Kirchheimer Umland

So läuft’s mit dem „Schätzchen“ rund

Autopflege Die Temperaturen steigen langsam, und es riecht nach Frühling: Manchen Oldtimer-Fan juckt es schon, seinen geliebten Klassiker endlich wieder auszufahren. Tipps für den Start in die Saison. Von Cornelia Wahl

Bevor der Oldtimer-Liebhaber sein fahrbares Schmuckstück im Frühling aus der Garage holt, steht einige Arbeit an. Damit er in der neuen Saison viel Freude daran hat, braucht das betagte Fahrzeug Pflege. Nach der monatelangen Standzeit gilt das Augenmerk dem Ölstand, der Bremse und dem Kühlerfrostschutz.

Kevin Haible, Technischer Leiter vom TÜV Süd in Kirchheim und Nürtingen rät vor allem zum Ölwechsel. „Wichtig ist auch, den Kühlerfrostschutz zu überprüfen“, fügt er hinzu. „Ist zu wenig Frostschutz im Kühler, könnte der Motor von innen rosten“, gibt Haible zu bedenken. Ähnlich verhält es sich mit der Bremsflüssigkeit. Sie dient der Sicherheit und ebenfalls dem Rostschutz. Sie hat die Eigenschaft, dass sie Feuchtigkeit aus der Luft aufnimmt. Enthält sie zu viel Feuchtigkeit, lässt die Bremswirkung nach, und in den Bremsleitungen kann sich Rost bilden. Deshalb rät der TÜV-Prüfer, die Bremsflüssigkeit zu prüfen und nach Vorschrift zu wechseln. Allerdings gilt: Wer seinen Oldtimer nur wenig fährt, sollte sich nicht an die Kilometerangabe halten, sondern lieber früher wechseln.

Mercedes Benz Oldtimer
Symbolfoto

Wer seinen Oldie den Winter über mit angezogener Handbremse abgestellt hat, dem könnte nun im Frühjahr ein Ärgernis drohen: Der Belag kann festrosten. Das Lösen wird dann nicht so einfach. Außerdem bremst der Wagen somit nicht mehr gleichmäßig. Ebenfalls sollten die Bremsscheiben auf Korrosion, Verschleiß und Zustand hin begutachtet werden. Zeigt sich eine Undichtigkeit am Bremszylinder, kann dies mit einem Reparatursatz behoben werden.

Außerdem sollten die Schmiernippel regelmäßig abgeschmiert werden. Woran vielleicht nicht gleich gedacht wird, ist an den Kraftstoff, „wenn das Auto wenig gefahren wird“, sagt Kevin Haible. Dies vor allem dann, wenn der Sprit älter als ein bis zwei Jahre ist. Bemerkbar macht sich der Qualitätsverlust an einem unrunden Lauf des Motors.

Wurde die Batterie während der Ruhezeit nicht regelmäßig aufgeladen, kann es sein, dass sie entladen ist. Dann sollte man damit in die Werkstatt gehen. Dort kann überprüft werden, ob eine neue nötig ist. Wichtig: Ist die Batterie vollgeladen, sollten Plus- und Minuspol gefettet werden.

Ein anderes Thema sind die Reifen. Wurde der Oldtimer während der Wintermonate nicht vom Fleck bewegt, könnte es zu Standplatten kommen, was sich auch beim Fahren bemerkbar macht. Außerdem sollte der Oldtimer-Fan die Pneus auf das Alter und ihre Härte hin kontrollieren. „Oft sind auch Risse auf der Innenseite des Reifen zu finden“, gibt der TÜV-Mann den Hinweis. Aber auch auf die Profiltiefe oder auf Beschädigungen durch eingefahrene Nägel oder Steine sollte geachtet werden. Sind die Reifen nicht gleichmäßig abgefahren, stimmt womöglich Spur oder Sturz nicht. Dann sollten die Achsen vermessen werden.

Jetzt ist auch eine gute Zeit, Lack und Leder zu pflegen. „Für das Leder gibt es spezielle Mittel, dass es weich bleibt“, weiß Kevin Haible. Wachs sollte man für den Lack und den Unterboden einsetzen. Aber auch an kritischen Stellen wir Türfalze, Achsteilen, Radhäuser. „Wenn man so gut wie alle Kanten mit Wachs behandelt, ist dies eine gute Vorsorge gegen Rost“, sagt Haible.

Ein Blick auf das Saisonkennzeichen verrät, ob eine Hauptuntersuchung fällig ist. Klebt dort noch eine grüne 2018er-Plakette oder zeigt die orangefarbene 2019er-Plakette oben die Zahl eins, zwei oder drei, so sollte die erste Fahrt zur HU führen. Anders als sonst, wenn der TÜV-Termin überzogen ist, entstehen in diesem Fall mit Saisonschild keine Mehrkosten.

Oldtimer-Tipps Frühjahr
Kevin Haible ist technischer Leiter beim TÜV Süd in Kirchheim und Nürtingen. Foto: Cornelia Wahl
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