Kirchheimer Umland

Schutz beginnt an der Haustür

Einbrecher immer professioneller – Polizei setzt auf Prävention, Präsenz und Wachsamkeit

Die Zahl der Wohnungseinbrüche in Kirchheim ist im Jahr 2014 um mehr als die Hälfte gestiegen. Kreisweit wurde sogar ein Anstieg von fast 70 Prozent verzeichnet. Die Polizei verstärkt ihre Maßnahmen.

Auch außerhalb der dunklen Jahreszeit werden Einbrecher immer aktiver: 2014 wurden alleine im ersten Halbjahr mehr Wohnungseinbr
Auch außerhalb der dunklen Jahreszeit werden Einbrecher immer aktiver: 2014 wurden alleine im ersten Halbjahr mehr Wohnungseinbrüche im Raum Kirchheim verübt als noch im Jahr zuvor.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. „Zu Beginn des Jahres ist es schwierig, belastbare Tendenzen vorherzusagen“, betont Christian Wörner von der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit des Polizeipräsidiums Reutlingen. „Wir befürchten aber, dass sich für 2015 noch keine Entspannung abzeichnet.“ Im Jahr 2013 hatte die Polizei 396 Wohnungseinbrüche im Landkreis Esslingen registriert. 2014 hat sich diese Zahl auf 669 erhöht – das entspricht einem Plus von 68,9 Prozent.

Auch die Fallzahlen für Kirchheim zeigen, dass hier im Jahr 2014 mit 53 Fällen im Vergleich zum Vorjahr (35 Fälle) rund 51 Prozent mehr Einbrüche verübt wurden. „Die Einbrüche haben bundesweit in den vergangenen acht bis neun Jahren zugenommen“, erklärt Thomas Pitzinger, Leiter des Kirchheimer Polizeireviers. Im Frühjahr sei aber ein jahreszeitenbedingter Rückgang zu erwarten.

Als Reaktion auf die gestiegenen Fallzahlen hat die Polizei einen besonderen Fokus auf diesen Deliktsbereich gelegt: Bereits im August 2014 hat die Ermittlungsgruppe „Eigentum“ ihre Arbeit aufgenommen, die von Nürtingen und Tübingen aus zentral alle Wohnungseinbrüche im Präsidiumsbereich bearbeitet. Dort wird das Know-how der Spezialisten der Kriminaltechnik gebündelt, damit Verbrechensstrukturen, Spuren und Brennpunkte besser erkannt werden und um die Chancen auf Aufklärung zu erhöhen.

„Die Täter sind strukturiert, stammen zunehmend aus dem südosteuropäischen Raum und gehen arbeitsteilig vor“, sagt Josef Hönes, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Reutlingen. Die erleichterte Einreise spiele dabei wahrscheinlich eine Rolle, ebenso das Wohlstandsgefälle.

Die Auswertung der Kriminalstatistik 2014 habe gezeigt, dass Einbrüche meist nicht zur Schlafenszeit, sondern in den frühen Abendstunden auf unbewohnte Objekte verübt werden. Die Polizei hat ihre Präsenzzeiten entsprechend angepasst: „Ziel ist es, durch erhöhten Kontrolldruck die Wahrscheinlichkeit von Festnahmen zu steigern und Einbrüche zu verhindern“, ergänzt Hönes.

Bei Maßnahmen wie der Einbruchschutzkampagne „K-Einbruch“ stehen Prävention und die Aufklärung der Bevölkerung im Vordergrund. Dass diese Vorbeugung wirkt, bestätigt der in der Vergangenheit stetig gestiegene Anteil der Einbruchsversuche: In 42 Prozent der Fälle scheitern die Täter an Sicherungseinrichtungen oder werden bei der Ausführung gestört. „Einbruchschutz beginnt an der Haustür“, betont Thomas Pitzinger. Damit ist aber nicht nur zeitgemäße Sicherungstechnik gemeint, sondern auch die Wachsamkeit unter Nachbarn. Viele Einbrüche können durch aufmerksame Bewohner verhindert werden. „Es ist wichtig, dass im Verdachtsfall sofort die Polizei über die 110 verständigt wird“, erklärt Pitzinger. „Jeder Hinweis auf auffällige Personen oder Fahrzeuge kann bei den Ermittlungen hilfreich sein.“

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