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Neue Plätze für Grünschnitt scheitern am Geld

Verwertung Unnötig und zu teuer: Der Landkreis will sein bestehendes Netz zur Sammlung von Gartenabfällen nicht erweitern. In Owen gibt es aber auch eine Ausnahme von der Regel. Von Bernd Köble

Braucht es im Landkreis mehr Sammelplätze für Grünschnitt? Bewohner der Kirchheimer Saarstraße würden diese Frage mit einem klaren Ja beantworten. Seit vielen Jahren herrscht dort an manchen Wochentagen regelrecht Krieg zwischen Anwohnern und Kleingärtnern, die ihre Gartenabfälle am Ende der langen Stichstraße mitten durchs Wohngebiet abliefern wollen. In Spitzenzeiten kommt man hier auf bis zu 8000 Anlieferungen pro Monat. Die Folgen: lange Staus, blockierte Grundstücke, Eltern, die ihre Kinder zum Spielen nicht mehr auf die Straße lassen. Dass die Lage nicht ideal ist, ist unstrittig. Im Kirchheimer Rathaus und im Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises (AWB), der die Sammelplätze betreibt, kennt man das Problem, doch keine Lösung. Den Standort in der Saarstraße gibt es seit 35 Jahren. Lange Zeit war er der einzige auf Kirchheimer Stadtgebiet. Erst mit dem Kompostwerk nahe der Autobahn ist eine zweite Annahmestelle hinzugekommen. 

Heute gibt es 35 Grünschnitt-Sammelplätze und neun Kompostierungsanlagen im Landkreis Esslingen. Für sie gelten strenge Auflagen, was Größe, Befestigung und Entwässerung betrifft. Neue Standorte sind deshalb kaum zu finden. Worum es im Detail geht, zeigt eine Umfrage des AWB unter Kommunen in diesem Frühjahr. Flächen, die groß genug wären, kämen nur dann infrage, wenn Abwasserkanäle zwischen 900 Metern und 2,8 Kilometern Länge, je nach Standort, neu verlegt würden. So weit liegen diese Plätze vom örtlichen Kanalnetz entfernt. „Rechnet man die Kosten für die Befestigung hinzu, ist das wirtschaftlich nicht darstellbar“, sagt AWB-Geschäftsführer Manfred Kopp angesichts veranschlagter Anschlusskosten von 1000 Euro für den laufenden Meter. Durch die Ausdehnung der wöchentlichen Abfuhr der Biotonne auf sechs Monate gebe es auch keine Engpässe, heißt es aus dem AWB. Weil Gras, Laub und verholztes Schnittgut regelmäßig umgesetzt und gesiebt werden müssen, damit es nicht stinkt und fault, ist zudem eine Mindestfläche von 15 Ar angesetzt – am besten problemlos erweiterbar.

Solche Standorte sind rar, aber es gibt sie: Auf Gemarkung Owen liegt das kreisweit einzige Grundstück, dass der Landkreis in Abstimmung mit der Stadt diesbezüglich prüft. Dort stünden 25 Ar zur Verfügung, die im Flächennutzungsplan zur Erweiterung der Kläranlage zwischen Owen und Dettingen eingeplant waren. Stadt und Gemeinderat hätten Interesse. Die Owener Bevölkerung offenbar auch. Der Wunsch nach einem eigenen Sammelplatz für Grünschnitt war ein Ergebnis der gemeinsamen Gemeindeentwicklungsplanung, die vor zwölf Jahren angestoßen wurde.

Owen dürfte eine Ausnahme bleiben. Für die Kirchheimer Saarstraße jedenfalls ist keine Lösung in Sicht, solange es für die Zufahrt zum dortigen Wertstoffhof keine Alternative gibt. Grundvoraussetzung dafür wäre die Erschließung des Gewerbegebiets „Au“ auf Ötlinger Seite, die eine Zufahrt von Westen ermöglichen würde. Doch dabei hakt es seit vielen Jahren zwischen Stadtverwaltung und Landratsamt. Auch dort geht es ums Thema Gewässerschutz und um die Frage, was unterm Strich wirtschaftlich vertretbar ist. Nach Informationen der Stadtverwaltung ist nicht zu erwarten, dass in absehbarer Zeit Bewegung in die Sache kommt. Derweil wird versucht, mit anderen Mitteln die Lage zu entspannen. Seit Frühjahr gibt es entlang der Saarstraße Halteverbotszonen, die Engstellen beseitigen sollen. Seitdem seien keine Klagen mehr aufgetaucht, berichtet der Sprecher der Stadt, Robert Berndt. Weniger Stau, mehr Durchfluss – was sich die Anwohner allerdings wünschten, wäre weniger Verkehr.


Abgabestellen künftig auch für Speiseöl?

Die Stadt Öhringen hat es vorgemacht. Im Kreis Esslingen wollte man den Weg zumindest prüfen. Wohin mit Resten von Speiseölen und -fetten? Vor dieser Frage stehen viele Haushalte. Die 25 000 Einwohnerstadt im Hohenlohekreis bietet seit Oktober 2021 Sammelautomaten an Supermärkten an. Dafür werden Mehrwegflaschen aus Kunststoff an alle Haushalte verteilt. Beim Einwurf einer vollen Flasche erhalten Sammler automatisch eine leere zurück. Einsammlung und Verwertung übernimmt ein Dienstleister. Kostenpunkt: ein Euro pro Einwohner und Jahr.
Bis August wurden auf diese Weise in Öhringen 7,4 Tonnen des Rohstoffs gesammelt. Auf Antrag der Freien Wähler wird das Modell auch für den Kreis Esslingen geprüft. Bisheriger Stand: zu teuer. Bei einer veranschlagten Menge von 500 Gramm pro Einwohner und Jahr läge der jährliche Aufwand bei 635 000 Euro. Man werde die Entwicklung des Marktes aber weiter beobachten, heißt es im Landratsamt. bk