Kirchheimer Umland

Nicht jeder Igel benötigt Hilfe

Die putzigen Tiere dürfen nur in Ausnahmefällen aufgenommen werden

Im Herbst streifen Igel auf der Suche nach fetten Leckerbissen auch tagsüber umher. Nicht jeder Stachelhäuter, der hilfsbedürftig zu sein scheint, ist es auch. Daher sollten die Tiere nur in Ausnahmefällen auf­genommen werden.

Wenn ein Igel mitten im Winter aufwacht, hat er zu wenig Gewicht und braucht tatsächlich Hilfe.Foto: pr
Wenn ein Igel mitten im Winter aufwacht, hat er zu wenig Gewicht und braucht tatsächlich Hilfe.Foto: pr

Kirchheim. Zurzeit sind die nachtaktiven Stachelhäuter auch am Tage unterwegs. Sie suchen laut Wolf Rühle Nahrung, um sich auf den herannahenden Winter vorzubereiten. „Die Igel brauchen Fettreserven, wenn sie bis zum Frühjahr schlummern“, so der Umwelt- und Naturschutzbeauftragte der Stadt Kirchheim. Ist ein Igel offensichtlich verletzt oder deutlich zu klein, dann braucht er menschliche Hilfe. Früher hieß es: Wenn ein Igel 700 Gramm wiegt, ist er zu klein. Diese Zahl wurde später auf 500 Gramm korrigiert. „Doch bei so einem Gewicht kommen die Tiere gut alleine klar“, weiß Martin Klatt. „Heute gilt: Wenn ein Igel rund 250 Gramm oder weniger auf die Waage bringt, darf zugefüttert werden.“

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Der Referent für Arten- und Biotopschutz vom NABU Baden-Württemberg betont, dass die putzigen Gesellen keineswegs ins Haus geholt werden sollten. „Stattdessen sollten im Garten Laub- und Reisighaufen als Unterschlupf angeboten werden, in denen sich der Igel über den Winter zurückziehen kann“, betont Klatt. „Dort kann auch eine Schale mit Katzen- oder Igelfutter aus der Tierhandlung aufgestellt werden, um den Igel bei der Gewichtszunahme zu unterstützen, bis er in der Winterschlaf fällt.“ Unter gar keinen Umständen sollten den Tieren laut Wolf Rühle Milch oder Milchprodukte gegeben werden. Wichtig sei artgerechtes Futter.

„Ziel einer jeden Igelbetreuung ist, dass die stacheligen Gesellen in ihren Lebensräumen selbst überleben und nicht aus übertriebener Sorge in menschliche Abhängigkeit geraten“, erklärt der Umwelt- und Naturschutzbeauftragte. „Schließlich sind Igel Wildtiere und keine Haustiere. Zufüttern ist nur als kleine Unterstützung gerechtfertigt.“ Im Haus überwinterte Tiere haben laut Martin Klatt im Frühjahr Anpassungsschwierigkeiten, wenn sie in die Natur entlassen werden. Außerdem hätten auch Jungtiere in der Natur wesentlich bessere Überlebenschancen als allgemein angenommen werde.

Wer einen verletzten oder deutlich zu kleinen Igel, wie beispielsweise ein untergewichtiges Jungtier, findet, sollte ihn zum Tierarzt bringen oder bei einer Igelstation abgeben, appelliert Klatt. „Das gilt auch für Personen, die keine Erfahrung mit Igeln haben“, sagt Klatt. „Zudem hat nicht jeder einen Garten oder eine Grünanlage. Und einen tatsächlich hilfsbedürftigen Igel im Vorgarten zu überwintern, womöglich noch in direkter Straßennähe, ist einfach nicht zielführend.“ Für das Wohl des Tieres sei es daher besser, den Gang zur Igelstation anzutreten. So ist Wolf Rühle zufolge gewährleistet, dass die Tiere in fachkundiger Obhut gut versorgt werden.

In einem milden Winter sei es darüber hinaus durchaus möglich, dass ein Igel seinen Winterschlaf unterbricht, bis die Temperaturen wieder fallen. „Aber auch hier gilt, dass das Tier in Ruhe gelassen und nur zugefüttert werden sollte.“ Wenn ein Igel aber mitten im Winter aufwacht, dann hat er tatsächlich zu wenig Gewicht und braucht Hilfe, weil er bei Schnee und gefrorenem Boden keine Nahrung findet.