Kirchheimer Umland

Neuer Lebensraum für Käfer und Co.

Natur NABU-Mitglieder schaffen im Naturschutzgebiet Wiestal mit Rauber zwischen Jesingen und Ohmden ein Refugium für Insekten, Eidechsen und andere Lebewesen. Von Thomas Krytzner

Nur wenige Helfer: Die Bereitschaft zu NABU-Arbeitseinsätzen ist gering.Foto: Thomas Krytzner
Nur wenige Helfer: Die Bereitschaft zu NABU-Arbeitseinsätzen ist gering. Foto: Thomas Krytzner

Bereits im September des vergangenen Jahres waren Mitglieder der NABU-Gruppen Jesingen und Teck oberhalb des Obstwasens zwischen Jesingen und Ohmden aktiv und lichteten dort den Waldrand. Vor einigen Jahren zählte dieses Gebiet schon mal als herrliches Habitat für verschiedene Lebewesen. Im Lauf der Jahre hat sich der Wald im Naturschutzgebiet Wiestal mit Rauber ausgeweitet. Jetzt soll dort wieder eine blühende Halbtrockenrasenfläche entstehen. Aus diesem Grund treffen sich die Naturschützer fast jedes Wochenende, um das geschlagene Holz aus der Obstwiese zu entfernen und in den Wald reinzutragen. „Wir müssen die Wiesen räumen, bevor die Schäfer mit ihren Tieren zum Weiden kommen“, erklärt Klaus Lang, stellvertretender Vorsitzender der NABU-Gruppe Jesingen.

Das Ziel der Aktion ist es, Platz und Licht für Blühpflanzen, wie beispielsweise den Dost zu schaffen. „Dadurch locken wir Schmetterlinge, Käfer, Eidechsen und andere Lebewesen an.“ Lang ist überzeugt, dass das Albvorland in einer bevorzugten Situation ist. „Das Naturschutzgebiet liegt am Südhang der Sonne zugerichtet. Durch die Wärme wird das Wachstum der Blühpflanzen gefördert.“ Einen weiteren Vorteil sieht der Naturschützer in der naturnahen Landwirtschaft. „Wir haben eine höhere Biodiversität im Gebiet.“

Die Schaffung des Refugiums für Insekten und Kleintiere geschieht in Abstimmung mit der Stadt Kirchheim und dem Regierungspräsidium Stuttgart, das auch Aufsichtsbehörde für Naturschutzgebiete ist. Wie Klaus Lang erläutert, sei der bisher ausgebliebene Winter günstig für die Wildtiere, allerdings befürchtet er, dass dadurch die Blütezeit für Obstbäume viel zu früh losgeht. Auf den Obstwiesen, die zum Teil bis an den Waldrand reichen, stehen Bäume, die in den 60er-Jahren gepflanzt wurden. „Äpfel, Birnen, Kirschen und Zwetschgen waren bis in die 90er-Jahre noch sehr gefragt, aber mit der wachsenden Zahl der Lebensmittelläden nahm die Nachfrage stetig ab und die Obstbäume werden nicht mehr so intensiv gepflegt“, bedauert Lang.

Insektenbiotop schaffen

Dieter Ilg, Vorsitzender der NABU-Gruppe Jesingen, sieht den höchsten Artenreichtum in dem Gebiet, wo Wald und offene Fläche aufeinandertreffen. „Die Artenvielfalt ist im Übergangsbereich sehr hoch, deshalb schaffen wir hier freie Flächen, damit Licht und Wärme den Boden erreichen.“ Kaputtes Holz bietet jetzt schon Lebensraum für viele Insekten und lockt dadurch auch selten gewordene Vogelarten an. „Wir haben bereits mehrere Paare der Halsbandschnattern entdeckt, aber auch der Wendehals und der Schwarzspecht siedeln sich im Naturschutzgebiet wieder an“, freut sich der Naturschützer aus Jesingen.

Da der Naturschutzbund Betreuerverband des Naturschutzgebietes ist, führen die Naturfreunde regelmäßige Bestandsaufnahmen durch und planen nötige Maßnahmen. Wenn das etwa ein Hektar große Gebiet an der 500 Meter langen Waldgrenze geräumt ist, müssen im Spätsommer Ziegen auf die Wiese. „Das Gehölz sprießt in der warmen Südhanglange sofort wieder und wenn wir nicht pflegen, ist der Wald in drei Jahren wieder da.“ Rund zwei Jahre dauert es, bis der Insektenbestand wieder gehörig ansteigt. Dieter Ilg ist zufrieden: „In geringem Maße können wir noch in diesem Jahr erste Lebewesen feststellen. Die ersten werden flugfähige Tiere wie die Schmetterlinge sein.“ Sobald dann alles blühe, steige auch der Insektenbestand.

Enttäuscht ist Dieter Ilg von der Bereitschaft zu Arbeitseinsätzen seiner NABU-Gruppe. „Wir haben 80 Mitglieder und heute sind gerade mal sechs Freiwillige da, um mitzuhelfen.“ Nachwuchssorgen treiben den Vorsitzenden um: „Zu den verschiedenen Aktionen, die wir im Jahr anbieten, kommen immer viele Kinder, aber kaum jemand will sich noch im Verein engagieren.“ So müssen die Arbeitsstunden, die für den Schutz der Natur geleistet werden, auf wenigen Schultern verteilt werden. Die NABU-Gruppe hat sich entschlossen, bei entsprechendem Interesse aus der Bevölkerung, während der Säuberungsarbeiten im Naturschutzgebiet einige junge Bäume umzupflanzen. „So können wir Obst- und Gartenfreunden zeigen, wie Bäume richtig gesetzt werden.“

 

Weitere Infos gibt es unter www.nabu-kirchheim-teck.de

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