Kirchheimer Umland

„Nachrücker“ machen Platz für Neue

Katja Seybold und Karl-Heinz Schöllkopf scheiden aus dem Kirchheimer Gemeinderat aus

Im Kirchheimer Gemeinderat ist es zu einem Wechsel im Doppelpack gekommen: Katja Seybold (CIK) und Karl-Heinz Schöllkopf (Grüne) sind aus dem Gremium ausgeschieden. Die Nachrücker sind Gerd Mogler für die Christliche Initiative Kirchheim und Viktoria Pardey für die Grünen.

Die scheidenden Gemeinderatsmitglieder und ihre Nachfolger postieren sich gemeinsam mit der Oberbürgermeisterin vor dem Kirchhei
Die scheidenden Gemeinderatsmitglieder und ihre Nachfolger postieren sich gemeinsam mit der Oberbürgermeisterin vor dem Kirchheimer Rathaus. Das Bild zeigt von links: Gerd Mogler und Katja Seybold (CIK), Viktoria Pardey und Karl-Heinz Schöllkopf (Grüne) sowie Angelika Matt-Heidecker.Foto: Deniz Calagan

Kirchheim. „Sie haben dazu beigetragen, dass sich das Gesicht unserer Stadt verändert hat und sich auch in der Zukunft weiter verändern wird“, sagte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker, an beide scheidenden Ratsmitglieder zugleich gewandt. Beispielhaft nannte sie Projekte wie die Bebauung des Steingau-Quartiers auf dem ehemaligen EZA-Gelände, die Energie Kirchheim oder auch die Sanierungsgebiete Ötlingen und Dettinger Weg. Was die unterschiedlichen Schwerpunkte der beiden betrifft, nannte sie Katja Seybold „einen Teil des sozialen Gewissens“ und Karl-Heinz Schöllkopf „einen Teil des städtebaulichen Gewissens“ im Gremium.

Katja Seybold war im Oktober 2010 für Wolfgang Schuler in den Gemeinderat nachgerückt: Seither hat sie gemeinsam mit Hans Kiefer das Tandem der Christlichen Initiative Kirchheim (CIK) im Gemeinderat gebildet. „Dass Glaube und Politik Hand in Hand gehen können, gehört zu Ihrer Grundüberzeugung“, sagte die Oberbürgermeisterin zu Katja Seybold wie auch zu ihrer Gruppierung. Wichtige Themen für Katja Seybold seien die Schulentwicklung gewesen sowie die Schulsozialarbeit, aber auch die Betreuungsmöglichkeiten für Kinder und das beitragsfreie erste Kindergartenjahr. Sie habe sich stets auch für Menschen am Rand der Gesellschaft eingesetzt und viele neue Anstößen und Perspektiven ins Rathaus gebracht. Nicht zuletzt sei sie „in der Schulerschen Erbfolge“ eine Verfechterin des Doppelhaushalts gewesen.

Katja Seybold selbst, die mit ihrer Familie aus Kirchheim wegzieht und deshalb ihr Gemeinderatsmandat aufgeben muss, bedankte sich für das Vertrauen und den Respekt im Ratsrund: „Bei allen Unterschiedlichkeiten kann man hier auf Augenhöhe miteinander reden.“ Sie bedaure es sehr, jetzt gehen zu müssen – „gerade in Zeiten, wo es ans Sparen, Einsparen und Streichen geht, denn gerade da darf man sich nicht drücken“. Dem Gemeinderat wünschte sie daher  „den Mut, die Standhaftigkeit und die Kompromissbereitschaft, um Entscheidungen ohne wahltaktische Überlegungen zum Wohle Kirchheims zu treffen“.

Zu Karl-Heinz Schöllkopf, der nach mehr als zehn Jahren Zugehörigkeit zum Gemeinderat sein Ausscheiden beantragt hatte, sagte Angelika Matt-Heidecker, dass sein analytisches Denken und seine klaren Worte im Gremium fehlen werden – und das nicht nur, wenn es um städtebauliche Fragen geht.

Insgesamt war Karl-Heinz Schöllkopf elfeinhalb Jahre lang Kirchheimer Stadtrat: von Februar 2002 bis September 2004 als Nachfolger von Gerhard Fick, und seit Juli 2006 als Nachrücker für Christoph Tangl. An der Anschließung Kirchheims ans Stuttgarter S-Bahn-Netz sei er maßgeblich beteiligt gewesen, betonte die Oberbürgermeisterin jetzt zur Verabschiedung. Nicht nur als Stadtrat, sondern auch als freier Architekt habe er sich in diesem Fall eingebracht und für die Überdachung des Bahnhofsvorplatzes die Form eines Flugzeugflügels gewählt – „als Reminiszenz an die Fliegerstadt Kirchheim“.

Aber auch an anderer Stelle hat er sich kreativ gezeigt: So gehe die Formulierung vom „blauen Ypsilon“ für den Zusammenfluss von Lauter und Lindach in Kirchheim auf Karl-Heinz Schöllkopf zurück. Unter anderem daran zeigt sich seine Verbundenheit zur Stadt Kirchheim wie auch zu den Grünen. Somit konnte Angelika Matt-Heidecker feststellen: „Sie werden sich auch weiterhin aktiv für Ihr Kirchheim einbringen.“

Darauf setzt auch Sabine Bur am Orde-Käß, die als Fraktionsvorsitzende der Grünen dem scheidenden Kollegen bei aller steigenden beruflichen Belastung durchaus auch „mehr schöne Abende auf der Terrasse“ wünschte. Dennoch werde die Fraktion auf Karl-Heinz Schöllkopfs „fachlichen und sachlichen Rat noch lange nicht verzichten“. – Er selbst bot diesen Rat postwendend freiwillig an: „Ich war schon immer ein politisches Wesen. Ich mische mich auch weiterhin ein.“ Scherzhaft folgte noch die Drohung: „Ihr werdet mich nicht los!“

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