Kirchheimer Umland

Noch offene Fragen zum Tiefgaragenbrand

Anwalt des Angeklagten: Eigentlich müsste der Unternehmer des Taxigewerbes vor Gericht stehen

Die Suche nach dem Schuldigen des Tiefgaragenbrands im September 2011 in der Osiander­straße in Kirchheim geht vor Gericht weiter. Gestern hatte ein Gutachter das Wort: Das Feuer entstand im Turbolader des Dieselfahrzeugs eines Kirchheimer Taxifahrers.

Bernd Winckler

Kirchheim/Stuttgart. Durch ein kleines Feuer im vorderen Bereich des Motorraums des sieben Jahre alten Mercedes-Taxis entstand am 23.  September 2011 mitten in Kirchheim ein Großbrand. Die Tiefgarage nebst darüber- und danebenliegenden Geschäften und mehreren Wohnungen wurden erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Der 39-jährige Taxifahrer, der den mutmaßlichen bereits brennenden Wagen in die Tiefgarage steuerte, steht wegen fahrlässiger Brandstiftung vor Gericht.

Tatsächlich aber, so wettert sein Anwalt, müsste der Unternehmer des Taxigewerbes vor Gericht stehen. Denn der sei letztlich dafür verantwortlich, dass das Fahrzeug richtig gewartet wird. Nach den Feststellungen eines technischen Kfz-Sachverständigen war das Feuer im Bereich des Turboladers im Motorraum entstanden. Ein Ölwechsel wurde offenbar nach der letzten Wartung durch die Firma Mercedes am 27. Oktober 2009 nicht mehr vorgenommen. Die Folge: Altöl sammelte sich im Lader, verklumpt und verschlammt. Festgestellt worden sei, dass eine große Menge des verschlammten Öls durch die Hitze der Turboschaufeln während der Fahrt von Esslingen nach Kirchheim zu glimmen und dann zu brennen anfing, sagte der Verteidiger des Angeklagten.

Dass der Angeklagte als Fahrer davon nichts mitbekam, sei nachvollziehbar. Und der Hinweis, er hätte doch sehen müssen, dass eine Warnlampe im Cockpit ständig rot zeigte, sei ebenfalls nicht ernst zu nehmen, denn oft seien solche Hinweislämpchen in den Fahrzeugen schlicht durchgebrannt. Der Fahrer des Taxis, der die Schicht vor dem Angeklagten betreute und das Fahrzeug steuerte, sagte aus, dass er von einem Feuer oder Brandgeruch nichts mitbekommen habe. Ein Gutachter der Firma Mercedes indes sagte am gestrigen zweiten Prozesstag aus, dass das Fahrzeug bereits ein Jahr nach der Erstzulassung einen schweren Auffahrunfall hatte und im Werk repariert wurde.

Diese Reparatur, bei der das ganze Vorderteil des Mercedes‘ erneuert wurde, einschließlich Motor und Getriebe, kostete etwa 14 200 Euro. Ob dabei technische Fehler entstanden sind, die sich zwei Jahre später durch das Feuer rächten, ist nicht bekannt.

Zur Frage der serienmäßigen Wartung und des Zustands des Fahrzeugs hatte der damalige Taxiunternehmer bereits in der ersten Instanz die Aussage verweigert. Gegen ihn lief ebenfalls ein Strafverfahren, das die Stuttgarter Staatsanwaltschaft allerdings eingestellt hatte. Daher hat dieser Beschuldigte auch ein Zeugnisverweigerungsrecht, um sich bei der Wahrheitspflicht nicht selbst belasten zu müssen.

Mit der Vernehmung weiterer Zeugen und Gutachtern wird der Prozess am Dienstag, 21. Juli, und Dienstag, 28. Juli, fortgesetzt.

Anzeige