Kirchheimer Umland

Schluss mit dem Plopp

Immer mehr Weinflaschen kommen ohne Naturkorken auf den Markt – aus gutem Grund

Am Verschluss von Weinflaschen scheiden sich die Geister. Der Plopp des Korkens ist ein kulinarisches Ritual, das für manchen Kenner einen schönen Abend einläutet und untrennbar mit dem Genuss feiner Rebensäfte verbunden ist. Doch der traditionelle Verschluss, der bereits im antiken Griechenland in Weinamphoren gedrückt wurde, bekommt Konkurrenz.

Ende des 18. Jahrhunderts erlangte der Naturkorken durch die Ausweitungen der Handelsbeziehungen seinen hohen Stellenwert als Fl
Ende des 18. Jahrhunderts erlangte der Naturkorken durch die Ausweitungen der Handelsbeziehungen seinen hohen Stellenwert als Flaschenverschluss. Drehverschluss und Co. machen ihm heutzutage zunehmend Konkurrenz. Rund 60 Prozent der Weine, die Christiane Leibssle in ihrem Kirchheimer Fachgeschäft Terra Vinum verkauft, weisen alternative Verschlüsse auf.Fotos: Daniela Haußmann

Kirchheim. Kunststoffpfropfen, Kronkorken, Dreh- und Glasverschlüsse drängen auf den Markt. Wer glaubt, dass es sich hierbei um ein Phänomen handelt, das ausschließlich den Billigweinmarkt erfasst, der täuscht sich. Selbst renommierte Kellereien, wie das in Burgund ­ansässige Weingut Jean-Claude ­Boilette, das 150 Euro teure Flaschen mit Schraubverschlüssen versieht, setzen verstärkt auf die neuen Alternativen. Und das aus gutem Grund.

Der Naturkorken ist und bleibt ein Naturprodukt, das schwer standardisierbar ist und bei dem nach Angaben des Deutschen Weininstituts in fünf Prozent der Fälle ein Korkschmecker auftritt. Der schmeckt laut Christiane Leibssle weder dem Winzer, der auf sein Image bedacht ist und den wirtschaftlichen Schaden fürchtet, noch dem Konsumenten, der den Inhalt einer unter Umständen teuren Flasche in den Abfluss kippen kann.

Der Kirchheimer Sommelière zufolge ist aber nicht einzig und allein das Naturprodukt schuld, wenn der Wein korkt. „Natürlich können ­Mikroorganismen, die nach dem Schälen der Korkeiche bei der Lagerung in die Poren des Materials eindringen, Substanzen produzieren, die einen dumpfen, muffigen Geschmack hervorrufen“, so Leibssle. „Aber auch chlorhaltige Putzmittel, die bei der Reinigung der Keller zum Einsatz kommen, oder Belastungen, die vom Holzgebälk herrühren, das in den Lagerräumen verbaut wurde, können beispielsweise einen Korkschmecker verursachen.“ Letztlich würden die alternativen Flaschenverschlüsse aber einen Beitrag dazu leisten, eine Ursache für die Entstehung von Fehltönen bei Weinen zu eliminieren.

Für Weine mit langem Lagerungspotenzial wird auch künftig der echte Korkverschluss verwendet, wie die Fachfrau erklärt. Doch beim Großteil werde der Verbraucher künftig wohl vermehrt auf das Zeremoniell mit dem Plopp verzichten müssen. Trotz sinkendem Pro-Kopf-Verbrauch nimmt der Weinkonsum nach Angaben des Deutschen Weininstituts global betrachtet zu. „Mit der ständig steigenden Zahl der Flaschenabfüllungen ist Kork knapp geworden“, berichtet Christiane Leibssle. Das braucht nicht zu verwundern, denn nach 25 bis 30 Jahren werden die Korkeichen das erste Mal geschält. Rund zehn Jahre dauert es, bis die Rinde nachgewachsen ist. Bei einem durchschnittlichen Alter von 150 Jahren werden die Bäume also elf Mal geschält. „Das hat zur Folge, dass Drehverschlüsse und Co. auf dem Vormarsch sind“, so Leibssle weiter.

Qualitätseinbußen die vom Verschluss herrühren, müsse der Verbraucher deshalb nicht befürchten. Flaschen mit Silikonstopfen sollten nach ein bis zwei Jahren verbraucht werden. Drehverschlüsse haben Christiane Leibssle zufolge die Eigenschaft die Flaschen luftdichter als Korken zu verschließen. „Der Inhalt reift damit langsamer als beim Naturkorken“, erklärt sie. „Die Mehrheit der Weine wird vom Verbraucher schnell konsumiert, sodass keine langen Lagerzeiten anfallen, die einen nachhaltigen Einfluss auf die Flaschenreifung ausüben.“ Und für eine 24 bis 36 Monate währende Aufbewahrungsdauer im Keller des Endkonsumenten reiche der im Flaschenhals enthaltene Sauerstoff aus, um nach dem Öffnen ungetrübten Genuss zu garantieren.

Ein klarer Vorteil von Schraubverschlüssen ist laut Christiane Leibssle die geringere Verdunstung. „Bei der Lagerung diffundiert Sauerstoff durch den Verschluss und beschleunigt die Alterung des Weins", berichtet die Sommelière. „Um diesen Prozess aufzuhalten, wird Wein geschwefelt." Je mehr Sauerstoff eindringe, desto mehr Antioxidantien würden verbraucht. Da Schraubverschlüsse am besten abdichten, fällt der Expertin zufolge der Verbrauch von Schwefel zum Abbinden von Sauerstoff niedriger aus.

Kritisch steht die Kirchheimer Sommeliére Presskorken gegenüber, die aus Korkabfällen bestehen, die vom Hersteller verleimt werden. „Hier besteht die Gefahr von chemischen Geschmackstönen, die vom Klebstoff herrühren", urteilt Christiane Leibssle. „Optisch hochwertig, geruchs- und geschmacksneutral hingegen sind Glasstopfen, die allerdings teurer sind und anstelle eines Plopps ein klingendes Öffnungserlebnis bescheren."

Schluss mit dem Plopp
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