Kirchheimer Umland

Sechs Asse in Akrobatik und Tanz

Showtanz Ein Spektakel mit Reifen und Bällen: Die Showgruppe der Rhythmischen Sportgymnastik des TSV Ötlingen strebt nach einem erfolgreichen Jahr weitere Titel an. Von Max Carlo Pradler

Die sechs Turnerinnen präsentieren die Schlusspose ihrer Wettkampf-Choreografie.Fotos: Markus Brändli
Die sechs Turnerinnen präsentieren die Schlusspose ihrer Wettkampf-Choreografie. Fotos: Markus Brändli

Der schwarze Trainingsdress sitzt perfekt. Die Haare sind zu einem Dutt geknotet, damit ja keine Strähne verrutschen kann und während der Performance im Gesicht stört. Die eine oder andere trägt sicherheitshalber Knieschützer, um die Gelenke zu schonen. Fleißig dehnen sie in Reih und Glied die Beine mit einem elastischen Gummiband zum Spagat. Fehlen darf dabei aber trotz allem keineswegs das kleine Schwätzle nebenher.

So ist es üblich, wenn die Showgruppe der Rhythmischen Sportgymnastik des TSV Ötlingen mit dem Training beginnt. Die 13- bis 15-jährigen Mädels zeigen eindrucksvoll, dass Turnen ein Garant für hundertprozentige Fitness ist. Doch was für die meisten bereits nach unvorstellbaren Strapazen aussieht, ist für die sechs Nachwuchssportlerinnen gerade mal das Aufwärmprogramm. „Wir müssen uns sehr gründlich warmmachen, sonst könnte man sich schnell mal verletzen“, warnt Tugce Wenzel, die das Geschehen von außen beobachtet.

Die 28-Jährige trainiert seit zweieinhalb Jahren die jungen Gymnastinnen - und das mit riesigem Erfolg. In diesem Jahr wurden die Teenager-Mädels württembergischer Meister und erreichten im Juni bei den deutschen Meisterschaften in Koblenz den fünften Platz. „Wir haben ein gutes Jahr hinter uns. Wir sind zufrieden, wollen aber noch mehr“, sagt die Trainerin ehrgeizig.

Deshalb stellen sich die Turnerinnen nach dem Aufwärmen direkt in Position für die Hauptchoreografie. Mit dieser zweieinhalb Minuten langen Darstellung treten sie bei Wettkämpfen auf. „Die Choreo entwickle ich vor jeder Saison selbst. Aber noch sitzt sie nicht ganz perfekt“, bemerkt Tugce Wenzel. Doch die Mädels geben ihr Bestes, dass es bald klappt. Zu Hits wie „Billie Jean“ oder „Wake me up before you go go“ schlagen die Mädels imposant Räder, werfen sich Ringe zu und drehen und wenden sich grazil auf ihren Zehenspitzen wie kleine Ballerinen.

Alles funktioniert im Einklang. Die einzelnen Bewegungen sind perfekt aufeinander abgestimmt. Das muss es auch, denn die Mädchen vertrauen sich auf der Bühne blind. Das funktioniert übrigens nicht nur in der Halle: „Wir sind ein sehr harmonisches Team, da gibt es eigentlich nie einen Zickenkrieg“, schmunzelt Trainerin Wenzel, die in ihrem Heimatort Braunschweig selbst über 20 Jahre lang aktiv Rhythmische Sportgymnastik betrieben hat. „Aber klar, manchmal muss ich auch als Mama, Freundin oder Psychologin herhalten.“

Die Hoffnung auf eine erfolgreiche Zukunft mit vielen weiteren Titeln ist groß. Dafür schuften die Mädels dreimal pro Woche für zweieinhalb Stunden auf der Trainingsfläche. Das soll zumindest für ein paar Jahre noch so weitergehen. „Problematisch wird es erst, wenn das Abitur oder das Studium ansteht. Daran zerfallen dann einige Gruppen, weil der Trainingsaufwand zu groß ist“, erklärt die hauptberufliche Mediendesignerin.

Bis dahin fliegen aber hoffentlich noch so einige Reifen und Bälle quer durch die Eduard-Mörike-Halle in Ötlingen.

Showtanz, Showtanzgruppe, TSV Ötlingen Rhytmische Sportgymnastik, Tucissima
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Drei Fragen an Trainerin Tugce Wenzel

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1 Wie viel Zeit nimmt es in Anspruch, bis ihr eine Choreo einstudiert habt?

Das dauert meist Monate. Nach der Zusammenstellung der Choreo gehen wir Schritt für Schritt vor. Mit Videoanalysen schaffen wir es dann, jede einzelne Bewegung zu perfektionieren. Vergangene Saison hatte ich knapp 20 Videoanalysen aufgenommen. Das hilft den Mädels enorm, um schneller an ein gutes Ergebnis zu kommen.

2 Wieso sollten Mädchen sich bei der RSG anmelden und mitmachen?

Die Rhythmische Sportgymnastik ist eine elegante, anmutige aber auch eine sehr kraftvolle und koordinative Sportart - für Mädchen also perfekt geeignet. Es fördert nicht nur die Körperbeherrschung, sondern auch das Selbstbewusstsein.

3 Welchen Stellenwert hat die Sportgymnastik für dich persönlich?

Sie ist für mich seit über 23 Jahren ein sehr treuer Wegbegleiter. Früher, als ich selbst noch Gymnastin war, oder auch jetzt als Trainerin kann ich in der Halle den Alltagsstress vergessen und meiner Kreativität freien Lauf lassen. Ich würde sinnbildlich sagen, es ist wie ein maßgeschneidertes Kleid, das sich beim Tragen einfach gut anfühlt. max

Die Sportgymnastinnen des TSV Ötlingen veranstalten freitags von 16 bis 17 Uhr in der Eduard-Mörike-Halle einen Freizeitkurs für Mädchen zwischen vier und sieben Jahren. Informieren oder anmelden können sich Interessierte bei Kristina Kwint unter der Telefonnummer 01 52/2 44 98 87

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