Kirchheimer Umland

Seltener Vogel

Wolf Hirths Gö 1 von 1937 fliegt wieder im schwäbischen Segelfliegermekka

Hahnweide: Erstflug Gö 1 nach Reparatur  - ältestes Segelfugzeug aus dem Hause Schempp-Hirth
Hahnweide: Erstflug Gö 1 nach Reparatur - ältestes Segelfugzeug aus dem Hause Schempp-Hirth

Nach über 70 Jahren in Südafrika und frisch restauriert hat eines der ersten von Wolf Hirth 1937 in Serie gebauten Segelflugzeuge, die Göppingen Gö  1 „Wolf“, gestern ihren Erstflug auf der Hahnweide unternommen. „Für die Fliegerstadt Kirchheim, die Hahnweide und den Verein Fliegendes Museum Hahnweide ein historischer Moment“, so Siegmund „Sieger“ Maier, Mitbegründer und Vorsitzender des Fliegenden Museums Hahnweide (FMH).

Es war kein alltägliches Bild, das sich den Kirchheimer Segelfliegern und begeisterten Oldtimerfans gestern auf der Hahnweide bot. Majestätisch wie ein Adler kreiste die Göppingen Gö 1 „Wolf“ über dem Talwald und baute Höhe ab. Nach rund zwölf Minuten dann kurvte ihr Pilot Andreas Streble aus Hülben ins lange Endteil ein und schwebte im Bodeneffekt bis in Höhe des ersten Hangars aus. Mit einem glücklichen Lächeln im Gesicht und dem Spruch „Glückwunsch zu diesem Flugzeug“, stieg er aus dem engen Cockpit. Der Beifall des neugierigen Publikums war ihm sicher.

Streble hatte als Prüfer seit Herbst 2011 die von den „Holzwürmern“ des Sportfliegerclubs Stuttgart (SCS) fachmännisch durchgeführte Restaurierung des Segelflugveterans begutachtet und die Arbeit an der fliegenden Preziose schließlich nach 4 400 Werkstattstunden abgenommen. Deshalb war es auch ihm vorbehalten, als Erster das von Wolf Hirth 1935 konstruierte und 1937 in der Firma Sportflugzeugbau Göppingen, Martin Schempp, in Serie gebaute Segelflugzeug mit der Werksnummer 138 auf der Hahnweide zu fliegen. Erst vor ein paar Tagen hatte das Luftfahrtbundesamt die vorläufige Zulassung erteilt, die endgültige soll dann nach weiteren Testflügen erfolgen. „Der Flug war wunderbar“, berichtete Andreas Streble. „Das Flugzeug lässt sich gut um alle Achsen steuern. Das ist auch nach über 70  Jahren noch eine richtig gute Konstruktion“, war der Hülbener Pilot beeindruckt. Hellmut Hirth, der Sohn des Konstrukteurs und Segelflugvaters Wolf Hirth, freute sich über den „Spätheimkehrer“ und dessen Erstflug. „Ein schönes Geschenk zu meinem Hochzeitstag“, verriet er und auch für Tilo Holighaus, den Geschäftsführer von Schempp-Hirth, war der gestrige Tag „etwas ganz Besonderes“, weil nun das älteste von Schempp-Hirth hergestellte Flugzeug wieder im Lande ist, dem Fliegenden Museum Hahnweide gehört und tatsächlich im Flug vorgeführt werden kann.

Bis dahin freilich hatten die acht bis zehn Mitglieder des Sportfliegerclubs Stuttgart, die den kaputten Vogel reparierten, einiges zu tun. Per Container war er von Südafrika nach England verschifft worden. Von der Insel brachten ihn Hellmut Hirth und Martin Konermann vom SCS aufs Festland und in die Werkstatt des Clubs in Stuttgart-Zazenhausen. „Er war in einem traurigen Zustand“, erinnert sich Martin Konermann. „Das Rad hat gefehlt, ebenso die Eisenstreben und der Knüppel. Auch die Flügelrippen an einem Flügel waren nicht mehr da. Aber der Leim war noch in einem außergewöhnlich guten Zustand“. Deshalb konnten sich die „Holzwürmer“ an die Arbeit machen. Mit Erfolg.

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