Kirchheimer Umland

Ohne Kunst geht es in dieser Familie einfach nicht

Ausstellung Fünf Generationen von Langbeins sind in der Galerie Diez in Dettingen zu sehen. Das Talent weitergereicht hat die 1880 geborene Auguste Langbein-Mährlen. Von Iris Häfner

Galerist Wolfgang Diez hält vor den Originalen das Märchenbuch von Auguste Langbein-Mährlen in den Händen. Fotos: Jean-Luc Jacqu
Galerist Wolfgang Diez hält vor den Originalen das Märchenbuch von Auguste Langbein-Mährlen in den Händen. Fotos: Jean-Luc Jacques

Ein Familientreffen der besonderen Art findet in der Galerie von Wolfgang Diez in Dettingen statt. Ab morgen übernimmt die Familie, die in unterschiedlichen Genres zu Hause ist, die Herrschaft über die Räume.

Dies ist eines der Originale aus dem Märchenbuch „Wie die Elflein durch den Winter kamen“ von Auguste Langbein-Mährlen. Den Text
Dies ist eines der Originale aus dem Märchenbuch „Wie die Elflein durch den Winter kamen“ von Auguste Langbein-Mährlen. Den Text dazu lieferte ihr Mann, Pfarrer Paul Langbein.

Die Künstler-Dynastie gegründet hat Auguste Langbein-Mährlen, die 1880 auf einer Domäne bei Maulbronn als zehntes Kind des Gutsverwalters geboren wurde. Als „märchenhafte Poetin“ wurde sie von den Kunstkritikern bezeichnet, denn sie ist als Illustratorin von Märchenbüchern bekannt geworden. 1905 erschien ihr erstes Bilderbuch, 1919 ihr eigenes mit dem Titel „Wie die Elflein durch den Winter kamen“ mit Versen von ihrem Mann, dem Pfarrer Paul Langbein. Eine Station des Pfarrerehepaars war auch Erkenbrechtsweiler. Wie es damals aussah, zeigt ein Bild von Auguste Langbein-Mährlen. Zu sehen sind in der Galerie Diez vor allem aber viele Originale der Märchenbücher, auch unveröffentlichte. Ganz klar ist sie „in der Zeit des Jugendstils, der an die Romantik anknüpft“ zu verorten, wie es Wolfgang Diez beschreibt. Er ist begeistert von den feinen Zeichnungen.

Die zwei Figuren hat Urenkel Ulrich Langbein aus Fimo geformt.
Die zwei Figuren hat Urenkel Ulrich Langbein aus Fimo geformt.

Das Talent hat die Märchenkünstlerin an viele Nachkommen vererbt. Tochter Therese ist in der Ausstellung vertreten. Ein Aquarell zeigt Zainingen mit seiner Hüle, dort lebte sie mit einer Schwester und ihrem Vater, der Pfarrer war und dort auch einen Teil seines Ruhestands verbrachte.

Austellung Familie Langbein - Atelier - Galerie - Diez - Kirchheimerstrasse 85
Auch die Schnecke aus Zeitungspapier entspringt den geschickten Fingern des Urenkels Ulrich Langbein.

Sohn Heinrich trat ebenfalls in ihre Fußstapfen. Er war Architekt und hat nach dem Krieg die zerstörte Dettinger Kirche renoviert. Seine künstlerische Begabung stellte er auch als Zeichner unter Beweis. Die Brückenbilder sind mit feinem Strich komponiert. Zu sehen sind die Rosensteinbrücke in Stuttgart samt gleichnamigem Schloss und eine Illerbrücke. Selbstredend, dass er die Bauwerke konstruiert hat. In Dettingen sind die Langbeins keine Unbekannten. Mit seiner Frau Ingeborg, ebenfalls Architektin, übernahm er 1948 ein Büro.

Ingeborg Langbein ist Textildesignerin für Weberei. Die roten Wolle-Wichtel sind ihr Markenzeichen.
Ingeborg Langbein ist Textildesignerin für Weberei. Die roten Wolle-Wichtel sind ihr Markenzeichen.

Es folgt die Enkelgeneration. Johann-Friedrich Langbein lebt in Heidelberg, kommt aber immer wieder gerne in die alte Heimat zurück. „In den meisten Fällen spielen meine Landschaften dort, wo ich meine Kinderzeit zugebracht habe: Am Steilabfall der Schwäbischen Alb im Lenninger Tal. Dieser Landschaft nähere ich mich mit recht naturalistischen Darstellungen bis hin zu symbolischen und verschlüsselten Kompositionen, in denen die ursprünglichen Landschaftselemente nur noch am Rande auftreten“, sagt der Künstler. Manche Motive haben etwas märchenhaftes, beispielsweise die drei Kaiserberge vom Breitenstein aus gesehen. Märchenhaft sind auch die Arbeiten seiner Frau Beate - sie ist Schmuckdesignerin. In den Vitrinen sind ihre edlen Stücke zu bewundern.

Heinrich Langbein war Architekt und Zeichentalent. Dies stellt er mit der Illerbrücke eindrucksvoll unter Beweis. Fotos: Jean-Lu
Heinrich Langbein war Architekt und Zeichentalent. Dies stellt er mit der Illerbrücke eindrucksvoll unter Beweis.

Andreas Langbein wohnt in Dettingen und verwaltet den Nachlass seiner Großmutter. Er hat maßgeblich mit seiner Frau Ingeborg und Wolfgang Diez die Ausstellung auf die Beine gestellt und die Schätze wieder ans Tageslicht gebracht. Ingeborg Langbein ist Textildesignerin für Weberei und nennt Webstühle in sämtlichen Größen ihr eigen. Sie stellt eine breite Palette ihrer Arbeiten aus. Die reichen von filigran bis handfest. Zarte Schals, feine Organza-Blütenbroschen und Wolle-Wichtel konkurrieren mit robusten Webstücken und gehäkelten Taschen. Der Sohn des Ehepaars, Ulrich Langbein, bevorzugt die Plastik. Aus Zeitungspapier formt und schnitzt er sich einen bunten Zoo zusammen: Hirsch, Elefant, Schnecke, Giraffe und Chamäleon. Das Besondere: Die obere Schicht besteht aus bunten Zeitungsschnipseln, sodass er selbst keine Farbe verwendet. Kleine Tiere und Menschen formt er aus Fimo. „Er formt die Figuren aus dem Gedächtnis - naturgetreu“, sagt der stolze Vater.

Die Gene von Auguste Langbein-Mährlen haben bereits den Ur-Urenkel erreicht. Max ist neun Jahre alt und hat in wenigen Minuten und klaren Strichen eine Karte gestaltet.

 

Info Die Vernissage der Ausstellung „Familie Langbein“ findet am morgigen Samstag um 15 Uhr statt. Zu sehen sind die Werke bei Atelier-Galerie-Diez in Dettingen, Kirchheimer Straße 85, vom 7. bis 22. Dezember, dienstags bis sonntags von 15 bis 18 Uhr.

Anzeige