Kirchheimer Umland

Nicht an den Rand drängen

Vor vielen Jahren trafen sich einige der Freunde vom Gaiserplatz mitten in der Stadt: An der Maf, innerhalb des Alleenrings. Heute kann man dort nett Cappuccino schlürfen. Männer, die am helllichten Tag Bier trinken, passen da nicht gut ins Bild. Sie sind an den Rand gerückt, an den Gaiserplatz. Gentrifizierung nennt man das, wenn Menschen, die sich nicht wehren können, verdrängt werden und umziehen müssen. Auch, wenn es nur im übertragenen Sinne ist.

Dass vereinzelte Menschen den Freunden vom Gaiserplatz auch diesen Ort streitig machen wollen, macht sprachlos. Gut, dass die Stadt die Anfrage eines Interessenten abgelehnt hat, dort ein Café zu eröffnen. Ohne Zweifel gibt es charmantere Flecken als diesen Platz mit dem graffitiverschmierten Gebäude. Aber er ist die zweite Heimat von Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen. Sie noch weiter an den Stadtrand zu drängen, wäre kalt und unmenschlich. Der Versuch, es ihnen mithilfe des Projekts so schön wie möglich zu machen, ist hingegen das richtige Signal.ANTJE DÖRR

Anzeige