Kirchheimer Umland

Persönliche Begegnungen bei Couscous und Reis

Sommerfest im Kirchheimer Containerdorf dient als Möglichkeit, Brücken zwischen Flüchtlingen und Deutschen zu bauen

Die evangelische Kirchengemeinde Jesingen spendete dem Arbeitskreis Asyl 3¿700 Euro für das Containerdorf in der Dettinger Straß
Die evangelische Kirchengemeinde Jesingen spendete dem Arbeitskreis Asyl 3¿700 Euro für das Containerdorf in der Dettinger Straße. Beim Sommerfest wurde am Freitag nicht nur zusammen gegessen, sondern auch gemeinsam musiziert.Fotos: Daniela Haußmann

Seit April gibt es in der Dettinger Straße eine Unterbringung für Flüchtlinge. Sie hatten am Freitag zum Sommerfest eingeladen. Zahlreiche Interessierte nahmen das Angebot wahr, in dessen Mittelpunkt die Begegnung von Menschen unterschiedlicher Kulturen und eine üppige Spende stand.

Daniela Haussmann

Kirchheim. Etwa zehn Kilo Reis, fünf Kilo Couscous, acht Kilo Hühnerfleisch und verschiedenste Gewürze wurden von den rund 100 Männern, die das Kirchheimer Container-Camp bewohnen, für das Sommerfest verarbeitet. Stundenlang hatten sie Spezialitäten aus unterschiedlichen Regionen Afrikas gekocht, die bei den deutschen Gästen auf große Resonanz stießen.

Jens Schlagenhauf von der AWO hatte die Flüchtlinge bei den Vorbereitungen in der Küche unterstützt. Für den Sozialarbeiter ist das Essen eine soziale Angelegenheit. Es biete Raum und Zeit für Begegnungen, Gespräche und schaffe gemeinsame Erlebnisse. So besteht laut Schlagenhauf die Möglichkeit, dass sich Besucher und Flüchtlinge besser kennenlernen und im Idealfall Freundschaften entstehen, die die Integration fördern. Ein Beispiel dafür ist

Einfach hingesetzt und auf das erste Gespräch gewartet

Ina Sauter. Die Festbesucherin hatte sich schon kurz nach der Einrichtung des Containerdorfs in die Dettinger Straße aufgemacht, sich dort einfach an den Tisch gesetzt und gewartet bis sie angesprochen wurde. Lange musste die Kirchheimerin nicht warten. Drei junge Männer kamen auf sie zu und am Ende des Gesprächs lud Sauter die Afrikaner ein, mit ihr Ausflüge in der Region zu unternehmen. Zusammen haben sie viele Sehenswürdigkeiten besucht, allen voran die Burg Teck. „Ich wollte den drei eine Abwechslung zum Leben im Containerdorf bieten", erzählte sie. „Und besonders wichtig ist mir natürlich, dass sie unsere Sprache lernen, weil sie eine wesentliche Voraussetzung für die Integration ist."

Mohammed Ayalle ist froh über diese Unterstützung. Der 23-jährige Somalier betont, dass er auf diese Weise schneller und besser deutsch lerne als im Unterricht. Außerdem sei es schwierig, Deutsche kennenzulernen, daher freue er sich, dass Ina Sauter aktiv den Kontakt gesucht habe. Er würde gerne eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker beginnen. Zum Thema Berufswahl, Qualifizierungsvoraussetzungen und Bewerbung hat er viele Fragen, denn Vergleichbares gibt es in seiner Heimat nicht. Daher ist er froh, Ina Sauter zu kennen.

Theresa Ringwald vom Fachdienst Jugend, Bildung, Migration der Bruderhausdiakonie erklärte, dass derartige Begegnungen dazu beitragen Stereotype und Vorurteile abzubauen, aber auch helfen, den Übergang in die Aufnahmegesellschaft

Patenschaften helfen, Kultur und Gebräuche zu verstehen

zu erleichtern. Paten wie Ina Sauter können Ringwald zufolge helfen, Fragen zur deutschen Kultur, bestimmten Gepflogenheiten oder dem Ausbildungssystem zu beantworten. Das Sommerfest war für die Mitarbeiterin der Bruderhausdiakonie eine gute Möglichkeit, Patenschaften in die Wege zu leiten.

Im Mittelpunkt steht für Theresa Ringwald aber die Außenwirkungen der Flüchtlinge. Schon beim Verteilen der Flyer hätten einige bemerkt, dass ihnen gegenüber Vorbehalte herrschen. „Diese gilt es abzubauen", sagte die Fachdienstmitarbeiterin. „Deshalb soll das Sommerfest Einblicke in die Kultur der Flüchtlinge bieten und einen Beitrag zu einem guten Miteinander leisten."

In den vergangenen Wochen hatten die Flüchtlinge Pflanzensetzlinge geschenkt bekommen und im Camp einen Garten angelegt, den sie beim Sommerfest präsentierten. Margit Kuzaj hatte die Pflanzen besorgt. „Mir war es wichtig, dass die Campbewohner eine Beschäftigung haben", erzählt sie. „Viele Flüchtlinge kommen aus der Landwirtschaft, daher waren sie auch von der Projektidee begeistert." Kuzaj zeigt sich überzeugt, dass der Beruf des Gärtners für den ein oder anderen auch eine berufliche Perspektive wäre, um in Deutschland Fuß zu fassen.

Im Rahmen des Sommerfestes übergaben die Vertreter der evangelischen Kirchengemeinde Jesingen Marianne Gmelin vom Arbeitskreis Asyl, einen Scheck über 3 700 Euro. Die Summe war beim letzten Freilichtspiel zusammengekommen, wie Pfarrer Roland Conzelmann berichtete. Marianne Gmelin freute sich über die Spende für das Containerdorf und hat schon viele Pläne. „Von dem Geld werden wir unter anderem Deutschbücher kaufen und eine Tischtennisplatte aus Beton, die in den nächsten Wochen hier aufgestellt wird", erzählte sie. Unterstützt wurde das Sommerfest auch vom Landkreis Esslingen.

Anzeige