Kirchheimer Umland

Nach dem Sturm kam der Käfer

Wald 2018 ist laut Schlierbachs Revierförster Christoph Reich ein Jahr der Extreme. Die Fichten hat es böse getroffen.

Wald, Bäume, Forst, Borkenkäfer, Sturmschäden
Wald, Bäume, Forst, Borkenkäfer, Sturmschäden

Schlierbach. Erst stürmisch und nass, dann ein Jahrhundertsommer mit Trockenheit und Borkenkäfern: Der forstwirtschaftliche Betriebsplan für das laufende Jahr war schon am 3. Januar obsolet, wie Revierförster Reich bei seinem Jahresrückblick im Schlierbacher Gemeinderat darlegte. „Alleine im Gemeindewald hat „Burglind“ zum Jahresanfang rund 700 Festmeter Sturmholz geworfen, auf der Schlierbacher Gemarkung waren es insgesamt sogar 5 000 Festmeter.“ Ein Haufen Holz also, der den ursprünglich geplanten Einschlag von 130 Festmetern im Gemeindewald weit überstieg.

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Zeitnah wurden die betroffenen Flächen geräumt und vier Monate nach dem Sturm wieder aufgeforstet. „Trotz der schnellen Aufarbeitung hat der Borkenkäfer ausreichend Nahrung gefunden“, so Reich. So litt der Wald nicht nur unter dem Sturm, der extrem trockene Sommer brachte ideale Bedingungen für die Borkenkäfer. Weitere 133 Festmeter Holz mussten wegen Insektenschäden eingeschlagen werden. Wenig bis gar keine Zeit blieb für die eigentlich im Plan vorgesehenen Arbeiten: „Wir haben zu exakt 100 Prozent nicht nach Plan gearbeitet“, lautet Reichs Fazit.

Sorgen macht nach wie vor das Eschentriebsterben. Die Pilzerkrankung sorgt dafür, dass die neuen Triebe absterben und am Ende der ganze Baum stirbt: „Das hört erst auf, wenn wir keine Eschen mehr haben.“ Der Klimawandel tut ein Übriges, vor allem Fichten leiden unter der Hitze und Trockenheit im Sommer. „In Schlierbach wird es in 30 Jahren keine reinen Fichtenbestände mehr geben“, ist sich Reich sicher.

Hubschrauber wirft Kalk ab

„Wichtig ist, dass der Wald auch über die nächsten 50 bis 100 Jahre seine Funktionen erfüllt“, sagt Reich. Damit zielt er auch auf die wichtige ökologische Funktion des Waldes als Wasserspeicher und Lebensraum für Tiere und Pflanzen ab. Damit das so bleibt, wird der Wald nächstes Jahr per Hubschrauber gekalkt. Dadurch soll der ph-Wert des Bodens ausgeglichen werden. Die Böden sind nach wie vor übersäuert, was den Aufschluss wichtiger Nährstoffe für die Bäume erschwert. Auch wenn es für das Kalken vom Land ordentliche Zuschüsse gibt, kostet es laut Betriebsplan für 2019 rund 10 000 Euro. Auf rund 30 000 Euro belaufen sich die Ausgaben für den Unterhalt des Waldes insgesamt. Dem stehen 22 000 Euro an Einnahmen aus dem Holzverkauf gegenüber. Nach Jahren der Überschüsse bringt der Wald 2019 ein Minus von 8 500 Euro. Der Gemeinderat beschloss den Betriebsplan einstimmig - wohl wissend, dass das Wetter wieder einen dicken Strich durch die Rechnung machen kann.Volkmar Schreier