der Bühne.

Zunächst stehen die Stellproben für die Tänzer, dann für das Ensemble mit einzelnen Szenen auf dem eng getakteten Zeitplan. Im Anschluss startet die Generalprobe mit Schauspiel, Tanz und Gesang, bevor es am Tag danach dann ernst wird: „Die Vorfreude steigt“, sagt Anja Eisele, bevor sie zur Probe entschwindet.

Das Schminken übernimmt die Kirchheimerin am liebsten selbst.
Trotz des enormen Fundus. Foto: Katja Eisenhardt
Noch ohne Lampenfieber: Anja Eisele (weißes Kleid) bei der Stellprobe.Fotos: Katja Eisenhardt
Noch ohne Lampenfieber: Anja Eisele (weißes Kleid) bei der Stellprobe. Foto: Katja Eisenhardt

Infos zum Theater und zur Spielzeit

Der Theaterverein wurde 1965 als „Naturtheater Stetten“ gegründet und hat sich nach und nach weiterentwickelt. Im Sommer (Mai bis September) finden auf der Freilichtbühne bis zu drei verschiedene Produktionen statt, im Winter (November bis März) geht es auf den beiden Saalbühnen mit einem vielseitigen Programm weiter.

Jährlich muss das Bühnenbild auf der großen Freilichtbühne gewechselt und neu gestaltet werden. Die Schwierigkeit hierbei ist, dass dies oft für drei Stücke im Sommer gleichzeitig passen muss. Abhilfe schafft hier seit 1999 die Drehbühne, die den Wechsel von zwei oder mehr Bühnenbildern auch während der Vorstellung ermöglicht.

In einer Sommersaison müssen in einer Woche an die 300 Gesichter geschminkt werden. Viele geschulte Helfer sind im Einsatz.

Der Kostümfundus ist auf einer Fläche von 150 Quadratmetern untergebracht. Trotz dieser Größe werden jährlich neue stil- und epochengerechte Kostüme benötigt, in die viel Aufwand gesteckt wird.

Die Tanzschule, in der mittlerweile gut 350 Schüler von verschiedenen Fachkräften unterrichtet werden, besteht seit über 50 Jahren. Zum Angebot gehören: Preballett, Klassisches Ballett, Jazzdance, Stepdance, Modern Dance und Hip-Hop.

Circa 210 aktive Mitglieder, bis zu 250 Mitwirkende pro Saison und gut 350 Tanzschüler unterhalten circa 25 000 Zuschauer pro Jahr.

In der Spielzeit 2019 stehen folgende Aufführungen auf dem Programm: „Big Fish“, Musical unter der Regie von Julia Brückner, läuft bis 10. August, Vorstellungen freitags und samstags um 20.30 Uhr, am Samstag, 20. Juli, um 15 Uhr. Das Kinderstück „Pippi Langstrumpf“ unter der Regie von Norbert Härtkorn läuft bis 11. August, Vorstellungen sonntags um 15 Uhr; das Schauspiel „Harold und Maude“ (Regie: Marleen Reimann, Joachim Riesch), Vorstellungen 7. bis 28. September, freitags, samstags und sonntags um 19.30 Uhr; So., 15., und So., 22. September, um 18 Uhr.

Weitere Infos und die Möglichkeit zur Kartenbestellung gibt es unter www.tudk.de.eis

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