Kirchheimer Umland

Ramadan ist Zeit für BesinnungFastenessen

Am 18. Juni um 3.27 Uhr beginnt die Fastenzeit für Muslime

Für gläubige Muslime ist der Monat Ramadan eine besondere Zeit: Er ist mit Hunger, Durst und Entbehrungen verbunden und soll die Fastenden auch daran erinnern, was Not für bedürftige Menschen bedeutet.

Ramadan ist Zeit für BesinnungFastenessen
Ramadan ist Zeit für BesinnungFastenessen

Kirchheim. Der Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Mondkalender. In ihm soll in der Lailat-ul-Qadr, der Nacht der Bestimmung, der „Koran als Rechtsleitung für die Menschen“ herabgesandt worden sein. Da der genaue Zeitpunkt laut Aussage des Propheten Mohammed nicht bekannt ist, wird sie überwiegend in der Nacht zum 27. des Ramadan-Monats gefeiert, aber auch an anderen ungeraden Tagen der letzten zehn Tage des Fastenmonats, wie Yakub Kambir vom Vorstand der Kirchheimer Sultan-Ahmed-Camii berichtet.

Die letzten zehn Tage und Nächte des Fastenmonats können die Gläubigen im Itikaf verbringen. „Eine fromme Übung, bei der sich Muslime in die Moschee zurückziehen und sie während dieser Zeit nicht verlassen“, berichtet Murat Lök. „Sie widmen sich intensiv den Gebeten, der Andacht und dem Lesen des Koran.“ Dem Vertreter der Alten Moschee zufolge, dient diese Übung auch dazu, den besonderen Segen der Lailat-ul-Qadr zu empfangen. „Wer in der Nacht der Bestimmung mit festem Glauben und der Hoffnung auf Belohnung betet, erhält Vergebung für all seine vorherigen Sünden.“

In diesem Jahr beginnt für die Muslime in der Teckstadt am 18. Juni um 3.47 Uhr die Fastenzeit. Das Fasten im Monat Ramadan gehört zu den fünf Säulen des Islam und damit zu den Hauptpflichten, die Gläubige als Gottesdienst durchführen. Mit Beginn der Morgendämmerung werden bis Sonnenuntergang weder Nahrung noch Flüssigkeit aufgenommen. „Auch Keuschheit gehört zu diesem sogenannten äußeren Fasten“, erzählt Enes Seferovic. „Das Fasten hat aber auch eine innere Dimension. Noch mehr als sonst sollen Muslime im Ramadan darauf achten, sich von Sünde frei zu halten.“ Für die Gläubigen bedeute das unter anderem, dass sie nichts Verwerfliches oder Verabscheuungswürdiges tun, nicht schlecht über andere reden und auf nichts Böses hören, wie der Vertreter der Bosnischen Moschee ausführt.

Das Fasten ist eine Angelegenheit zwischen dem Einzelnen und seinem Schöpfer. „Die Seele des Fastenden wird gereinigt und geläutert und seine Beziehung zu Gott und den Mitmenschen gefestigt“, so Yakub Kambir. „Der Gläubige soll in sich kehren, sich mit seinem Leben, seinem Verhalten und seinen Einstellungen auseinandersetzen.“ Muslimen wird im Verlauf des Ramadan damit die Möglichkeit zur inneren Abrechnung geboten. So lassen sich laut Murat Lök gute Vorsätze fassen, die dauerhaft Gültigkeit besitzen sollten.

Vom Fasten ausgenommen sind Kranke, Altersschwache, stillende Mütter, Schwangere, Frauen in der Menstruation, Kinder, die die Pubertät noch nicht erreicht haben – kurzum Personen, deren Gesundheit Schaden nehmen würde. „Handelt es sich dabei nur um einen vorübergehenden Zustand, werden die versäumten Fastentage zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt“, erklärt Enes Seferovic. „Wenn sich der Gesundheitszustand aber nicht bessert, sollten Betroffene für jeden versäumten Fastentag im Ramadan einen Bedürftigen speisen.“

Durch die Verwendung eines Mondkalenders verschiebt sich der Monat Ramadan jedes Jahr um zehn oder elf Tage nach vorn und durchschreitet so allmählich alle Jahreszeiten. „Als Muslim erlebt man deshalb im Winter kürzere und im Sommer längere Fastentage“, sagt Yakub Kambir. „Gäbe es eine festgeschriebene Jahreszeit für das Fasten, hätten manche Muslime in anderen Erdteilen einen dauerhaften Vorteil, andere würden eine permanente Benachteiligung erfahren.“ Das verhindert der islamische Mondkalender.

Yakub Kambir, Murat Lök und Enes Seferovic erleben während des Ramadan auch das Fastenbrechen nach Sonnenuntergang als etwas Besonderes. Sie genießen das Zusammensein mit Freunden, Bekannten und der Familie. Die Moscheen-Vertreter sind aber auch überzeugt, dass der Fastenmonat die Disziplin und Selbstbeherrschung fördert. „Der Ramadan ist keine Zeit, in der man sich zurücklehnt“, betont Kambir. „Er ist mit Durst, Hunger, Entbehrungen, Entsagungen und Anstrengungen verbunden.“ Der Ramadan erinnere fastende Muslime deshalb auch da­ran, was Hunger und Not für die Bedürftigen in der Welt bedeuten.

Der Fastenmonat endet mit der Zakat-ul-Fitr und dem anschließenden Id-ul-Fitr-Fest. Bei Ersterem handelt es sich um eine religionsrechtliche Abgabe im Islam und ist Pflicht für alle Muslime , die in der Nacht zum Fitr-Fest, also nach dem letzten Fastentag, fällig wird. Die Zakat-ul-Fitr ist eine Abgabe an Bedürftige. Die Höhe der Zakat wird jedes Jahr für jedes Land entsprechend der Kaufkraft der jeweiligen Landeswährung neu festgelegt, wie Murat Lök erklärt. Sie richte sich nicht nach den persönlichen Vermögensverhältnissen, sondern entspreche etwa dem Gegenwert für eine einfache Mahlzeit im jeweiligen Land. „Zurzeit beträgt die Zakat-ul-Fitr in Deutschland zehn Euro pro Person und darf auch an Nichtmuslime übergeben werden“, so Lök.

 Fastenessen

Wer das Fastenessen miterleben möchte, den laden die Vertreter der drei Kirchheimer Moscheen am Samstag, 4. Juli, um 20.30 Uhr, auf den Kirchheimer Marktplatz ein.

Ramadan ist Zeit für BesinnungFastenessen
Ramadan ist Zeit für BesinnungFastenessen
Mehr als sonst sollen Muslime während des Fastenmonats Ramadan darauf achten, ohne Sünde zu leben.Fotos: Daniela Haußmann
Mehr als sonst sollen Muslime während des Fastenmonats Ramadan darauf achten, ohne Sünde zu leben.Fotos: Daniela Haußmann