Kirchheimer Umland

Spieglein, Spieglein . . . in dem See

Foto: Elise Czaja
Foto: Elise Czaja

Die Osterglocke blüht ganz bestimmt nicht erst an Ostern, aber auch nicht nur bis Ostern, sondern blüht im Frühjahr auf Wiesen und in heimischen Vorgärten. Die Blume leuchtet meist in einem zarten oder kräftigen Gelb, manchmal auch in Weiß oder in einem feurigen Orange. Sie ist bekannt als Frühlingsbote und eine beliebte Blume. Ein ­anderer Name für die Osterglocke lautet Narzisse. Der Name kommt aus der Mythologie, von der Sage von Narziss und Echo. Narziss war ein schöner junger Mann, der sich vor Verehrern und Verehrerinnen kaum retten konnte, woran er allerdings nicht interessiert war. Die arme, von Juno verwunsche­ne Echo, die nur bereits zu ihr Gesprochenes wiedergeben konnte, verliebte sich unsterblich in ihn. Doch auch um ihre Gefühle scherte sich Narziss nicht, und so starb Echo. Von der Rachegöttin Nemesis verflucht, verliebte sich Narziss in sein Spiegelbild in einem See. Jedoch brachte ihn die Unerreichbarkeit seiner Liebe um. Einzig und allein eine Blume, die man fortan Narzisse nannte, blieb an seiner Stelle zurück. Trotz des tragischen Ursprungs der Narzisse ist sie sehr beliebt, so beliebt, dass der Verkauf von Osterglocken einen großen Bestandteil des Floristikhandels ausmacht. In den Niederlanden, einem der Hauptproduzenten, gibt es nur wenige Blumen, von denen mehr produziert und verkauft werden als von Narzissen. Doch Vorsicht bei der Handhabung ist geboten: Die einer Speisezwiebel zum Verwechseln ähnlich sehende Narzissenzwiebel führt zu Vergiftungen und der Saft der Pflanze verursacht Hautreizungen. Obwohl diese Frühlingsblume keine Dornen hat, zeigt sie sich äußerst wehrhaft, und bedenkt man den Mythos, so ist dies auch nicht verwunderlich. Elise Czaja


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