Kirchheimer Umland

So bunt kann die Gesellschaft sein

Multikulti Rund 30 Menschen kamen im „Hain der Kulturen“ nach Kirchheim, gesellig, friedlich, offen und bunt.

Eine fröhliche Stimmung beim „Tag der offenen Gesellschaft“.
Eine fröhliche Stimmung beim „Tag der offenen Gesellschaft“.

Kirchheim. Während am Samstagnachmittag im Schlossgarten eine Hochzeitsgesellschaft das Glück zweier frisch Vermählter feiert, sitzt ein paar Steinwürfe entfernt im „Hain der Kulturen“ - auch als Bürgerpark Herrschaftsgärten bekannt - eine illustre, bunt zusammengewürfelte Gesellschaft gemeinsam an einem Tisch. Menschen, von denen sich die meisten zuvor noch nie gesehen haben, Ältere und Jüngere, aus der Region und welche mit algerischen oder georgischen Wurzeln.

„Da kommen schon noch ein paar, es ist ja noch früh“, zeigt sich Tobias Sender von der Fach- und Koordinierungsstelle der Partnerschaft für Demokratie Kirchheim zuversichtlich. Und der Sozialarbeiter, der zusammen mit Helena Sauter vom Chai-Treff Biertischgarnituren, Stehtische sowie die Bluegrass-Band „3 Picker“ für die „Demokratische Gartenwirtschaft auf Zeit“ organisiert hat, soll recht behalten. Zu der anfangs Handvoll Menschen, gesellten sich immer mehr dazu, gegen Ende kamen um die 30 Frauen und Männer ins Gespräch. „Wie redet das normale Volk?“ „Wie bunt darf die Gesellschaft sein?“ „Wie drückt sich Demokratie im Alltag aus?“ Fragen über Fragen, über die man laut Tobias Sender gerne mal nachdenken sollte. Nach dem Motto: „Optimismus ist Pflicht und macht viel mehr Spaß als das ewige Genöle“, wird er zudem nicht müde, den weitreichenden Sinn hinter dieser Initiative zu erläutern. Dann begrüßt er die Anwesenden und fordert sie freundlich auf: „Redet miteinander, sagt, was ihr wollt oder nicht wollt und habt Spaß dabei.“

Heidi Hirschinger vom städtischen Arbeitskreis Asyl hat Kirschen, Kuchen sowie gute Laune mitgebracht. „Super, sonst kommt man nicht zusammen“, begrüßt die Seniorin die Aktion. Stolz berichtet sie von Hussein Amadi, einem 21-jährigen Afghanen, dem sie zu Hause Deutsch beibringt. „Und das klappt hervorragend, nach zwei Jahren hat er seinen Hauptschulabschluss gemacht und fängt demnächst in Nabern eine Ausbildung zum Fliesenleger an.“

Ihre Tischnachbarin ist Inge Arndt vom „Betreuten Wohnen“ im Steingaustift, beide Frauen haben sich zuvor noch nie gesehen. Sie sei in erster Linie wegen der tollen Musik da, die sie erst kürzlich in der Einrichtung gehört und für gut befunden hatte. „Ich mag die entspannte Country- und Westernmusik“, verrät sie und genießt die dezent im Hintergrund gespielten Stücke.

Houari Mehdi ist eher zufällig hier. Der gebürtige Algerier fühlt sich schon seit fast zwei Jahrzehnten in Kirchheim wohl. Zuvor lebte er sieben Jahre lang in Frankreich. Der gelernte Schneider arbeitet als Lagerist und schätzt die deutsche Grundeinstellung, Sicherheit, Arbeit und Rindsrouladen mehr als die Lebensweise der Franzosen.

„Wir haben hier noch nicht so viele Bekannte“, verrät Natalia Oniani, die mit ihrer siebenjährigen Tochter Katja spontan hier ist und ursprünglich aus Georgien kommt. „Mein Mann ist Ingenieur und ich suche Arbeit, weil ich mit der Schule fertig bin“, erzählt die gelernte Bürokauffrau, die neben Russisch auch Englisch und schon recht gut Deutsch spricht. „Wir wussten nicht, was uns erwartet, aber es ist ein wunderbarer Platz und ein schöner Tag“, bringt es Renate Hirsch von der Flüchtlingsberatungsstelle auf den Punkt.Sabine Ackermann

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