Kirchheimer Umland

Schnelle Hilfe, wenn die Luft raus ist

Selbstversuch Seit Sommer gibt es in und um Kirchheim sieben Rad-Service-Punkte. Zeit für einen Check: Werden sie genutzt, sind sie noch intakt? Von Peter Dietrich

Kleiner, nützlicher Helfer: Der Rad-Service-Punkt. Foto: Peter Dietrich

Beginnen wir die Tour zu den sieben Rad-Service-Punkten in Ötlingen - mit dem Rad-Service-Punkt am Lauterradweg, in Höhe der Waldorfschule. Soeben ist Patrick Jene mit seinen Söhnen Felix und Finn gekommen. Der Roller von Finn hat Vollgummireifen, aber das Laufrad von Felix braucht dringend Luft. Drei gebräuchliche Ventilarten gibt es an Fahrrädern. Am Rad-Service-Punkt ist die Vielfalt kein Problem, der Kopf mit zwei Anschlüssen und Hebel passt auf alle Ventile. Die drei Herren sind begeistert von dem neuen Angebot, das sie zum ersten Mal nutzen. An dieser Station ist alles in Ordnung. Das Werkzeugsortiment besteht aus zwei Reifenhebern, Inbusschlüsseln, einem Universalschlüssel („Engländer“) und zwei Schraubendrehern. Alles ist an langen Drähten befestigt. Einziger Mangel: Die Verstellung des Engländers ist ein wenig rostig. Der ist zwar kein Ersatz für einen passenden Maulschlüssel und für manche Anwendungen zu breit, aber immerhin.

Anzeige

Viele Reifen haben zu wenig Druck

Auf jedem Rad-Service-Punkt sind die nächsten beiden Standorte angegeben, außerdem sind die empfohlenen Luftdrucke zu lesen. Die Pumpenskala geht bis zu zehn Bar. Ein Blick lohnt, denn viele Radler fahren mit viel zu wenig Druck. Die Folgen sind mehr Tretaufwand, mehr Reifenabrieb und eine deutlich größere Gefahr eines Plattfußes.

Station zwei unserer Radrundfahrt steht sehr zentral vor der Stadtbücherei in der Max-Eyth-Straße 15. Gerade fährt Rafael Rabassi vor und findet den Rad-Service-Punkt „eine gute Idee“. Seine erstmalige Benutzung zum Aufpumpen klappt sofort. So ganz selbstverständlich ist das nicht, denn die Pumpe ist ordentlich verbogen und schlappert. Sie funktioniert noch, aber das „noch“ ist zu betonen und Abhilfe dringend. Den Inbusschlüsseln sieht man an, dass sie schon häufig benutzt wurden. Das ist keine Kritik, sie sind in Ordnung. Viel mehr ein positives Zeichen: Dieser Standort scheint der Favorit zu sein.

 

Rafael Rabassi nutzt den Rad-Service-Punkt vor der Stadtbücherei zum ersten Mal. Foto: Peter Dietrich
Rafael Rabassi nutzt den Rad-Service-Punkt vor der Stadtbücherei zum ersten Mal. Foto: Peter Dietrich

Weiter zum Ziegelwasen - am dritten Standort in der Schlierbacher Straße 30 neben der Bushaltestelle ist alles top: Bestnote. Nachfrage nebenan in Küblers Wursthaus, das als lokaler Pate gewonnen wurde. Ingrid Kübler weiß bisher von keinen Defekten. „Ich hoffe ja, dass es so bleibt.“

Hat der Teckboten-Reporter Tomaten auf den Augen? Am Sportplatz neben der Gemeindehalle Jesingen ist weit und breit kein Rad-Service-Punkt zu sehen. Es geht einmal um die Gemeindehalle, dann begegne ich einem Anwohner. „Doch, den habe ich gesehen. Dort drüben, wo die Mülltonne und das Auto stehen.“ Hingefahren - nichts. Schließlich den blauen Deckel der Mülltonne geöffnet: Der Rad-Service-Punkt ist drin. Das sieht nach Halloween aus, der Boden der Papiertonne ist säuberlich ausgesägt. Nach der Befreiung erweist sich der Zustand des Rad-Service-Punkts als einwandfrei. Nur die Tonne ist im Eimer.

Wer hat die Rad-Service-Punkte eigentlich erfunden? Nein, erfunden hat Karl-Heinz Kaufmann den Rad-Service-Punkt nicht. Aber vor etwa drei Jahren bei einem Lehrgang beim Pumpenhersteller SKS hat er sie kennengelernt und dann als Erster nach Kirchheim gebracht. Damals war alles noch in Planung, aber Karl-Heinz Kaufmann war so überzeugt, dass er sofort zwei Stück bestellt hat. Einen hat er vor seinem Fahrradgeschäft in Kirchheim-Nabern in der Alten Kirchheimer Straße 27 platziert, den anderen in Bissingen bei seinem Ausstellungsraum in der Unteren Straße 3. An beiden Standorten gibt es auch einen Schlauchautomat.

 

 

Karl-Heinz Kaufmann kam auf die Idee, weil ihn immer wieder Radfahrer im Geschäft nach Luft gefragt hatten. Jetzt bedienen sie sich selbst, aber wenn technisch weniger Begabte ratlos vor der Pumpe stehen, hilft er dennoch. Nebendran steht ein alter Milchbehälter. Er ist zur Spendendose geworden und hilft ein wenig mit, dass vor Ort der kirchlichen Arbeit mit Kindern nicht finanziell die Luft ausgeht. Der Profi kennt inzwischen die Tücken seiner gut genutzten Rad-Service-Punkte: Im Winter könne das Wasser, das sich am Pumpenboden sammle, gefrieren. Die Dichtung am Pumpenkopf müsse einmal pro Jahr gewechselt werden. „Früher war der ganze Kopf hin, die neue Version ist verschraubt und die Dichtung lässt sich wechseln.“ Wenn die Stadt Kirchheim etwas brauche, sagt er, helfe er gerne mit Ersatzteilen. Er habe alles da.

Zur Nachahmung empfohlen!

Weiter geht‘s zur Alten Straßenmeisterei in der Dettinger Straße 140. Direkt am Bahnübergang und praktischerweise direkt unter einer Lampe steht der letzte Rad-Service-Punkt. Auch hier ist alles in bester Ordnung. Der erste Check nach ein paar Monaten fällt also, abgesehen von der Pumpe vor der Stadtbücherei, positiv aus. Das Resultat des Autors: zur Nachahmung empfohlen!

 

Im Überblick: alle Rad-Service-Punkte

Kernstadt: Max-Eyth-Straße 15 bei der Stadtbücherei, Schlierbacher Straße 30 am Ziegelwasen, Dettinger Straße 140.

Jesingen: am Sportplatz neben der Gemeindehalle

Ötlingen: Fabrikstraße 33

Nabern: Alte Kirchheimer Straße 27

Bissingen: Untere Straße 3