Kirchheimer Umland

So klar hatte das niemand erwartet!

Stimmen zur Wahl, eingefangen am Wahlabend im Kirchheimer Rathaus Von Irene Strifler

Kirchheim Nein, ein solches Wahlergebnis hatte kaum einer der Beobachter erwartet.

OB-Wahl 2019 Dr. Pascal Bader
Glücklicher Sieger: Dr. Pascal Bader mit Ehefrau Brita. Foto: Carsten Riedl

Als einer der Ersten fand Andreas Kenner, SPD-Landtagsabgeordneter, langjähriger Stadtrat und wahrlich ein alter Hase im Politbetrieb, Worte zur Bewertung der Abwahl der Oberbürgermeisterin: „Das ist völlig neu, dass eine Person, die die Kirchheimer selbst bis drei Wochen vor der Wahl gar nicht kannten, plötzlich haushoch gewinnt“, wunderte er sich kopfschüttelnd. Dem Wahlsieger Dr. Pascal Bader zollte er großen Respekt: „Cleverness ist nicht verboten!“

Andreas Kenner. Foto: Markus Brändli

Kenner selbst hatte zuvor auf 55 Prozent für Amtsinhaberin Angelika Matt-Heidecker getippt und machte vor allem die geringe Wahlbeteiligung für ihr schlechtes Abschneiden verantwortlich: Bader sei es besser gelungen, seine Leute zu mobilisieren. Für die gesamte SPD, die die Oberbürgermeisterin geschlossen unterstützt hat, sei das Wahlergebnis eine unerfreuliche Überraschung.
„Dem Herausforderer ist es gelungen, Lust auf etwas Neues zu machen“, lautet die Einschätzung von Matthias Gastel, Bundestagsabgeordneter der Grünen. In der Politik werde ganz offenkundig oft weniger das Geleistete honoriert, dafür verfingen gute Ideen für die Zukunft. Ob diese umsetzbar sind, das sei nun mal eine andere Frage.

Matthias Gastel. Foto: Markus Brändli

Gastel meint: „In Kirchheim wird es in nächster Zeit sehr spannend zu beobachten, wie der neue Oberbürgermeister den Gemeinderat führt und seine Visionen umsetzt.“
Auf sprudelnde Steuerquellen in Zukunft hofft Ralf Gerber, Stadtrat der Freien Wähler, der seinen Eindruck wie folgt zusammenfasste: „Ich wünsche dem neuen Oberbürgermeister und der Stadt Kirchheim einen Goldesel, damit auch alles bezahlt werden kann, was versprochen wurde.“

Ralf Gerber. Foto: Markus Brändli

Der Gemeinderat und die Oberbürgermeisterin hätten sicher gut gearbeitet, dabei aber auch Fehler gemacht, wie das nunmal in einer großen Firma nicht ausbleibe. Jetzt freut sich Gerber auf eine konstruktive Zusammenarbeit.
„Frau Matt-Heidecker hat den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören verpasst“, ist sich Dr. Thilo Rose sicher, Fraktionsvorsitzender der CDU im Gemeinderat. Die Bürger hätten genug von einem ewigen „Weiter so“.

Dr. Thilo Rose. Foto: Markus Brändli

Er selbst geht davon aus, dass es einen Neuanfang gibt im Hinblick auf die kommunale Politik, vor allem auf den Stil des Miteinanders, und hofft auf einen deutlich ganzheitlicheren Ansatz.
Betroffen zeigte sich Christoph Tangl, Ruheständler und früher Leiter der FBS sowie Stadtrat der Grünen, nach der Verkündung des Wahlergebnisses. „Damit habe ich nicht gerechnet“, räumte er ein und betonte, dass es früher undenkbar gewesen wäre, in einem nur dreiwöchigen Wahlkampf mit Eloquenz und Überzeugungskraft eine verdiente Stadtchefin aus dem Amt zu hebeln.

Christoph Tangl. Foto: Markus Brändli

Ad-hoc-Entscheidungen statt gründlicher thematischer Auseinandersetzung hätten die Wahl klar bestimmt. Ein weniger deutliches Ergebnis hätte er lieber gesehen, denn dann wäre die Beschädigung für die Amtsinhaberin geringer: „So ein Ergebnis kann die bisherige Oberbürgermeisterin nur als persönliche Klatsche empfinden, und das wird ihrer Arbeit wirklich nicht gerecht.“
„Die gelöste Stimmung im Saal zeigt, dass dieses Ergebnis das ist, was Kirchheim will“, kommentierte der politisch interessierte Kirchheimer Bürger Christian Wolf das Geschehen. Er wunderte sich, dass Matt-Heidecker gegenüber 2011 fast die Hälfte ihrer damals über 6000 Wähler verloren hat.

Christian Wolf. Foto: Markus Brändli

Das erklärt er sich damit, dass viele die zurückliegenden 16 Jahre als sehr lang empfunden haben, vor allem in den Teilorten. Allerdings weiß er um die Schwierigkeiten des Amtes: „Ein Oberbürgermeister kann es nicht immer jedem recht machen.“

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