Kirchheimer Umland

Sie musizieren seit fünf Jahrzehnten

Feuerwehr Der Spielmannszug der Notzinger Feuerwehr feiert am Wochenende sein 50-jähriges Bestehen. Erste Anläufe gab es bereits in den 1920er-Jahren.

Beim Wertungsspiel im Jahre 1981 mit Stabführer Guntram Matzke.

Nach dem ersten Weltkrieg zog es viele junge Leute zu den Feuerwehren. Aus den wenigen Aufzeichnungen lässt sich belegen, dass die Notzinger Wehr schon zu Beginn der 1920er-Jahre einen Spielmannszug hatte. Dessen Leitung übernahm Adolf Eppinger. Vor dem zweiten Weltkrieg löste sich der Spielmannszug in Notzingen aufgrund der nationalsozialistischen Kulturpolitik wieder auf. Der vorerst letzte Auftritt der Musiker ist auf einen Kameradschaftsabend am 7. Mai 1938 datiert. 30 Jahre später lud die Notzinger Feuerwehr zum Sommerfest bei der Gemeindehalle. Spielmannszüge aus Kirchheim und Unterensingen sorgten für die musikalische Unterhaltung. Warum eigentlich keinen eigenen Spielmannszug ins Leben rufen?

Gesagt, getan: Unter der Regie des Kommandanten Walter Eiting fand Ende 1968 eine Informationsveranstaltung statt, bei der sich 23 Interessierte in die Teilnehmerliste eintrugen. Die Instrumente wurden vom aufgelösten Spielmannszug aus Reudern übernommen, erstmals geprobt wurde in der Gemeindehalle im April 1969 unter Leitung von Stabführer Karl Kautter und seinem Stellvertreter Eugen Niefer. Ihren ersten Auftritt hatten die neuen Feuerwehr-Musikanten vier Wochen später beim Kameradschaftsabend, auf die große Bühne ging es beim Kreisfeuerwehrtag in Owen. Waren zunächst nur männliche Musiker zugelassen, so wurde die Gruppe ab 1970 durch sechs Flötistinnen verstärkt.

Von 1972 bis 1976 wurde im alten Schulhaus in Wellingen geprobt, anschließend im neuen Notzinger Feuerwehrhaus. Bis 1999 übernahm Guntram Matzke die Leitung des Spielmannszugs, auf ihn folgte bis 2008 Andreas Benedickt. Seit 2008 wird bei der Notzinger Wehr unter Leitung von Heinz Dieter Grolig musiziert, Rolf Fahrion unterstützt als organisatorischer Leiter.

Das musikalische Repertoire hat sich über die Jahre erweitert. Neben klassischen und modernen Märschen erklingen heute ebenso Polka, Samba, Klassik, Film- und Popmusik. 2018 nahmen die Musiker erfolgreich am Landeswertungsspiel in Heidelberg teil. Jetzt proben sie immer wieder gemeinsam mit den Spielmannskollegen aus Kirchheim.

Aktuell hat der Spielmannszug der Notzinger Feuerwehr 18 aktive Musiker. „Fünf Mitglieder sind gleichzeitig auch aktive Einsatzkräfte der Einsatzabteilung unserer Feuerwehr“, berichtet Kommandant Benjamin Lay. Die Nachwuchsarbeit wird wieder intensiviert. So läuft eine Kooperation mit der Musikschule für eine Trommler- und Percussion­gruppe an. Zusätzlich soll musikalische Früherziehung mit Flötenunterricht angeboten werden.

Den Spielmannzug der Feuerwehr zeichnet seine musikalische Vielfalt und eine gewisse musikalische Modernisierung aus, sagt Lay: „Das Spielmannszugwesen hat Tradition. Diese kann aber nur erhalten werden, wenn sie aktuellen Gegebenheiten angepasst wird.“ Für die Feuerwehr ist der Spielmannszug ein wichtiger Bestandteil, betont der Kommandant, durch ihn könne man sich noch vielseitiger präsentieren und so bestenfalls weitere Mitglieder für die Wehr gewinnen.

Die ist in Notzingen gut aufgestellt: Neben der Einsatzabteilung gibt es eine Kinder- und Jugendfeuerwehr und den Spielmannszug, nicht zu vergessen den VW Käfer als Feuerwehr-Oldtimer. „Damit hat die Freiwillige Feuerwehr Notzingen alle Abteilungen, die in einer kommunalen Feuerwehr derzeit möglich sind“, sagt Lay. Der Spielmannszug sei auf Veranstaltungen in der Gemeinde und auf Kreisebene präsent und ein wichtiges Aushängeschild.eis

Gefeiert wird der 50ste des Spielmannszugs am Sonntag, 7. April, rund um die Notzinger Gemeindehalle.

Auf der Bühne der Halle sind neben dem Spielmannszug aus Notzingen neun Spielmannszüge aus den Kreisen Esslingen und Reutlingen zu hören. Den musikalischen Abschluss gestaltet der Musikverein Notzingen-Wellingen.

Feuerwehroldtimer aus dem Kreis, private Oldtimer aus Notzingen sowie die Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr sind rund um die Halle ausgestellt.

Eine Hüpfburg wartet auf junge und jung gebliebene Gäste. Außerdem gibt es eine Bastelstation mit Buttons und ab 11.30 Uhr die Möglichkeit zum Kinderschminken. Ferner kann jeder ein Feuerwehr-Action-Bild machen lassen.

Kulinarisch startet der Sonntag mit einem Weißwurstfrühstück, auch tagsüber gibt es jede Menge Gaumenfreuden.

Das Spielmannswesen im Überblick

Das Spielmannswesen hat eine jahrhundertealte Tradition. Bereits im 8. Jahrhundert schlossen sich Spielleute und Musikanten zur Unterhaltung am Hofe oder auf Jahrmärkten und Festen zusammen. Die Kombination aus Trommel- und Flötenspiel entstand ab dem 13. Jahrhundert.

Eine parallele Entwicklung lief im militärischen Bereich ab. In der Militärmusik ist die Trommel das älteste Instrument und wurde insbesondere bei den Landsknechten eingesetzt. Sie diente dazu, den Rhythmus zu schlagen und den Soldaten wichtige Signale zu geben. So wurden diese etwa mithilfe der Trommel alarmiert, sobald sich der Feind näherte. Eines der wenigen Instrumente, das dem Spielmannswesen bis heute fast unverändert erhalten geblieben ist, ist die Querpfeife, früher auch „Spielmannsflöte“ genannt.

Schon mit der Gründung der Freiwilligen Feuerwehren Mitte des 19. Jahrhunderts traten Spielleute in Erscheinung. Die in diesem Jahrhundert aufkommenden Blasinstrumente verdrängten die Trommler und Pfeifer von ihrer ursprünglichen Rolle, stattdessen bliesen die Hornisten bei Übung und Einsatz die Signale. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die ersten Feuerwehr-Spielmannszüge gegründet. Erst ab den 1950er-Jahren gesellten sich zu Trommel und Pfeife dann weitere Instrumente wie Pauke und Lyra.eis

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