Kirchheimer Umland

Stadt gibt Startbonus

Gemeinschaftsschule: Probejahr für Betreuung

Im September soll die Kirchheimer Raunerschule damit beginnen, sich in eine Gemeinschaftsschule zu verwandeln. Die Stadt wollte für die Betreuung an dieser Gemeinschaftsschule bis 2019 über 400 000 Euro ausgeben. Im Gemeinderat kam es deshalb zu einer politischen Grundsatzdiskussion.

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Andreas Volz

Kirchheim. Was machen Kinder und Jugendliche an der Schule, wenn sie keinen Unterricht haben? Je nach Alter fallen die Antworten unterschiedlich aus. Gerade für jüngere Schüler muss die Stadt Kirchheim deshalb von Jahr zu Jahr ein neues Puzzle zusammenstellen, wenn es darum geht, wie viele Kinder an welcher Schule wie viele Betreuungsstunden brauchen.

Für die unterschiedlichsten Kirchheimer Schulen hat das die unterschiedlichsten Auswirkungen auf Personalstellen, was aufzuzählen hier für mehr Verwirrung als Klarheit sorgen würde. Beispielsweise ging es darum, an Ganztagsgrundschulen die Kernzeitenbetreuung abzuschaffen, wenn es dieses Angebot parallel zur Ganztagsbetreuung geben würde.

Jedenfalls hat der Gemeinderat alle Punkte, die die Verwaltung vorgeschlagen hatte, einstimmig abgesegnet – bis auf einen: die Freiwilligkeitsleistung eines städtischen Bildungsangebots „zur qualitativ hochwertigen Umsetzung der Gemeinschaftsschule“ an der Raunerschule.

Hier gab es heftigen Widerstand seitens der CDU-Fraktion. Thomas Auerbach erinnerte daran, dass die Gemeinschaftsschule von der Landesregierung auch deshalb so heftig beworben werde, weil sie die Ganztagsbetreuung beinhalte. Deshalb wehrte sich der CDU-Mann dagegen, dass die Stadt für eine Länderaufgabe jährlich 100 000 Euro ausgeben soll. Er schlug stattdessen ein Probejahr vor, „aber unter umgekehrten Vorzeichen“. Zuerst solle die Raunerschule testen, ob sie mit den Landesmitteln auskommt. Wenn nicht, müsse die Stadt aufs Land zugehen und mehr Mittel beantragen.

Dr. Christoph Miller, der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, sprach sich ebenfalls für das Probejahr aus, aber doch so, dass die Stadt im Schuljahr 2015/2016 die Betreuungskosten wie geplant übernimmt. Für folgende Schuljahre könne der Gemeinderat später entscheiden. Jetzt sei es aber wichtig, das Geld auszugeben, „damit die Gemeinschaftsschule anlaufen kann“.

Die Fraktionsvorsitzende der Frauenliste, Dr. Silvia Oberhauser, sah folgende Schwierigkeiten: Einerseits habe auch sie gedacht, dass bei der Gemeinschaftsschule das Land die Betreuung durch Lehrerstunden abdeckt. Andererseits aber gehe es darum, zum Start der neuen Schulart „mehr als nur das Minimalprogramm“ zu bieten.

Andreas Kenner (SPD) stellte fest, dass seine Fraktion gut damit leben könne, wenn diese Ausgaben zunächst auf ein Jahr befristet seien. Wichtig sei ein guter Start für die Gemeinschaftsschule: „Dann funktioniert sie.“ Manfred Machoczek (Grüne) warf die Frage auf, ob die Betreuung nicht wenigstens für die Eingangsklassen dauerhaft besser ausgestattet bleiben kann, und Gerd Mogler (CIK) verwies darauf, dass auch bei der Wendlinger Gemeinschaftsschule die Mittagsbetreuung Sache des kommunalen Trägers sei.

Zumindest aber sorgte der Kompromissvorschlag mit der Befristung auf ein Jahr für den mehrheitlichen Beschluss, dass die Betreuung an der neuen Gemeinschaftsschule im Rauner zunächst einmal von der Stadt mitfinanziert wird.