Kirchheimer Umland

Randnotiz: Mit Karte bitte

Symbolbild

Wieder ist ein „Corona-Wochenende“ überstanden, mit Kontaktsperre und ohne die üblichen Zerstreuungsmöglichkeiten. Wieder ist ein ebensolches Wochenende in Sicht.

Im Kollegenkreis sind die Folgen unterschiedlich. Wer mit Partner lebt, muss mit der neuen zwangsverordneten Nähe umzugehen lernen. Wer Kinder hat, hat je nach Alter Mensch-ärgere-Dich-nicht satt, ebenso die Diskussionen über die Lautstärke dessen, was der Nachwuchs als Musik bezeichnet.

Doch den einsamen Wolf im Rund trifft‘s am schlimmsten: Seine Mama besucht der langjährige Single zu deren Schutz seit Wochen nicht mehr. Als nicht mehr ganz junger Spund zählt er jedoch selbst schon zur Risikogruppe. Die Konsequenz: kompletter Rückzug in die Höhle. Das Bier in der Stammkneipe, die Biker-Tour mit Kumpels - sowieso alles gestrichen wegen Corona. Seine Gesprächspartner heißen Toaster und Kaffeemaschine. Die Waschmaschine lasse er außen vor, die verdrehe ja eh alles, meint er augenzwinkernd. Immerhin, denkt der Kollegenkreis, seinen Humor hat er noch nicht verloren. Hoffnung keimt erst recht auf, als er berichtet, am Samstag in 24 Stunden gerade mal drei Worte gesprochen zu haben. Drei Worte? Vielleicht das magische „Ich liebe Dich“? In den Köpfen wachsen Phantasien und Hoffnungen . . ., doch der Kollege winkt ab. Es war im Supermarkt: „Mit Karte bitte!“. Von Irene Strifler

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