Kirchheimer Umland

Polizei findet Einbrecher über Google

112 schwere Einbrüche in Schulen, Anwalts- und Arztpraxen sowie in Firmenbüros, hauptsächlich in Kirchheim, wirft die Stuttgarter Staatsanwaltschaft seit gestern einem 44-jährigen Griechen als Einzeltäter vor dem Landgericht vor. Die Bargeldbeute war hoch, etwa 70 000 Euro, der Sachschaden noch höher. Doch der Prozess, der gestern begann, endete nach zwei Stunden recht spektakulär.

Kirchheim/Stuttgart. Der Angeklagte stammt aus Stuttgart und war bis zu seiner Festnahme als Einzeltäter unterwegs. Aber er war eitel, denn nach Beginn seiner Einbruchserie im September 2013 hatte er stets über Google nach den Polizeiberichten seiner Einbrüche gesucht. Bei der Auswertung seines Rechners kamen ihm die LKA-Ermittler Anfang Juni dieses Jahres durch seine eigenen Suchanfragen-Dateien auf die Spur. Dann klickten die Handschellen.

Bis dahin hatten sich 112 Einbrüche, darunter 43 fehlgeschlagene Taten, auf seinem Konto summiert. Darunter in erster Linie Realschulen, Gymnasien, Berufsschulen sowie Arzt- und Anwaltsbüros im Kreis Esslingen, in Stuttgart und Fellbach. Das Betätigungsfeld habe sich sogar bis München und Köln erstreckt, sagt der Staatsanwalt, der gestern vor der 18.  Großen Strafkammer des Landgerichts über eineinhalb Stunden lang die Anklage verlas.

So soll er zum Beispiel in der Nacht zum 3. Juni 2014 acht Mal in Serie in Kirchheim aktiv gewesen sein. Zuerst in einem Industrie-Büro, wobei er aber gestört wurde. Dann in einem Ärztehaus in der Osianderstraße, bei der er ebenfalls gestört wurde. Danach aber habe er in einer weiteren Gemeinschaftspraxis gleich daneben 400  Euro in bar erbeutet, Minuten später dann im selben Haus in einem Hörgeräte-Studio elektronische Hilfsmittel für 750 Euro – und 30 Minuten danach in einer Kirchheimer Realschule 635 Euro, plus Briefmarken im Wert von 250 Euro.

Auf Diebestour hohen Sachschaden verursacht

Aus dem Lehrerzimmer einer Kirchheimer Berufsschule hat er noch in derselben Nacht Beute im Wert von 250 Euro gemacht. Und drei Wochen später soll er erneut in Kirchheim in Serie fünf Mal ausschließlich in Schulen eingebrochen sein: Meist fand er nichts Stehlenswertes, hinterließ aber jeweils einen hohen Sachschaden.

Am 22. Juni 2014 soll er sich daran gemacht haben, in Fellbach einen Werttresor aufzuhebeln, scheiterte jedoch. Gelungen sei ihm aber der Einbruch in einer Schule für Medien in Stuttgart. Im Lehrerzimmer brach er Schließfächer auf und stahl mehreren Tausend Euro. In Fellbach hat er in Schulen wertvolles Schreibzeug, einen Computer, Taschen und Brillen für rund 3 000 Euro erbeutet, drei Wochen später bestand seine Beute in einem Industriebüro aus fünf Euro. Am 6. Dezember sollen ihm in einem Fellbacher Gymnasium Laptops und andere Geräte für 10 800 Euro in die Hände gefallen sein. Bei mindestens 40 Einbrüchen in Stuttgarter Schulen und Praxen geht die Staatsanwaltschaft von mehr als 50 000 Euro Beute aus.

Zu den Vorwürfen konnte der 44-Jährige am gestrigen ersten Prozesstag keine Angaben machen, weil sich die juristischen Ereignisse überstürzten: Die Vorsitzende Richterin gab bekannt, dass ein weiteres Ermittlungsverfahren gegen den Beschuldigten anhängig sei, in dem es unter anderem um Verletzung von Urheberrechten gehe. Dann die weitere Bekanntgabe, die seinen kreidebleich gewordenen Verteidiger betraf: Dieser soll laut Ermittlungen mitbeschuldigt und als möglicher Mittäter verdächtig sein. Da der Angeklagte von diesem Vorwurf erstmals Kenntnis erlangte, versagte er seinem Anwalt kurzerhand das Vertrauen. Der Prozess wurde daraufhin ausgesetzt, bis ein Ersatz-Verteidiger gefunden ist. Die Vorsitzende Richterin sagte, dass es in ihrer Laufbahn so etwas noch nicht gab.

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