Kirchheimer Umland

„Nicht den Marktplatz erschlagen“

Architektur Die Volksbank-Hauptstelle in Kirchheim erhält eine neue Fassade. An den Räumen zur Marktstraße kommen 60 Quadratmeter des ehemaligen Reisebüros dazu. Innen wird ebenfalls vieles neu. Von Thomas Zapp

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Foto: Nico Rolzhauser

Am 20. Mai rücken die ersten Bauarbeiter an, um mit der Runderneuerung der Volksbank-Hauptstelle am Kirchheimer Marktplatz zu beginnen. Das Gebäude aus den späten 80er-Jahren bekommt nicht nur nach außen hin ein umfangreiches Facelifting, auch im Innenbereich gibt es viele Neuerungen.

Die augenfälligste Veränderung für die „Laufkundschaft“ wird der Bereich für Geldautomaten und Auszugsdrucker sein, den man von der Marktstraße aus betritt. Der wandert ein gutes Stück nach links, wo sich bis vor Kurzem noch ein Reisebüro befand. „Wir bieten dadurch 60 Quadratmeter mehr Service, der Bereich war zu eng geworden“, sagt Eberhard Gras, Vorstandsmitglied der Volksbank Kirchheim-Nürtingen. Gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Martin Winkler stellt er die umfangreichen Neuerungen vor, die bis Ende 2020 rund zehn Millionen Euro kosten werden. Prägend werden die Umbauten auch für den Marktplatz, denn die Fassade wird ihr Gesicht deutlich verändern. So werden die Fenster zum Platz hin gleichmäßiger und größer, das charakteristische, halbrunde Tonnendach auf dem Zwischenstück zwischen Alt- und Neubau wird verschwinden. Das Ganze hat ein klares Ziel: Mehr Licht soll in die Büros kommen. „Wir haben viel mit der Stadt diskutiert und gute Ideen entwickelt. Wir wollten ja nicht den Marktplatz optisch erschlagen“, sagt Eberhard Gras.

Im Erdgeschoss wird es mehr Stellen für die persönliche Beratung geben, acht barrierefreie Beratungszimmer, insgesamt stehen zwölf zur Verfügung. „Der Bedarf bei unseren Mitgliedern und Kunden ist weiterhin ungebrochen groß, trotz aller digitaler Möglichkeiten“, sagt Martin Winkler. Das führt Eberhard Gras auch auf die Niedrigzinsphase zurück und die Unsicherheit vieler Kunden, welches Produkt das richtige sei. „Früher hat man sich einen Bundesschatzbrief gekauft, dann war man auf der sicheren Seite“, erzählt er. Während der Beratungsbedarf weiterhin hoch sei, werde künftig der bediente Service weiter abnehmen.

Über den Eingang vom Marktplatz, der knapp sieben Meter nach links wandert, kommt man künftig in den Mitgliederbereich mit bequemen Sitzmöglichkeiten. Von dort schaut man durch die Glaswand direkt in das Kunsthöfle. Die Sichtachse wird dann unverbaut sein, denn die markante Treppe in das erste Obergeschoss wird komplett abgerissen und rechts vom Eingang durch eine Wendeltreppe ersetzt. Der Eingangsbereich wird künftig der zentrale Treffpunkt sein, den man bei gutem Wetter dann auch ins Freie verlagern kann.

Durch den Wegfall des Treppenhauses wird im ersten Obergeschoss neuer Platz geschaffen. In die freiwerdende Lücke soll ein Boden eingezogen werden, auf dem Plätze für „stilles Arbeiten“ geschaffen werden. „Rund 70 bis 80 Quadratmeter haben wir dann mehr Platz“, sagt Martin Winkler. Gleichzeitig werden auch die Büros auf der ersten Etage neu aufgeteilt. Über eine weitere Neuerung werden sich vor allem die sportlichen Mitarbeiter der Volksbank freuen: Es wird einen Waschraum mit Dusche geben. „Weil viele gerne mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen möchten“, weiß Eberhard Gras. Da ließe sich hinzufügen: und trotzdem frisch ins Kundengespräch gehen möchten. Auch das wird künftig möglich sein für die derzeit rund 70 Mitarbeiter.

Die Investition von zehn Millionen Euro erklärt sich nicht nur durch die Baumaßnahmen allein. Die technische Infrastruktur im mehr als 30 Jahre alten Gebäude wird runderneuert, das beginnt beim Internet und endet bei der Haustechnik. Die 18 Monate Bauzeit für alles sind ambitioniert, das weiß auch Eberhard Gras. „Es gibt Wetten, die dagegenlaufen, aber wir arbeiten mit Profis und sind optimistisch“, fügt er hinzu.

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