Kirchheimer Umland

Nicht übers Ziel hinausschießen

Wandern war Selbstzweck, der Weg ist das Ziel. Doch mehr und mehr wird Wandern ein Wirtschaftsfaktor. Seit vor mehr als 100 Jahren der Nordrandweg geschaffen wurde, ist viel im Umbruch. Das betrifft nicht nur gutes Schuhwerk oder Wanderhosen, sondern auch Wanderwege und Regionen. Denn nun werden auch immer öfters Wanderwege zertifiziert – ein Vorgehen, dass eher aus aus der Industriellen Produktion bekannt ist. Gemäß Qualitätskriterien werden Wege bewertet – und können so besser beworben werden.

Vorteile bringt das natürlich: Die Ausschilderung wird gepflegt, es gibt Hinweistafeln, Rastplätze. Wo das naturverträglich die lokale Wirtschaft unterstützt, ist das eine sinnvolle Sache. Sei es etwa durch Restaurants, die Lamm vom lokalen Schäfer anbieten, und so zum Erhalt der Wacholderheiden beitragen.

Die andere Seite sind jedoch Maßnahmen, die konträr zum nachhaltigen Tourismus und Naturschutz stehen. Einerseits ist gerade die geschützte Natur Ziel der Wanderwege, andererseits werden jedoch auf der Schwäbischen Alb unter Federführung des Deutschen Wanderinstituts „neue so genannte „Premiumwanderwege“ ausgeschildert (…), die zur Steigerung der Attraktivität und Optimierung der Vermarktung auch bisher nicht erschlossene Aussichtspunkte ansteuern. Sofern es sich bei diesen Aussichtspunkten um gesetzlich geschützte Biotope handelt, ist dies nicht zu verantworten und verstößt nicht zuletzt gegen geltendes Naturschutzrecht“, stellt der Albverein im Organ „Blätter des Schwäbischen Albvereins“ fest.

Wo dann noch eine „Möblierung“ der Landschaft mit Picknickplattformen und Ruhebänken hinzukommt, hat der Natursuchende die Nase voll. Gestaltete Natur gibt es in den Ballungsräumen genug. Das ist übers Ziel hinausgeschossen, denn auf der Schwäbischen Alb sucht man etwas anderes.JUDITH REISCHL

Anzeige