Kirchheimer Umland

Notzingen soll schöner werden

Gemeinde informiert über Landessanierungsprogramm und sammelt Wünsche von Notzinger und Wellinger Bürgern

Notzingen soll schöner werden. Die Gemeinde stellt einen Antrag auf Fördermittel aus dem Landessanierungsprogramm. Ist er erfolgreich, könnte es Geld für die Sanierung des Rathauses und weitere Projekte geben. Bei einer Bürgerversammlung konnten Notzinger und Wellinger Wünsche äußern.

Die alte Scheune zwischen Arche und Dorfladen ist den Stadtplanerinnen ein Dorn im Auge.Foto: Jean-Luc Jacques
Die alte Scheune zwischen Arche und Dorfladen ist den Stadtplanerinnen ein Dorn im Auge.Foto: Jean-Luc Jacques

Notzingen. Vermutlich war es die Hitze, die dazu führte, dass die meisten Stühle in der Notzinger Gemeindehalle leer blieben. Das Thema der Bürgerversammlung war auch nicht so konkret wie die Nahversorgung, die in den vergangenen Wochen Dorfgespräch war – aber deshalb nicht weniger spannend. Im Kern ging es darum, wie der Ort noch schöner und lebenswerter werden kann.

Laut Regierungspräsidium soll die Landesstraße durch Notzingen in nächster Zeit saniert werden. „Die Kommune kann einen Antrag stellen, ins Landessanierungsprogramm aufgenommen zu werden“, sagte Sven Haumacher. Ist der Antrag erfolgreich, können Gemeinde und Hausbesitzer mit Fördergeldern rechnen, beispielsweise für die Modernisierung des Rathauses oder die Sanierung älterer Gebäude. Ob die Gemeinde ins Programm aufgenommen werde, sei allerdings ungewiss. „Oft braucht man mehrere Anläufe“, so der Bürgermeister.

Die Mitarbeiterinnen der Firma STEG, die den Antrag für die Gemeinde vorbereiten, fangen nicht bei null an. „Es gibt für Notzingen schon einige Projekte und Studien zum Thema Stadtentwicklung“, sagt Stadtplanerin Christine Neuberger. Außerdem ist Notzingen schon einmal bedacht worden. Von 1998 bis 2008 lief die Sanierungsmaßnahme Ortskern I. „Da wollen wir jetzt anschließen“, so Neubauer. Das neue Sanierungsgebiet umfasst die Achse Kirchheimer Straße/Hochdorfer Straße und Wellinger Straße.

Zwei Gebäude, die nach dem Wunsch der Gemeinde saniert werden sollen, stehen jetzt schon fest: Rathaus und Bürgerhaus. Wo sonst Verbesserungsbedarf besteht, versuchen die Stadtplanerinnen in den kommenden Wochen herauszufinden. „Wir waren auch schon unterwegs und haben Fotos gemacht“, sagt Christine Neubauer, die dabei auf so manchen verwunderten Bürger gestoßen ist. „Wir tun nichts Böses, auch wenn wir mal in einen Hinterhof schauen“, stellt sie klar.

Städtebaulich sei einiges zu tun. Unschön findet Stadtplanerin Marianne Maier-Riviera beispielsweise den Scheunenbereich zwischen ehemaligem „Notzinger Lädle“ und Arche, den provisorischen Parkplatz schräg gegenüber sowie diverse Nebengebäude von Häusern. All diese „städtebaulichen Missstände“ wandern in den Antrag. Allerdings: „Alle Maßnahmen sind Vorschläge. Die Eigentümer müssen nichts davon umsetzen“, beruhigt sie. Einen Rat hat die Stadtplanerin für Hauseigentümer im potenziellen Sanierungsgebiet: „Wer Sanierungen plant, sollte erst noch abwarten.“ Die betreffenden Maßnahmen seien sonst nicht mehr förderfähig, falls Notzingen ins Programm aufgenommen wird.

Kelterplatz im Fokus

Niemand kennt das Dorf besser als die Notzinger und Wellinger Bürger. Deshalb sammelte das Planungsbüro STEG zum Schluss der Veranstaltung Anregungen, Kritikpunkte und Wünsche der Einwohner. Besonders repräsentativ sind die Ergebnisse wohl nicht, dafür waren mit rund 15 Bürgern zu wenige vertreten. Die Vorschläge fließen dennoch in den Antrag mit ein. „Der Kelterplatz scheint ein großes Thema zu sein“, sagt Christine Neuberger. Einige Bürger wünschen sich eine Aufwertung des Platzes, der zwei Mal im Jahr für Feste genutzt werde und die restliche Zeit Parkplatz sei. Eine Anregung ist, den Kelterplatz so zu gestalten, dass er Treffpunkt sein kann. Den Kelterplatz nicht mehr als Parkplatz zu nutzen, sieht ein Bürger kritisch. „Wo sollen wir denn sonst parken?“, fragt er. Ein Bürger regt an, alte Gebäude nicht abzubrechen, sondern zu sanieren und „aufzuhübschen“. „Der Erhalt hat immer Vorrang“, stellt Marianne Maier-Riviera klar. Aber manche Gebäude, beispielsweise die Scheune neben der Arche, seien nicht unbedingt erhaltenswert. Weitere Anregungen sind, das gemeindeeigene Grundstück gegenüber dem Alten Rathaus zu verkaufen und zu bebauen. Auch der Wunsch nach mehr Parkplätzen in der Ortsmitte wurde vorgebracht. Ideen sind außerdem ein Café, ein Mehrgenerationentreff/Jugendtreff, bessere Fahrradwege, ein Kreisverkehr in der Ortsmitte sowie eine Elektro-Tankstelle. Bürger, die weitere Anregungen haben, haben noch 14 Tage Zeit, sich im Rathaus zu melden. adö

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