Kirchheimer Umland

Sprücheklopfer beweist Feinsinn

Konzert Liedpoet Harald Immig schenkt seinen Fans in der fast voll besetzten Zehntscheuer in Nabern einen Wohlfühl-Abend mit vielen guten Gedanken und jeder Menge Spaß. Von Andrea Barner

Kabarett, mal hochdeutsch, mal schwäbisch: Ute Wolf und Harald Immig.Foto: Günter Kahlert
Kabarett, mal hochdeutsch, mal schwäbisch: Ute Wolf und Harald Immig.Foto: Günter Kahlert

Das nennt man wohl „Entschleunigung“ - die gelungene Mischung von Poesie, schwäbischem Kabarett und „Lompaliedla“. Auf der Bühne das aufeinander eingespielte Duo Harald Immig und Ute Wolf. Kein großes „Tamtam“: zwei akustische Gitarren, unplugged, eine Cajón und zwei Stimmen, die jeden berühren. Ein Programm mit Witz und Augenzwinkern, mit eigenen Liedern der beiden Interpreten, mit vertonten Gedichten bis hin zu altbekannten Volksliedern.

Heimlicher Hit des Abends ist ein Stück mit Gassenhauer-Qualität: es geht um - Erkenbrechtsweiler. „Wegen diesem Lied sind wir heute extra hergekommen“, sagt eine noch sehr junge Besucherin, die man sonst eher in der Disco vermuten würde. In und um Erkenbrechtsweiler hat der Song längst Kultstatus erreicht. Er erinnert ein bisschen an Mike Krügers „Mein Gott, Walter“. In Erkenbrechtsweiler finden Dinge statt, du glaubst es nicht! Harald Immig fährt oft durch die Ortschaft, weil er häufig auf dem Hohenneuffen auftritt. „Ich hab ja wache Ohren, und da sind mir mit der Zeit halt so viele Dinge über den Weg gelaufen, da musste ich dieses Lied schreiben.“ Alles authentisch: In E-Weiler passiert alltäglich so viel, da gibt es „keine Langweiler, sondern Saumischtverteiler“. Da war doch mal was . . .

„Spielmann“ Harald Immig bezeichnet sich selbst als „Nachfahre der Staufer“ und fühlt sich alten Traditionen stark verbunden. Mit seinen Liedern tourt er nicht nur durchs Ländle, sondern quer durch die Republik. 70 bis 80 Auftritte im Jahr sind das so normalerweise. Albin Braig von der Mäulesmühle hat ihn außerdem gerade für 40 Auftritte bei „Hannes und der Bürgermeister“ engagiert. Seine überwiegend weiblichen Fans lieben und verehren ihn. Sie zählen meist zum mittleren oder älteren Semester, so etwas wie „Stammkundschaft“. Manch eine kennt den Barden noch aus seiner Anfangszeit als Straßenmusikant - das war in Schwäbisch Gmünd vor über 40 Jahren.

In der Pause gehen CDs, Gedichtbände und vom Künstler gestaltete Postkarten über den Tisch. Der 69-jährige Harald Immig plaudert dabei, sympathisch und gut gelaunt. Er gefällt auch durch sein knitzes Lächeln, seinen mal frechen, dann wieder ans Herz und Gefühl gehenden Erzählstil. Die Texte, die Musik - mal machen sie nachdenklich, mal kriegt sich der ganze Saal vor Lachen kaum noch ein.

Kongeniale Bühnenpartnerin ist seit vielen Jahren die Sängerin Ute Wolf. Sie begleitet den Liedpoeten mit ihrer gefühlvollen Stimme und mit ihrer Gitarre. Einige Stücke unterlegt sie rhythmisch mit der Holzkisten-Trommel Cajòn. Gelegentlich zieht sich Harald Immig in den Hintergrund zurück und gibt die Bühne frei für Soloauftritte der Sängerin - ihre selbst geschriebenen Lieder vom „Loslassen“ und über die bewusste „Langsamkeit“ tun der Seele gut.

Feinsinnige Stücke, Kabarett, mal hochdeutsch, mal schwäbisch. Beim Zuschauer andächtiges Lauschen, dann wieder deftiges Schenkelklopfen. Die beiden spielen Eigenkreationen wie „Vogelfeder“ oder „Aufrecht gehen“. Das Schönste und Emotionalste, passend zum Wiedererwachen der Natur im Frühjahr, ist „Der Duft von Apfelbaumblüten“, den er gemeinsam mit Ute Wolf in die Herzen der Zuschauer fächelt.

Selbst wenn er in Köln oder Norddeutschland spielt, fügt Harald Immig „immer so ein paar Bonmots auf Schwäbisch“ ein. Das kommt offenbar bei den Leuten gut an. In Nabern braucht er sich vom Dialekt her keine Zwänge antun. Leidenschaftliche Lieder über „Dampfnudla“ und über „dr Nachtkrapp“, Schwärmereien von der Schwäbischen Alb oder seine humorvolle Liebeserklärung an die Gemeinde Maitis („do fährt mr no Bulldog mit ma Soichfass hinta dra“). Und alle, die schon mal in einem Konzert des schwäbischen Liedpoeten und Malers waren, warten drauf, auf‘s „Bimbele“-Lied. Alles lacht - weil jeder weiß, was gemeint ist.

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