Kirchheimer Umland

Schwäbische Befindlichkeiten

Stephan Schad zu Gast im Kirchheimer Central-Kino – Bundesstart von „Die Kirche bleibt im Dorf 2“

Stephan Schad stand im Central den Besuchern Rede und Antwort.Foto: Markus Brändli
Stephan Schad stand im Central den Besuchern Rede und Antwort.Foto: Markus Brändli

Kirchheim. Weil die Kirche weiterhin im Dorf bleibt, kam Schauspieler Stephan Schad von der Großstadt zu einem Besuch nach Kirchheim. Im

Central-Kino beantwortete er die Fragen der Kinobesucher zu seinem neuen Film, seiner Arbeit und seiner Frisur.

Die schwäbische Komödie „Die Kirche bleibt im Dorf“ war im Sommer 2012 der volle Renner. Vor allem Dialekt sprechende Schauspieler, die man sonst nur in der hochdeutschen Version kennt, der besondere Humor und die typischen, oft derben schwäbischen Sprüche sorgten dafür, dass der Film zumindest im deutschen Südwesten richtig gut ankam.

Vor einer Woche war Bundesstart von „Die Kirche bleibt im Dorf 2“. Damit der neue Film wieder beim Publikum punktet, reisen die Darsteller durchs Land und stellen sich den Fragen von Kinobesuchern. Dass das Kirchheimer Central-Kino überhaupt und dann gleich in der ersten Woche des Bundesstarts in diesen Genuss kam, ist den vielen Besuchern von vor drei Jahren zu verdanken. So war dann an diesem herrlich lauen, sommerlichen Abend Stephan Schad im Kirchheimer Central-Kino zu Gast. Er spielt in beiden Kinofilmen den Karl Rossbauer. Ansonsten wirkt er in Fernsehfilmen und -serien mit, etwa dem Tatort.

„Bei den Dreharbeiten habe ich mich dabei ertappt, wie ich plötzlich auch in normalen Gesprächen wieder schwäbisch redete“, erzählt Schad. Und das war so etwas wie die Wiederentdeckung einer alten Liebe. Stephan Schad kam in Pforzheim zur Welt, ging unter anderem in Stuttgart zur Schule und lebt seit vielen Jahren in Hamburg. Im Alltag spricht er schon lange kein Schwäbisch mehr. Den Dialekt „auszutreiben“ war schließlich harte Arbeit bei der Ausbildung zum Schauspieler. Denn obwohl zu Hause kein Schwäbisch gesprochen wurde, prägte ihn sein Umfeld und seine Esslinger Oma. Außerdem gab es im Hause Schad stets viel Gelächter über schwäbische Geschichten aus dem uralten Buch „Schnitz und Zwetschgen“.

So ähnlich ging es auch seinen Schauspielerkollegen. Einige davon, Hans Löw, Frank Stöckle und später auch Julia Nachtmann, waren sogar an derselben Schule in Stuttgart. Viele landeten im Laufe der Zeit in Hamburg oder anderswo weit weg. Der Zufall führte sie am Theater wieder zusammen.

Der Spaß beim Dreh mit der Sprache ihrer Kindheit und Jugend ist den Darstellern von „Die Kirche bleibt im Dorf“ anzumerken und die Vertrautheit mit der schwäbischen Seele und den damit verbundenen Befindlichkeiten sowieso. Das gefällt Stephan Schad auch an diesen Filmen: Die Darstellung der „typisch schwäbischen Eigenschaften: des Humors, der Schlitzohrigkeit und vor allem der Selbstironie“.

„Schade, dass Schwäbisch im Norden auf viele Leute dümmlich wirkt“, bedauert Schad. Dabei seien die im Südwesten alles andere als das. Als leidenschaftlicher Theaterschauspieler hat er eben auch viel mit klassischer Weltliteratur aus schwäbischer Feder zu tun: „Der Friedrich Schiller hat auch schwäbisch g‘schwätzt.“

Zur „Strafe“ gibt es in Hamburg selten solch schöne Sommerabende. Schad genießt sichtlich das „unter der Kastanie sitzen“ in Kirchheim. „Was man an seiner Heimat hatte, merkt man oft erst später“, sinniert er und überlegt hin und wieder, ob er mit seiner Familie wieder irgendwann in den Süden zieht. „Kunst und Kultur spielen im Süden eine größere Rolle“, ist er sich sicher. Die Gegend um Kirchheim ist ihm vertraut, da ein Jugendfreund von ihm beim Hepsisauer Michaelshof arbeitete.

Wahrscheinlich ist der Begriff Heimat eine Mischung aus Jugenderinnerungen, Sprache und schwer Greifbarem wie Gerüchen und Lichtverhältnissen. Schad zitiert ein eigenes Gedicht, bei dem es um eine Apfelbaumwiese im Remstal geht. Da tauchen Bilder auf, die wohl ganz tief im Menschen verborgen sind. Wahrscheinlich kann man seine Wurzeln und das Schwabe-Sein nie ganz ablegen. Selbst wenn es im normalen Leben kaum noch eine Rolle spielt.

Immerhin: Stephan Schad wünscht seinen Kindern ein „Guats Nächtle“ und seine Spätzle macht er auch immer noch selbst.

Zum Abschied von Kirchheim bedankte er sich bei Ulrike und Eberhard Frech: „Erhalten Sie dieses Kino. So etwas gibt es bloß noch ganz selten.“ Vielleicht muss man im Gegensatz zu der Kirche aus dem Dorf gehen, um einen anderen, wohlwollenderen Blick auf seine Heimat zu bekommen.

Musikszene war eine MordsgaudiNachgefragt

Mit dem Stück am Schluss des Films hätte man einen Musikfilm machen können. Haben die Schauspieler die Instrumente alle selbst gespielt?

STEPHAN SCHAD: Viele der Kollegen sind musikalisch und haben tatsächlich selbst gespielt. Aber nicht alle spielen das gleiche Instrument wie im Film. Da mussten wir dann eben so tun als ob. Die Szene mit der Band in der Scheune war jedenfalls eine Mordsgaudi.

Sind alle Schauspieler des Schwäbischen mächtig?

SCHAD: Ja, alle haben mehr oder weniger Wurzeln dort. Ulrike Grothe hat ja die Drehbücher auf Schwäbisch geschrieben. Aber da mussten wir schon manchmal die Aussprache diskutieren. Wir haben uns dann auf ein Schwäbisch geeinigt. Wenn die schon alle im gleichen Dorf wohnen, sollte das ja einheitlich sein.

Der Film ist ja überwiegend Klamauk. Was sagen Sie dazu?

SCHAD: Das sehe ich als Lob. Die schlitzohrigen Dialoge zeigen jeden in seiner Not. Und das ist eben auch Teil unserer Arbeit.

Was ist denn mit Ihren Haaren passiert? (Stephan Schad hat im Gegensatz zum Film nun eine Glatze)?

SCHAD: Diese Frisur ist berufsbedingt. Ich spiele derzeit den Dorfrichter Adam in Kleists „Zerbrochenem Krug“. Und Adam hat eben eine Glatze.

Wie ist das nun mit der Serie und dem Kinofilm? Wie geht es weiter?

SCHAD: Ulrike Grothe hat gesagt, dass es keinen dritten Kinofilm geben wird. Aber das hat sie nach dem ersten auch gesagt. Weitere Folgen der Serie beim SWR sind gerade in Arbeit.

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