Kirchheimer Umland

Schülerin startet Aktion: Streuobst für Flüchtlinge

Gesucht sind ab sofort Menschen, die ihre Streuobstwiesen zur Verfügung stellen

Noch lässt die Haupternte auf sich warten. Doch schon jetzt biegen sich die Bäume auf den Streuobstwiesen rund um Kirchheim und das Fallobst bedeckt den Grasboden. Das brachte Schülerin Sylvia ­Hornung auf eine Idee: Obst von brachliegenden Wiesen sollen weniger wohlhabende Menschen ernten dürfen.

Sylvia Hornung will nicht, dass leckeres Streuobst vergammelt. Sie will dafür sorgen, dass Flüchtlinge brachliegende Wiesen aber
Sylvia Hornung will nicht, dass leckeres Streuobst vergammelt. Sie will dafür sorgen, dass Flüchtlinge brachliegende Wiesen abernten dürfen.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Bei ihren täglichen Besuchen auf den Wiesen rund um den Schafhof, beobachtete die 16-jährige Schülerin Sylvia Hornung, dass auf immer mehr Wiesen nicht mehr geerntet wird. Ihre Idee: Diese Lebensmittelverschwendung stoppen. Sie würde gerne die Erlaubnis der Streuobstwiesenbesitzer einholen, sodass Flüchtlinge und hilfsbedürftige Menschen sich an dem Obst bedienen können.

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Durch ihr Engagement im Umweltschutz und der Teilnahme an Festivals rund um das Thema Umwelt kam sie in Kontakt mit dem Projekt „GANZ unter Teck“. Die Mitglieder arbeiten im Bereich Gemeinnützigkeit, soziales Engagement, pflanzlicher Lebensstil und Umweltbewusstsein – die optimalen Ansprechpartner für Sylvia und ihre Idee. Bei Jonathan Antony Lamp, zukünftiger Hauptverantwortlicher ihrer Initiative, fand Sylvia Gehör und auch die Stadtverwaltung Kirchheim erklärte sich bereit, bei ihrem Vorhaben zu helfen.

Der Wille zum Helfen zeigt sich auch außerhalb von Ämtern und Behörden. Eine erste Zusage gibt es bereits. Die Besitzerin einer brachliegenden Streuobstwiese freut sich, wenn auf ihrer Wiese geerntet wird. So wie vielen Streuobstwiesenbesitzern fehlt auch ihr die Zeit ihr Stück Land zu unterhalten. Auch die ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuer unterstützen die Idee. Sie machen es sich gerne zur Aufgabe den Flüchtlingen zu zeigen, an welchen Wiesen die Erlaubnis besteht zu ernten und wollen diese auch ausschildern.

Das Interesse an Obst aus der Region ist groß. Sylvia Hornung selbst bestätigt: „Es ist schade, das Obst verkommen zu lassen, denn so viele arme Leute oder Flüchtlinge freuen sich über die ungespritzten Schätze.“ Bei ihren Besuchen im Flüchtlingsheim, bei denen sie regelmäßig Obst aus der Region mitbringt, ist die Freude in den Gesichtern der Flüchtlinge deutlich abzulesen. Die Nachfrage nach weiterem regionalem Obst seitens der Flüchtlinge ist groß, wie die Schülerin beteuert.

Zusätzlich zu den Besitzern, die ihre brachliegenden Wiesen zur Verfügung stellen, hofft Sylvia auf weitere Freiwillige. Sie können zum Beispiel beim Einkochen des Obstes helfen. Vorstellbar wäre es, dass diese Freiwilligen im Rahmen einer Veranstaltung, die im Flüchtlingsheim stattfinden soll, ihr Wissen weitergeben. Dadurch kann das nicht sofort verwendete Obst zu einem späteren Zeitpunkt als Apfelmus oder Kompott gegessen werden.

Die 16-Jährige hofft jetzt, dass ihre Idee auf fruchtbaren Boden fällt. Unterstützung hat sie durch den Umweltbeauftragten der Stadt, Wolf Rühle. „Wir bitten alle Besitzer, die nicht mehr ernten, sich bei uns zu melden“, sagt sie und hofft auf Anrufe und E-Mails vieler Streuobstwiesenbesitzer. „So verschwenden wir das wertvolle Streuobst nicht und die Flüchtlinge freuen sich.“

Wer bereit ist, seine brachliegende Streuobstwiese zur Verfügung zu stellen, kann sich an Sylvias Schülerinitiative obst.kirchheim@gmx.de wenden. Ansprechpartner bei der Stadtverwaltung Kirchheim ist der Umweltbeauftragte Wolf Rühle, Telefon 0 70 21/502-413, E-Mail an W.Ruehle@kirchheim-teck.de.