Kirchheimer Umland

Randnotiz: Es herrscht Bastelkrise

Symbolbild

Es soll Mütter geben, denen alles Spaß macht, was die Kinder gerne tun. “Feuerwehrmann Sam“ spielen, zum Beispiel. Oder Papier-Einhörner basteln. Ich finde beides doof. Basteln, meinetwegen, zu Ostern oder Weihnachten. Aber doch nicht jeden Tag.

Gut, dass es den Kindergarten gibt. Dort wird gemalt, geschnitten und geklebt, was das Zeug hält. Normalerweise. Seit Corona ist aber nichts mehr normal. Deshalb muss Mama mit den Kindern basteln. Und das seit fünf langen Wochen.

Hab‘ dich doch nicht so, hat man anfangs noch gedacht. Das wird sicher lustig. Und Basteltipps gibt es in der Corona-Krise, anders als Schutzausrüstung, wie Sand am Meer. Die Zeitung, das Internet, selbst private Chats sind voll davon. Das Pinterest-Board quillt über vor Ideen. Im Keller türmen sich Umzugskartons gefüllt mit Tonkarton, Pfeifenputzern und Wackelaugen. Also ran an den Kleb.

Nach einem Monat Kindergarten-Abstinenz sind die Kinderzimmerwände voll (leider auch mit Filzstiftspuren) und die Klebestifte leer. Am Basteltisch herrscht Katerstimmung. Eine Freundin, die mir mittlerweile keine Tipps mehr schickt, fasst es so zusammen: „Nach fünf Wochen kann ich guten Gewissens sagen: Ich hasse Basteln.“ Kinder, Mama braucht ‘ne Pause. Wenn Corona vorbei ist, basteln wir wieder. Versprochen. Antje Dörr

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