Kirchheimer Umland

Stadtgeschichte Kirchheims: Der Herzog ließ es kräftig krachen

Geschichte Ein Blick in die Historie Kirchheims zeigt: Auch damals war die Stadt Treffpunkt einer Spaßgesellschaft.
 

Herzog Carl Eugen. Foto: pr

Kirchheim. Neben der Vorliebe Herzog Carl Eugens von Württemberg für Rokokobauten und für schöne Frauen – jedes rothaarige Landeskind stand unter dem Verdacht, vom Herzog zu stammen – stand vor allem seine Jagdleidenschaft. Die Wälder der Umgebung veranlassten ihn oft, in seinem Kirchheimer Landschloss abzusteigen, um seiner geliebten Freizeitbeschäftigung nachzugehen.

Zu den Jagdgefilden des Herzogs gehörte bevorzugt das Tiefenbachtal. Dort am Kräuterbühl, dem „besten Brunstplatz im Land“ befand sich ein Jagdhaus. Zu den Teibjagden fuhr der Herzog mit einer geländegängigen Karosse, die auch für Ausflüge mit den Damen auf den Teckberg genutzt wurde. Um die adlige Gesellschaft bei der Treibjagd bei Laune zu halten, wurde das Wild mithilfe von Netzen und Seilen auf freiem Feld in die Enge getrieben, um den Herrschaften einen sicheren Abschuss zu gewährleisten. Diese bedingt sportliche Freizeitbeschäftigung des Hofes belastete die Untertanen schwer. Sie waren zu diesen Jagdfronen verpflichtet. Da sich das Gebiet des Kirchheimer Forsts über mehrere Ämter hinzog, gab es öfter Streit, wer was wann und in welchem Umfang zu leisten hatte. Für die Bauern waren diese Jagdfronen besonders belastend, weil sie in einer Jahreszeit verlangt wurden, zu der es auf den Feldern reichlich zu tun gab.

Ein Opernhaus in Kirchheim

Für die Stadtbevölkerung waren die Aufenthalte Carl Eugens insofern lästig, als der gesamte Hofstaat mit Gepäck in Gast- und Privathäusern untergebracht werden musste. Neben den täglichen Jagdausflügen kam auch ein umfangreiches Abend- und Nachtprogramm für die höfische Gesellschaft hinzu, das es zu bestreiten galt. Opern- und Ballettaufführungen standen in dieser Zeit im Mittelpunkt.

Die Hochphase der Spaßgesellschaft läutete die Eröffnung des Opernhauses in der umgebauten Hofgärtnerei im Kirchheimer Herrschaftsgarten im September 1767 ein, mit italienischen Musikern, Sängern und Tänzern. Eigeweiht wurde das Opernhaus mit der Oper „Il Matrimonio segreto“.

Carl Eugen machte im Oktober 1771 erneut von diesem Kulturangebot in Kirchheim Gebrauch, um seine damalige heimliche Liebe Franziska zu beeindrucken, die unter den Gästen war. Unter dem zunehmenden Einfluss von Franziska verzichtete der Herzog bei späteren Jagdausflügen auf derart kostspielige Abendprogramme, und so wurde das Opernhaus vor 250 Jahren zum letzten Mal mit Leben gefüllt.

In diesem Zuge entwickelte sich Carl Eugen vom Spaßgesellschafter hin zum umsichtigen Landesvater im Sinne des aufgeklärten Absolutismus. Dieter Eßlinger

Anzeige