Kirchheimer Umland

Schwarze Schafe gibt es auch im Kreis

Verstöße In den Gemeinden rund um die Teck haben sich die meisten Menschen an die Corona-Bestimmungen gehalten. Allerdings mussten auch einige „Strafzettel“ verteilt werden. Von Bianca Lütz-Holoch

Auf dem Markt sind Masken erwünscht, aber keine Pflicht. Wer sich dagegen beharrlich weigert, im Supermarkt oder in öffentlichen
Auf dem Markt sind Masken erwünscht, aber keine Pflicht. Wer sich dagegen beharrlich weigert, im Supermarkt oder in öffentlichen Verkehrsmitteln eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen, muss mit einem Bußgeld rechnen. Foto: Carsten Riedl

Corona-Partys, Masken-Verweigerer und Gaststätten, die trotz Verbots aufmachen - all das hat es auch im Landkreis Esslingen gegeben. Allerdings sind solche Verstöße gegen die Corona-Verordnung eher Ausnahmen geblieben, wie eine Umfrage des Teckboten bei den Kommunen in der Region zeigt. Sie beurteilen das Verhalten ihrer Bürger sehr positiv: Die allermeisten haben sich offenbar diszipliniert gezeigt - und beachten noch immer die Corona-Regeln.

„Bei uns sind bisher 630 Personen wegen Corona-Verstößen angezeigt worden“, meldet Peter Keck, Pressesprecher des Landratsamts Esslingen. Rund 360 Bußgeldbescheide hat die Behörde erlassen, 200 Verfahren sind im Stadium der Anhörung, 70 wurden eingestellt. „Die allermeisten Verfahren betreffen Verstöße im Zusammenhang mit der Einschränkung des Aufenthalts im öffentlichen Raum“, so Peter Keck. Das heißt zum Beispiel, Menschen haben sich in Gruppen getroffen, obwohl es verboten war, oder sie haben den Mindestabstand von 1,5 Meter zueinander nicht eingehalten. „Die Bußgelder bewegen sich zwischen 50 und 2500 Euro, wobei in der Regel mindestens 100 Euro verhängt werden“, sagt der Landkreis-Sprecher. Verstöße habe es praktisch überall gegeben, wo das Landratsamt zuständig ist. Das sind alle Städte und Gemeinden im Kreis mit Ausnahme der Großen Kreisstädte und Gemeinden, die zu deren Verwaltungsgemeinschaft gehören.

In der Großen Kreisstadt Kirchheim sind in den vergangenen Monaten weitere 200 Verstöße gegen die Corona-Verordnung aufgelaufen. „Die Bußgelder lagen im Bereich zwischen 20 Euro, etwa bei Nichttragen einer Mund-Nasen-Bedeckung, und 2500 Euro, weil beispielsweise gegen das Berufsverbot verstoßen wurde“, sagt Robert Berndt, Sprecher der Stadt. Die Zahlen umfassen Kirchheim und die Teilorte, aber auch Notzingen und Dettingen. „Bei letzteren waren die Zahlen aber sehr überschaubar“, informiert Marcus Deger, Sachgebietsleiter Ordnung und Verkehr der Stadt Kirchheim.

Das deckt sich mit den Aussagen aus den Rathäusern. „Bei uns wurden von der Polizei zwei oder drei Verstöße gegen die Corona-Verordnung angezeigt“, sagt Regine Schäfer vom Notzinger Ordnungsamt. Dettingen hat ihrem dortigen Kollegen Rico Frick zufolge lediglich einen Verstoß aufgenommen. Endgültige Zahlen können die Zuständigen auf den Rathäusern aber nirgendwo nennen. „Ein erheblicher Teil der Kontrollen erfolgt durch die Polizei“, sagt Sarah Neckernuß vom Bissinger Ordnungsamt. Nicht jeder Verstoß geht auch über die Schreibtische der Ordnungsämter. „Die Bissinger Ortspolizeibehörde etwa hat keine Verstöße festgestellt, die zur Anzeige gebracht werden mussten“, so Neckernuß. Allerdings weiß sie von zwei Verfahren, die im Ort eingeleitet wurden. Dabei ging es um einen Aufenthalt auf dem Seegelände und an einer Grillstelle.

Viel Aufklärungsarbeit geleistet

In Neidlingen, Ohmden, Owen und Schlierbach sind in den Rathäusern keine Verstöße bekannt, die auch Bußgelder nach sich gezogen hätten. Holzmaden und Lenningen nennen keine Zahlen. Der Tenor aller Kommunen jedoch ist gleich: Es gab - vor allem anfangs - eine Reihe von kleineren Verstößen. In der Regel sei es aber gelungen, Probleme durch Gespräche und viel Aufklärung zu lösen.

Allerdings nicht immer. In Weilheim hat es abends offenbar immer wieder Ärger mit Gruppen an bekannten Brennpunkten gegeben, berichtet Ordnungsamtsleiter Helmut Burkhardt. „Die Polizei konnte solche Zusammenkünfte meist problemlos auflösen“, sagt er. „In ein paar wenigen Fällen hat es aber auch Widerstand gegeben.“ Gefreut hat ihn, dass in den vergangenen Monaten viel Solidarität und Hilfsbereitschaft zu beobachten war. „Die Bevölkerung, Vereine und Organisationen waren auch sehr verständnisvoll, was Einschränkungen angeht.“

Eine offizielle Statistik mit Corona-Verstößen führt übrigens auch das Polizeipräsidium Reutlingen nicht. Die Tendenz ist aber klar: „Anfangs hat es die meisten Verstöße gegeben, und es mussten viele Aufklärungsgespräche geführt werden“, sagt Björn ­Reusch, Sprecher des Polizeipräsidiums Reutlingen. Dann habe sich eine gewisse Routine eingestellt und es seien weniger Fälle registriert worden. „Das hängt aber natürlich auch mit den zunehmenden Lockerungen zusammen“, so Björn Reusch.

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