Kirchheimer Umland

Spenden sammeln für den CAP-Markt

„Initiative Notzinger Lädle“ nimmt die Organisation der Anschubfinanzierung nun selbst in die Hand

Das „Notzinger Lädle“ ist weiterhin das Thema im Flecken. Bei einer Infoveranstaltung im Wellinger Bürgerhaus war das Interesse riesengroß. Weil weiterhin unklar ist, ob die Gemeinde für die Anschubfinanzierung eines CAP-Markts Geld in die Hand nimmt, sammelt die „Initiative Notzinger Lädle“ nun selbst Spenden.

Großer Andrang im Bürgerhaus. Werner Block und Klaus Korschinek informieren darüber, wie ein Notzinger CAP-Markt aussehen könnte
Großer Andrang im Bürgerhaus. Werner Block und Klaus Korschinek informieren darüber, wie ein Notzinger CAP-Markt aussehen könnte.Foto: Deniz Calagan

Notzingen. „Do it yourself“. Selbermachen ist angesagt, sei es beim Heimwerken oder Klamottennähen. In Notzingen ist das Selbermachen eher aus der Not geboren: Weil Verwaltung und Gemeinde sich (noch) nicht dazu durchringen können, einen möglichen CAP-Markt in der Ortsmitte mit 50 000 Euro Anschubfinanzierung zu unterstützen, sammelt die „Initiative Notzinger Lädle“ nun in Eigenregie Spenden.

„Wir suchen eine gemeinsame Lösung für das Dorf Notzingen“, sagte Eberhard Kühnle, Apotheker und Eigentümer der Ladenfläche, bei der Infoveranstaltung im Wellinger Bürgerhaus. Auch die Notzinger Landfrauen mit Petra Lippkau an der Spitze sind Teil der Initiative. Ziel ist es, dass Bürger, die evangelische Gemeinde über den Krankenpflegeförderverein und die bürgerliche Gemeinde die Anschubfinanzierung gemeinsam stemmen.

Die Spendensammlung läuft bis einschließlich Freitag, 29. Mai. Infoformulare wurden an die meisten Haushalte verteilt. Die Idee ist, dass die Befürworter eines CAP-Markts einen gewissen Betrag für die Anschubfinanzierung spenden und gleichzeitig Fördervereinsmitglieder werden. Bei regelmäßigem Einkauf im Wert von 30 Euro pro Woche würden sie ihren Einsatz über Einkaufsvorteile wieder herausbekommen oder sogar noch Gewinn machen, so Kühnle. Am 1. Juni entscheidet der Gemeinderat in öffentlicher Sitzung, ob die Gemeinde ebenfalls einen Teil beiträgt. Aus den Reihen des Gremiums hört man, dass die Gemeinderäte offen für alles sind. „Hürden sind noch rechtliche Fragen und der hohe Geldbetrag“, sagt ein Ratsmitglied. Wenn man aber sehe, dass so viele Bürger bereit seien, sich für einen Laden einzusetzen, könne sich möglicherweise auch der Gemeinderat zu einer positiven Entscheidung durchringen.

Wie ein Notzinger CAP-Markt aussehen könnte, erfuhren die Bürger von Werner Block und Klaus Korschinek. Hauptziel der CAP-Märkte ist bekanntlich, Menschen mit Behinderungen Arbeitsmöglichkeiten zu verschaffen. In Notzingen wären das Bewohner der Arche. „Wir könnten mit drei Arbeitsplätzen starten“, sagte Klaus Korschinek, Leiter der Filderwerkstatt. Hinzu kämen Stellen für nicht behinderte Menschen.

Korschinek hofft, dass die Kunden nicht nur dann zum Einkaufen kommen, wenn sie anderswo etwas vergessen haben. „Wir brauchen einen täglichen Kundenlauf von 200 Menschen, die zwischen acht und zehn Euro bei uns lassen“, so der Werkstattleiter. Die Artikel sollen so viel kosten wie bei Edeka, dem Hauptlieferanten der CAP-Märkte. Die Obst- und Gemüseabteilung wird vermutlich ausschließlich mit Bio-Ware bestückt. Insgesamt sollen im Notzinger CAP-Markt rund 3 500 Artikel angeboten werden. „Ein Discounter kommt auf 1 500“, sagte Klaus Korschinek zum Vergleich.

Der CAP-Markt will sich auch mit besonderem Service für ältere Menschen von der Konkurrenz abheben. „Die Kunden können im Laden ihre Lebensmittel aussuchen, ein Schwätzle halten, und wir bringen den Einkauf dann später bei ihnen zu Hause vorbei“, sagte Werner Block, Geschäftsführer der GDW SÜD, einer Genossenschaft der Werkstätten für behinderte Menschen. Ein weiteres Angebot ist der begleitete Einkauf, bei dem Mitarbeiter Kunden zur Seite stehen. Auch beim Einpacken an der Kasse gibt es Unterstützung.

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