Kirchheimer Umland

Reform sorgt für Kopfschütteln

Wald Die ab nächstem Jahr in Kraft tretende Forstreform hat auch für Notzingen große Auswirkungen. Die Kosten vervierfachen sich teilweise. Von Katja Eisenhardt

Die Bewirtschaftung des Waldes wird deutlich teurer.Foto: Markus Brändli
Die Bewirtschaftung des Waldes wird deutlich teurer. Foto: Markus Brändli

Die Veränderungen, die die im Januar in Kraft tretende Forstreform mit sich bringen wird, sorgten beim Gemeinderat nicht gerade für Begeisterung. Besonders die Neustrukturierung der Forstreviere stieß auf Unverständnis. Ab Januar gehört Notzingen mit Ostfildern, Denkendorf, Deizisau, Wernau, Wendlingen, Oberboihingen und Hochdorf zum Revier 9.

Seither gab es in Sachen Wald eine Verwaltungsgemeinschaft mit Kirchheim und Dettingen. „Diese Neuzuordnung und das Auseinanderreißen der Gemeinschaft leuchtet mir nicht ein. Da gehen langjährige Erfahrungen verloren“, betonte Hans Prell (UKW). Alfred Bidlingmaier (CDU) wies auf eine jahrhundertealte Tradition hin: „1651 ist das erste belegte Jahr, in dem ein Kirchheimer Förster in Notzingen tätig war. Die Zusammenarbeit ist bewährt, die Waldflächen liegen beieinander.“

Zusammenarbeit ist passé

Neuer Revierleiter wird ab 1. Januar Albrecht Schöllkopf. Bislang war das Forstamt des Landkreises für die Bewirtschaftung und Betreuung des Notzinger Gemeindewaldes zuständig. Auch der Holzverkauf erfolgte über die Kreisverwaltung. Unterstützung bekam die Gemeinde bei der Bewirtschaftung zudem durch Waldarbeiter der Stadt Kirchheim. Zwar bietet der Landkreis auch weiterhin die forstliche Beratung und Betreuung an. Die bewährte Zusammenarbeit mit den ortskundigen Waldarbeitern der Stadt Kirchheim ist im Zuge der Reform allerdings passé - es sei denn, Notzingen findet gemeinsam mit Kirchheim eine Möglichkeit, diese fortzusetzen.

Jürgen Winter erklärte dem Gremium die Neustrukturierung der einzelnen Forstreviere, die gemeinsam mit allen Revierleitern ausgearbeitet worden sei. Vor allem gehe es hier um die Größe der Reviere: „Das Forstrevier Kirchheim/Dettingen liegt mit seiner Fläche von 1252 Hektar schon jetzt auf Platz drei von zehn Revieren. Nähme man da jetzt noch gut 95 Hektar Kommunal- und 35 Hektar Privatwald aus Notzingen dazu, wären wir bei fast 1400 Hektar. Das ist zu groß für einen Förster.“

Einstimmig sprach sich der Gemeinderat dafür aus, den Landkreis weiterhin mit der Beförsterung zu beauftragen. Die Kosten steigen dafür deutlich: „Seither waren das 3600 Euro, künftig liegen wir hier bei 8312 Euro, und abzüglich eines Ausgleichs durch das Land bei 6500 Euro. Das entspricht einer 80-prozentigen Steigerung“, so Sven Kebache. Nur so könnten die Kosten gedeckt werden, erklärte Jürgen Winter. Das sei bislang nicht der Fall gewesen.

Eine deutliche Preissteigerung wird es auch beim Holzverkauf geben, der weiterhin vom Landkreis übernommen werden soll. „Bisher waren das 98 Cent, neu sind es ganze vier Euro pro Festmeter“, gab Kebache bekannt. 2018 habe man bei 1500 Euro gelegen, bei einer Steigerung um das Vierfache müsse man künftig mit bis zu 6000 Euro rechnen. Alleine könne die Gemeinde diese Arbeiten allerdings nicht stemmen. Man müsse künftig verpflichtend kostendeckend arbeiten, das sei seither nicht der Fall gewesen, erläuterte Jürgen Winter die notwendigen Erhöhungen.

Betriebsplan für das Forstwirtschaftsjahr 2020

Überblick: Revierleiterin Carla Hohberger hatte dem Gemeinderat den Betriebsplan für das Forstwirtschaftsjahr 2020 mitgebracht. Dieser setzt sich aus dem Nutzungs- und Kulturplan sowie dem Bewirtschaftungsplan zusammen. Vorgesehen ist 2020 eine Gesamtnutzung von 280 Festmetern. Der Laubholzanteil liegt dabei bei 235 Festmetern, der Buchenholzanteil bei 20 Festmetern, der von Eichen bei 10 Festmetern und der von Eschen bei 15 Festmetern. Durchforstet werden soll der Notzinger Wald im kommenden Jahr auf insgesamt 5,6 Hektar. Eine Kultursicherung ist auf 0,4 Hektar geplant, zudem sollen 750 Buchen und 1700 Weißtannen gepflanzt werden.

Holzeinschlag: Hohberger gab zudem einen Überblick über den Holzeinschlag der letzten Jahre. Besonders 2018 habe der zufällige Einschlag deutlich über der Menge des geplanten Einschlags gelegen. Grund dafür seien die Auswirkungen von Sturm, Käferbefall und Eschentriebsterben. „2015/16 ging das Eschentriebsterben massiv los. Im Jahr darauf haben wir dann planmäßig kein Holz eingeschlagen, erst 2018 wieder. Das lag am Orkantief Friederike und zudem am Borkenkäferbefall. 1211 Festmeter Holz mussten so ungeplant eingeschlagen werden“, sagte Carla Hohberger. Im laufenden Jahr fielen hier weitere 56 Festmeter an, ein regulärer Einschlag war entsprechend nicht zusätzlich geplant. Zwischen 2013 und 2019 wurden im Notzinger Wald insgesamt 4745 Festmeter eingeschlagen - das Soll liegt bis 2022 allerdings nur bei 4717 und der geplante Einschlag pro Jahr bei 470 Festmetern. „Das heißt, wir haben schon jetzt 101 Prozent des geplanten Einschlags bis 2022 erfüllt. Allerdings nur auf 77 Prozent der Gesamtfläche, da gerade 2018 aus den genannten Gründen viel Holz auf wenig Fläche anfiel“, erklärte die Revierleiterin. Kommendes Jahr seien so statt der 470 Festmeter nur 280 auf einer Fläche von sieben Hektar im Bereich Alter Winkel vorgesehen - davon 180 Festmeter Brennholz.

Kosten: Insgesamt sind auf der Einnahmenseite für das nächste Jahr 15 900 Euro veranschlagt, auf der Ausgabenseite 26 700 Euro. eis

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