Kirchheimer Umland

Musik baut Brücken für Europa

Konzert Die spanische Partnerschule L‘Escola de Música „Can i Roig Torres“ und die Musikschule Kirchheim zeigen in der Stadthalle großartige Leistungen in zwei Konzerten. Von Hans-Günther Driess

Unter der Leitung von Dirigent Takashi Otsuka lief das das Symphonische Orchester der Musikschule Kirchheim zur Höchstleistung a
Unter der Leitung von Dirigent Takashi Otsuka lief das das Symphonische Orchester der Musikschule Kirchheim zur Höchstleistung auf.Fotos: Markus Brändli

Bereits zum 5. Mal dokumentieren Besuche und Gegenbesuche, wie die Musik spanisch-deutsche Freundschaften begründet und Brücken baut für ein vereintes Europa, so der Tenor der Begrüßung des musikalischen Leiters der spanischen Gäste Jesús Llado. Die Partnerschaft zwischen der Musikschule „Can i Roig Torres“ bei Barcelona und der Musikschule Kirchheim besteht seit 2003.

Das Orquestra de L’Escola de Música „Can i Roig Torres“ stellt im ersten Teil des Konzerts in der Stadthalle mit anspruchsvollen Werken aus verschiedenen Epochen großes Können und eine saubere Intonation unter Beweis. Die Ouvertüre aus der Oper „Lucio Silla“ von Wolfgang Amadeus Mozart wird von den Streichern akkurat phrasiert, das stil-sichere Wegnehmen der Endsilben der Melodiebögen erzeugt ein schönes Klangstück. In der Komposition „Entrée de Polymnie“ aus der Oper „Les Boréades“ von Jean-Philippe Rameau ist feinste Polyphonie mit der für französisches Barock typischen Durchsichtigkeit glänzend gestaltet. Den ersten Höhepunkt des Abends bildet eine Opernszene aus „Dido und Aeneas“ von Henry Purcell. Mit hoher Qualität und sehr zu Herzen gehend interpretiert die Sopranistin Maria Martinez Gabaldon – Lehrerin an der Musikschule Kirchheim – die Arie „When I Am Laid In Earth“. Das Rezitativ singt sie am rechten Bühnenrand nur mit Begleitung durch einen Gitarristen, schreitet dann in die Mitte und legt sich am Ende zum theatralischen Tod nieder. Absolut bühnenreif, das hat man in Kirchheim so noch nicht erlebt.

Beim Konzert für zwei Violinen von Georg Philipp Telemann meistern die erst 15-jährigen Solisten Victor Ramos und Max López ihren Part gut im ausgewogenen Wechselspiel mit dem Orchester. Der Dirigent Jesús Llado hat die Tempi klug gewählt, sodass die Schüler wunderbar musizieren können.

In den Rumänischen Volkstänzen von Bela Bartók kommen die Register des Orchesters gut zur Geltung; teils führen die Bratschen, teils die Holzbläser. Die spanischen Gäste ernten großen Applaus für ihren glanzvollen Auftritt.

Nach der Pause kredenzt das Symphonische Orchester der Musikschule Kirchheim unter seinem Dirigenten Takashi Otsuka einen Hörgenuss mit dem schwungvoll dargebotenen Ungarischen Tanz g-Moll von Johannes Brahms. Der als Filmmusik weltbekannte Walzer Nr. 2 von Dimitri Schostakovitsch beeindruckt besonders im Mittelteil, wo die Melodie in den tiefen Streichern von den Pizzicati der Violinen umgarnt wird und die fein austarierte Dynamik abschließend ins Tutti einmündet.

Zum grandiosen Finale vereinen sich nun beide Orchester. Unter dem Dirigat von Takashi Otsuka erklingt zunächst Richard Wagners „Grand March“ aus der Oper „Tannhäuser“. Der prachtvolle spät-romantische Klang mit heroisch aufspielenden Blechbläsern, Holzbläsern, Harfe und riesigem Streicherkorpus versetzt die Zuhörer in Erstaunen. Den Schlusspunkt markiert unter Leitung von Jesús Lllado der Marsch der Priester aus „Athalie“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Perfektes Zusammenspiel, differenzierte Gestaltung und ausgewogener Klang in allen Orchestergruppen begeistern das Publikum – tosender Beifall.

Beim Kammerkonzert am darauffolgenden Tag in der Aula der Freihof-Realschule brillieren die spanischen Ensembles in verschiedenen Besetzungen. Das abwechslungsreiche Programm reicht von katalanischen Folksongs der Gitarrenensembles über Streichquartette von W. A. Mozart bis hin zu Flötenkonzerten und modernen Stücken von Lennon/McCartney und Stevie Wonder. Alle Vorträge spiegeln die hohe Begabung der Schüler und eine hervorragende Ausbildung wider. Die Junge Kammersinfonie der Musikschule Kirchheim spielt als „Ständchen“ für ihre Gäste gekonnt und mit musikantischer Frische das Konzert des spätbarocken Komponisten John Baston für Sopranblockflöte, Streicher und Basso Continuo.

Stadthalle Kirchheim , Konzert Musikschule zusammen mit Gäste aus Spanien
Stadthalle Kirchheim , Konzert Musikschule zusammen mit Gäste aus Spanien
Stadthalle Kirchheim , Konzert Musikschule Gäste aus Spanien, Orchestra de l'Escola de Musica
Stadthalle Kirchheim , Konzert Musikschule Gäste aus Spanien, Orchestra de l'Escola de Musica
Maria Martinez Gabaldon lieferte bei ihrem Rezitativ eine bühnenreife Leistung (Bild links oben).  Die jungen Musiker bedeindruc
Maria Martinez Gabaldon lieferte bei ihrem Rezitativ eine bühnenreife Leistung (Bild links oben). Die jungen Musiker bedeindruckten mit Präzision und Ausdruck (Bild oben und Bild rechts). Auch Dirigent Otsuka mischte sich unter die Musiker (Bild links). Fotos: Markus Brändli
Unter der Leitung von Dirigent Takashi Otsuka lieAf das das Symphonische Orchester der Musikschule Kirchheim zur Höchstleistung
Unter der Leitung von Dirigent Takashi Otsuka lieAf das das Symphonische Orchester der Musikschule Kirchheim zur Höchstleistung auf.Fotos: Markus Brändli
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