Kirchheimer Umland

Naturnahe Gärten sind der beste Schutz

Wolf Rühle, Umwelt- und Naturschutzbeauftragter der Stadt Kirchheim, warnt vor zu viel Aktionismus und Fürsorge in Bezug auf die stacheligen Gesellen

Wer Igeln etwas Gutes tun will, sollte damit nicht erst im Herbst beginnen. Naturnahe Gärten sind der beste Igelschutz. ­Darüber hinaus rät Wolf Rühle, Umwelt- und Naturschutz­beauftragter der Stadt ­Kirchheim, von zu viel ­Aktionismus und Fürsorge ab.

Wolf Rühle
Wolf Rühle

Herr Rühle, brauchen Igel im Oktober schon Hilfe?

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WOLF RÜHLE: Nein, die brauchen sie nicht. Die Tiere sind noch bis Mitte November auf der Nahrungssuche, um Fettreserven aufzubauen. Tiere, die noch nicht so viel Gewicht auf die Waage bringen, haben jetzt in der freien Natur weiterhin die Möglichkeit zuzulegen.

 

Besteht die Gefahr, dass kranke Igel mit Igelmüttern verwechselt werden?

RÜHLE: Kranke Igel suchen ihr Futter auch tagsüber. Das können auch einmal säugende Mütter sein, weil sie einen erhöhten Nahrungsbedarf haben und zwischen ihren Quartieren hin- und herpendeln. Mit Blick auf die Jungtiere wäre es fatal, das Muttertier, das als scheinbar hilfsbedürftig eingestuft wird, ins Haus zu holen. Besser ist es, artgerechtes Futter hinauszustellen und das Tier zu beobachten, um festzustellen, ob es sich wirklich um einen kranken Igel handelt. Man kann das Tier aber auch kurz auf die Waage setzen, um das Gewicht zu prüfen.

Früher wurde immer geraten, Igel zu waschen.

RÜHLE: Das ist absolut nicht notwendig. Für die Tiere bedeutet das Stress und jede Menge Energieaufwand. Und wenn ein Igel stark von Parasiten befallen ist, sollte er zum Tierarzt gebracht werden.

 

Wie sieht langfristiger Igelschutz aus?

RÜHLE: Wer den Tieren etwas Gutes tun und sie unterstützen will, sollte seinen Garten naturnah gestalten. Ein giftfreier Garten mit Laub- und Reisighaufen, heimischen Sträuchern, Bäumen und Stauden bedeutet langfristige Hilfe für Igel. Unter heimischen Sträuchern und Bäumen finden Igel ein großes Angebot an Nahrung, weil sich dort viele Käfer und Insekten tummeln. Eine flache Schale mit frischem Wasser, das regelmäßig gewechselt wird, nehmen Igel gerne als Tränke an. So wird dem Igel ein guter Lebensraum mit ausreichend Nahrung angeboten. Das trägt letztlich dazu bei, dass die Tiere auch gut durch die kalte Jahreszeit kommen. Igel sind sehr mobil und brauchen freien Zutritt zu Gärten. Zäune sollten für die kleinen Gesellen deshalb nicht zum Hindernis werden, sondern gut passierbar sein.

Foto: Daniela Haußmann