Kirchheimer Umland

Solidarität

Not eint und macht erfinderisch. Dass Landkreis und Kommunen in der Flüchtlingsbetreuung enger zusammenrücken und ihre Kräfte bündeln ist wenig überraschend weil dringend geboten. Wie zügig und geräuschlos dies vonstatten geht, zeigt jedoch, wie Ernst die Lage ist. Währen die Verwaltungschefs am Neckarufer tagten, hat man im Land die prognostizierten Flüchtlingszahlen fürs kommende Jahr schon wieder nach oben korrigiert. 80 000 Menschen sollen kommen, und man wird sie unterbringen müssen. Daran führt kein Weg vorbei.

Die Not der Flüchtlinge stellt die Solidargemeinschaft auf eine harte Probe. Was das genau bedeutet, scheint in manchen Kommunen noch nicht angekommen zu sein. Nicht weniger als 20 der 44 Kreisgemeinden haben bis heute keine Flüchtlinge aufgenommen. In Erkenbrechtsweiler, Notzingen und Ohmden sind Plätze fürs kommende Jahr zumindest in Planung. Andernorts wie in Altdorf oder Altenriet tut sich weiterhin nichts, um die Quote zu erfüllen. Die Überlegungen von Landkreis und Regierungspräsidium, kommunale Flächen notfalls beschlagnahmen zu lassen, ist eine klare Botschaft, die zeigen soll: Es geht auch anders. Offenheit und Hilfsbereitschaft oder Zwangszuweisung? Die Entscheidung ist gleichbedeutend mit der Frage, ob man im Südwesten seine Chance nutzt, wie sie der prognostizierte Anstieg der Schülerzahlen belegt, oder ob das Land gesellschaftlich daran zerbricht.BERND KÖBLE


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