Kirchheimer Umland

Schafe verenden auf Dettinger Weide

Veterinäramt findet drei tote und zwei stark verwahrloste Tiere – Auf Besitzer kommt möglicherweise Halteverbot zu

Die noch lebenden Tiere sind in keinem guten Zustand und werden vom Veterinäramt mitgenommen. Auch die Tierrettung ist vor Ort.F
Die noch lebenden Tiere sind in keinem guten Zustand und werden vom Veterinäramt mitgenommen. Auch die Tierrettung ist vor Ort.Fotos: SDMG

Wanderer haben am Sonntagmittag in Dettingen einen grausigen Fund gemacht. Auf einer Weide lagen zwei stark verweste Schafe. Ein weiteres hatte sich im Zaun verheddert und war verendet. Zwei Tiere lebten noch, waren aber völlig verwahrlost. Das Veterinäramt Esslingen prüft den Fall.

Antje Dörr

Kreis Esslingen. Ein Mitarbeiter des Veterinäramts hat vor Ort Proben genommen, die Hinweise auf die Todesursache geben könnten. Die Laborergebnisse stehen aus. Dem Leiter des Veterinäramts fallen auf den Fotos, die sein Kollege von der Weide gemacht hat, jedoch genügend Anhaltspunkte ins Auge: „Der Zaun hat offenbar eine massive Gefahr dargestellt“, sagt Dr. Christian Marquardt. Ein Tier habe sich darin verheddert und sei verendet – entweder weil es sich stranguliert habe oder weil es sich nicht mehr habe befreien können, um an Wasser zu kommen.

Auffällig findet Marquardt, dass die Tiere nicht geschoren waren. „Bei heißen Temperaturen kann das zu Überhitzung führen“, sagt er. Auch schlechtes Futter oder Parasiten, die auftauchen, wenn Tiere zu lange auf einer Weide stehen, könnten Ursachen sein. Der Halter habe offenbar nicht jeden Tag nach seinen Tieren geschaut, denn der Verwesungszustand lasse darauf schließen, dass sie schon mehrere Tage tot waren. „Die Haltung war nicht so, wie sie hätte sein sollen“, fasst Marquardt zusammen. Immerhin sei offenbar Wasser für die Tiere vorhanden gewesen, ebenso eine Art Stall als Schutz gegen Wind und Wetter.

Laut Marquardt befanden sich am Sonntag insgesamt fünf Tiere auf der Weide, darunter die drei toten Schafe. Zwei lebten noch, befanden sich aber in keinem guten Zustand. „Wir haben sie mitgenommen und tierärztlich behandeln lassen“, sagt Marquardt. „Wir hoffen, dass sie durchkommen.“

Der Schafhalter hat nun jede Menge Ärger am Hals. „Wir haben ihm mitgeteilt, dass wir die lebenden Tiere mitgenommen haben“, so der Leiter des Veterinäramts. Was er sich geleistet habe, sei kein Kavaliersdelikt. Die Esslinger Behörde hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart informiert, die Strafanzeige stellen kann. Der Halter ist verpflichtet, die Kadaver zu entfernen, weil von ihnen Seuchengefahr ausgeht. Das Veterinäramt wird mit dem Besitzer sprechen und prüft anschließend, welche tierschutzrechtlichen Konsequenzen die Vernachlässigung der Herde hat. „Je nachdem, was er schon auf dem Kerbholz hat, kann das hingehen bis zum Tierhalteverbot“, sagt Marquardt.

Für den Leiter des Veterinäramts ist das, was sich auf der Dettinger Weide abgespielt wird, kein Einzelfall. „Im Sommer ist das der Klassiker“, sagt er. Nicht unbedingt im Landkreis, aber im ganzen Land. Oft treffe es Schafe, weil man die halt so geschickt auf ein Wiesengrundstück stellen könne. „Man muss aber jeden Tag nach den Tieren schauen, gerade bei heißen Temperaturen“, sagt Marquardt. Die richtigen Schafhalter würden das auch tun. Auch wenn er nicht alle über einen Kamm scheren will: „Es gibt leider immer wieder Hobbyschafhalter, die das Ganze nicht mit dem nötigen Ernst betreiben.“

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