Kirchheimer Umland

Nabu sieht Flächenfraß kritisch

Bauland Die Nabu-Gruppen Teck, Dettingen und Jesingen möchten beim Hungerberg andere Aspekte berücksich­tigt wissen.

Symbolbild Bauen, Wohnbau, Architektur, Bauplan
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Dettingen. Der Dettinger Gemeinderat hat mit knapper Mehrheit beschlossen, dass auf dem Hungerberg ein großes Interkommunales Gewerbegebiet entstehen soll. Zusammen mit dem Gewerbe­gebiet Bohnau Süd sollen nun zeitnah 41 Hektar Naturfläche, Wiesen und Äcker bebaut werden, plus 21 Hektar Option für weitere Gewerbesteuereinnahmen. Nach Ansicht der Nabu-Gruppen bedeute dies die Zerstörung wertvoller ökologischer und klimaaktiver Flächen, mehr Verkehr, damit mehr CO2-Belastung, Zuzug von spezialisierten Fachkräften und somit eine steigende Nachfrage nach Wohnraum in einem Gebiet, in dem nahezu keine Innenverdichtung mehr möglich ist. Weitere Flächenversiegelungen im Außenbereich werden hier schon vorprogrammiert.

Die Nabu-Gruppen kritisieren, dass die Auswirkungen auf die Bevölkerung und die Umwelt nicht berücksichtigt werden. Die künftigen Gewerbegebiete sind Freiflächen mit wichtigen Funktionen, die mit ihren herabströmenden Kaltluftmassen das gesamte Kirchheimer Becken mit frischer Kaltluft anfüllten. Durch den Klimawandel sei mit einer höheren Wärmebelastung im Siedlungsbereich zu rechnen. Der Landschaftsplan für Kirchheim prognostiziere einen Anstieg der durchschnittlichen Jahrestemperaturen innerorts von aktuell 9 bis 11 Grad auf 12 bis 13 Grad. In diesem Zusammenhang weise der Landschaftsplan auf die Wichtigkeit hin, Kaltluftströmungen nicht zu beeinträchtigen. Mit den geplanten Gewerbegebieten werden genau diese Flächen versiegelt.

Wasserspeicher sind gefährdet

Der Landschaftsplan prognostiziere auch die Tendenz zu trockeneren Sommer- und feuchteren Winterhalbjahren. Die Grundwasserspeicher nehmen seit Jahren ab. Umso wichtiger sei es, freie Flächen zu erhalten, damit die Wasserversorgung von morgen gesichert werden könne. Zudem lehre die Pandemie, wie wichtig lokale Nahrungsmittelproduktion sei. Allerdings solle nun großflächig landwirtschaftliche Fläche bebaut werden.

Die Zerstörung wertvoller Naturflächen bedeute auch ein weiterer Rückgang der Biodiversität. Vor wenigen Jahren seien die letzten Rebhühner am Hungerberg gesichtet worden. Aktuell brüteten hier noch einige seltene und gefährdete Feldlerchenpaare, die beim Bau des Gewerbegebiets ihren Lebensraum verlieren würden. Klimawandel und Artensterben seien nicht nur Schlagwörter, sondern Realitäten. Die Nabu-Gruppen fordern daher, keine weitere Versiegelung von Freiflächen mit überdimensionierten Gewerbegebieten, da dies aus heutiger Sicht nicht mehr vertretbar sei. pm

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