Kirchheimer Umland

Nicht warten, selbst handeln

Mundpropaganda statt Vermittlung: Bei der Ferienjobsuche hat die Agentur für Arbeit ausgedient

Bevor die Betriebe Stellen für Ferienjobs ausschreiben, stapeln sich meist schon Bewerbungsmappen auf dem Schreibtisch. Wer sich in der freien Sommerzeit ein paar Euro dazu verdienen will, muss Initiative zeigen – möglichst im Frühjahr.

Rukiye Kaya arbeitet in den Semesterferien bei Festool in Wendlingen. Auf den Job ist die Studentin durch ihren Mann gekommen.Fo
Rukiye Kaya arbeitet in den Semesterferien bei Festool in Wendlingen. Auf den Job ist die Studentin durch ihren Mann gekommen.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Ferienjobber sind gesucht, doch Ferienjobs noch mehr. Viele Abiturienten wollen die Zeit zwischen Entlassungsfeier und Neustart sinnvoll nutzen und mit einem Ferienjob überbrücken. Aber auch Schüler und Studenten füllen mit Ferienjobs gerne ihre Geldbörse auf. Das kommt vielen Betrieben in der Region gerade recht: „Im Sommer wollen viele unserer Mitarbeiter in den Urlaub“, erklärt Johannes Beck vom Wendlinger Werkzeughersteller Festool. Also hat das Unternehmen 22 Ferienjobber eingestellt, die die fehlenden Arbeitskräfte ersetzen sollen. Diese werden größtenteils in der Produktion in Neidlingen eingesetzt, wo sie beispielsweise in der Montage arbeiten. Einige helfen auch in der Logistik des Betriebs.

Die Einsatzmöglichkeiten beim Jobben sind vielfältig. Wer sich für die Branche interessiert, hat neben der Möglichkeit, endlich eigenes Geld zu verdienen, auch die Chance, ein wenig Berufserfahrung zu sammeln. Das macht die Kurzzeitbeschäftigung für Schüler und Studenten sehr attraktiv – zumal Steuern und Abgaben für die Sozialversicherung normalerweise wegfallen.

Die Deutsche Post muss für die Stellen in der Zustellung und im Paketzentrum in Köngen meistens gar keine Jobber mehr suchen: „Durch Bekannte und Verwandte wird die Werbetrommel schon genug gerührt“, erklärt Pressesprecher Hugo Gimber. Dem Werkzeughersteller Festool geht es ähnlich: „Wir bekommen inzwischen so viele Initiativbewerbungen, dass wir die Jobs nicht mehr ausschreiben müssen“, verrät Johannes Beck. Viele Hilfskräfte kommen außerdem Jahr für Jahr wieder – gut für den Betrieb, der die bewährten Jobber kaum mehr einarbeiten muss.

Auch beim Kirchheimer Unternehmen AMK ist eine gewisse Erfahrung gerne gesehen. Aber auch schon das Interesse am Fach kann hilfreich sein: „Manche schrauben ja gern mal an ihrem Fahrrad rum“, sagt Michael Koch. Solche Vorkenntnisse seien auch in der Montage von Vorteil. Explizite Fachkenntnisse werden von den jungen Helfern nicht erwartet: „Natürlich können Jobber die normale Kraft nicht eins zu eins ersetzen“, erklärt Koch. Trotzdem tragen sie dazu bei, dass es auch in der Urlaubszeit im Betrieb weitergeht.

Kerstin Fickus von der Agentur für Arbeit in Göppingen kann die Erfahrungen der Unternehmen bestätigen: „Wer einen Ferienjob sucht, sollte sich schon im Frühjahr bewerben“, sagt sie. Von den Ferienjobs, die die Agentur in der Kartei hatte, sind inzwischen alle vergeben. Die Kartei ist allerdings auch sehr übersichtlich: „Die Ferienvermittlung läuft nur noch selten über uns, sondern auf direktem Weg. Am besten fragt man einfach bei den Firmen nach“, rät sie zukünftigen Bewerbern.

Schnell beim Jobben die Kasse für den Sommerurlaub aufpolieren, geht meistens auch nicht: „Wir arbeiten niemanden eine Woche lang ein, wenn er nach drei Wochen wieder geht“, erklärt der Pressesprecher der Post. Deswegen sind Abiturienten sehr willkommen: Die Schulabgänger können schon lange vor den Sommerferien anfangen.

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