Kirchheimer Umland

Statt Schüler bald Bücher?

Lesen Die kleine Dettinger Bücherei, die im Rathaus untergebracht ist, platzt aus allen Nähten. Wenn Räume in der nahe gelegenen Schlössleschule frei werden, kann sie möglicherweise dort zum Treffpunkt werden. Von Iris Häfner

Christine Hahn in ihrem kleinen, aber feinen Reich. Foto: Carsten Riedl
Christine Hahn in ihrem kleinen, aber feinen Reich. Foto: Carsten Riedl

Wieder glänzen konnte Christine Hahn, die Leiterin der Dettinger Ortsbücherei, mit ihrem Jahresbericht. „Wir haben eine tolle Bücherei“, sagt sie selbstbewusst und strahlt dabei in die Runde des Gemeinderats. Die Öffnungszeiten richtet sie nach den Wünschen der Kunden aus. Deshalb ist die Bücherei donnerstags schon um 12 Uhr geöffnet, wenn die Eltern ihre Kinder in der benachbarten Schule abholen, bis 17 Uhr ist offen. „Kurze Wege sind wichtig“, ist die Erfahrung von Christine Hahn. Sie hat auch den familienfreundlichen Samstag einmal im Monat eingeführt. Von 10 bis 13 Uhr ist er mittlerweile zum Treffpunkt avanciert. Außerdem ist dienstags von 14.30 bis 18.30 Uhr ebenfalls offen, und nicht selten geht es an diesem Nachmittag richtig rund.

Die kleine Bibliothek stößt mit ihren 60 Quadratmetern auch regelmäßig an ihre räumliche Grenze, wenn die Gruppen aus den Kindertageseinrichtungen und die Grundschulklassen kommen. „In der Teckschule ist ein Lesezimmer eingerichtet. Ich bin immer mittwochs dort. Egal, ob beim Sonntagsspaziergang oder woanders - ich werde erkannt“, freut sich die Leiterin. Schon die U 3-Kinder bekommen von ihr die ersten Büchertipps - so kennt man sich über Jahre. Durch die Kooperationen wird versucht, schon die jungen Leser für die Bibliothek zu gewinnen.

Die Zahl der aktiven Leser ist in den vergangenen Jahren stetig angestiegen. „Dieses Niveau zu halten, ist das Ziel der kommenden Jahre“, sagt Christine Hahn. Dabei hofft sie, in wenigen Jahren umziehen zu können, um mehr Platz für Bücher und Besucher zu haben. „Wir haben den Dornröschenschlaf beendet und sind an der Decke angekommen. Deshalb die Idee, in der Schlössleschule größer zu werden, wenn die Klassen in der Teckschule untergebracht sind“, sagt Bürgermeister Rainer Haußmann. Dort soll das angeboten werden, was die Kunden wollen, mit fachlicher Begleitung. „Wir haben es bis in die Spitze getrieben und sind dort angekommen. Das macht mich stolz“, so der Schultes.

Damit die Bücherei auch in der Zukunft gut aufgestellt ist, hat sich Dettingen beim Regierungspräsidium für einen Workshop beworben und ist angenommen worden. Der erste von drei Teilen hat bereits begonnen. Es geht um Konzeptionsentwicklung in Zusammenarbeit mit den Fachstellen für öffentliche Bibliotheken. „Wir sind die kleinste Einheit, aber im Vergleich mit Ausleihzahlen und Neubeschaffungen richtig gut dabei. Weil wir keinen verstaubten Medienbestand haben, sind wir sehr attraktiv. Die anderen zollen uns Respekt, dass es bei uns so gut läuft. Das zeigt: Auch kleine Bibliotheken funktionieren“, erklärt Hauptamtsleiterin Amelie Betz, die mit Christine Hahn an den Workshops teilnimmt.

„Bibliotheken sind nicht mehr der Ort, wo man leise sein muss. Hier trifft man sich, man legt mehr Wert auf Aufenthaltsqualität“, sagt Christine Hahn, und Amelie Betz verweist auf die Bibliothek in Würzburg, die nur noch Ort der Begegnung sei. „Es ist hammermäßig hip, sich in der Bibliothek zu treffen. Die sind den ganzen Tag voll, man nimmt den Laptop mit, trinkt Kaffee und trifft sich“, sagt Rainer Haußmann. Für die Schlössleschule würde er gerne das Bücherei-Optimum für Dettingen rausfinden. Mit Größeren will er sich nicht vergleichen, hofft aber, dass das unter Denkmalschutz stehende Gebäude zu einem Kristallisationspunkt und Ort der Kommunikation wird. Die Großen sind nicht das Vorbild für Christine Hahn. „Wir wollen unsere Bücherei schön und gut machen“, sagt sie.

Ausleihzahlen können sich sehen lassen

Symbolbild
Symbolbild

Auf über 24 600 Ausleihen kam die kleine Dettinger Bücherei im vergangenen Jahr. Insgesamt stehen 5200 Medien ohne E-Books zur Verfügung. Dazu zählen neben Kinderbüchern, Krimis und Romanen auch DVDs und Zeitschriften.

Wegen der ständigen Erweiterung des Angebots konnte die hohe Zahl erreicht werden. „Von 2016 auf 2017 gab es einen großen Sprung. Jetzt sind die Zuwächse weit geringer“, sagte die Bücherei-Leiterin. Das hohe Niveau will sie beibehalten. „Der Bedarf liegt bei aktuellen Sachen. Die wollen die Leute lesen“, erklärte Christine Hahn.

Deshalb ist Dettingen in einem Onleihe-Verbundsystem mit anderen Kommunen. Das Angebot mit über 1100 E-Medien wird gut angenommen. Der Wermutstropfen dabei: Nur drei Kommunen sind in dem Verbund, zwei weitere werden dazukommen. „Je mehr dabei sind, desto schlagkräftiger werden wir - und desto mehr können wir anbieten“, warb Rainer Haußmann für das Verbundsystem - auch im Blick auf die eine oder andere Nachbarkommune, die sich bislang ergebnislos schon längere Zeit mit diesem Thema befasst. ih

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