Kirchheimer Umland

Stöbern in der Vergangenheit

Großer Flohmarkt im „Haus Rupp“ wird zur Jahrhundertreise

Manche kennen sie noch: ­Lotte Rupp, letzter in Kirchheim ­lebender Spross der Familie Rupp, in deren Kolonialwarenladen beim Rathaus noch viele Kirchheimer ein- und ausgingen. Lotte Rupp ist vor drei Jahren in hohem Alter gestorben. Jetzt will die Familie das Haus umbauen und lädt zum großen Flohmarkt.

Bäckerei, Kaffeefiliale, Gemischtwarenladen - das „Haus Rupp“ an der Ecke Marktstraße/Max-Eyth-Straße kennt in Kirchheim jeder.F
Bäckerei, Kaffeefiliale, Gemischtwarenladen - das „Haus Rupp“ an der Ecke Marktstraße/Max-Eyth-Straße kennt in Kirchheim jeder.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. „J.W.Rupp“ prangte noch in den 60er-Jahren am Eckhaus, gegenüber dem Rathaus. In bester Lage mitten im Städtle, wo sich die Markt- und die Max-Eyth-Straße kreuzen, ging Familie Rupp über fünf Generationen hinweg ihren Geschäften nach. Heute ist in den Räumen, die lange Zeit Tchibo angemietet hatte, eine Filiale der Bäckerei Kienzle dort angesiedelt.

Während unten, wie in den meisten Häusern in der Innenstadt, Geschäfte gemacht wurden, war der obere Bereich dem Wohnen vorbehalten. Über 200 Jahre hatten Angehörige der Familie Rupp in Kirchheim gelebt, den größten Teil dieser Zeit im Haus Rupp an der Marktstraße. Lotte Rupp war die Letzte, die im denkmalgeschützten Gebäude mit steilen Stiegen die Stellung hielt. Ihr Bruder Gerhard war nach München übergesiedelt. Gemeinsam mit seinen Kindern hat er sich nun entschlossen, sein denkmalgeschütztes Elternhaus behutsam zu renovieren.

Was sich im Laufe der Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte in einem Wohnhaus ansammelt, lässt sich wohl nur erahnen. „Aus diesem Haus wurde eigentlich nie etwas ausgeräumt“, erzählt Anne Haas, Gerhard Rupps Tochter. Auch er führte eine Familientradition fort, zwar nicht als Kaufmann und Betreiber des Ladens, sondern als Mitarbeiter der Württembergischen Feuerversicherung. Für sie waren Rupp-Mitarbeiter über viele Jahrzehnte hinweg tätig gewesen.

In der Ära der letzten Bewohnerinnen des Hauses in der Marktstraße 16 häuften sich die Erinnerungen weiter an. Lotte Rupp lebte lange Jahre allein, ehe sie im September 2012 im hohen Alter von fast 97 Jahren verstarb. Weggeworfen hat die alte Dame offenbar nichts. Sogar Requisiten aus dem Kolonialwarenladen gäbe es noch, berichtet ihre Nichte. Und natürlich jede Menge Kleinkram, Möbel, einfach alles. So existiert zum Beispiel noch eine Ölkanne aus Zinn, die mit den Initialen des Firmengründers versehen ist und aus dem Jahr 1761 stammen soll.

Vieles hat ideellen Wert für die Familie. Doch wohin damit? Um einiges sinnvoll zu erhalten und außerdem gleichzeitig ein sinnvolles Projekt zu unterstützen, hat sich die Familie entschlossen, einen Hausflohmarkt durchzuführen: Am Samstag, 15. August, werden die Türen des Hauses Rupp von 11 bis 18 Uhr offen stehen, am Sonntag, 16. August, von 11 bis 15  Uhr. Willkommen ist jeder, der das Alte schätzt und ein Herz für Flohmarktatmosphäre hat – aber möglichst keine kommerziellen Händler. Wer etwas kauft, unterstützt damit die Stiftung der Martinskirche. Familie Rupp hat sich entschlossen, sämtliche Einnahmen dieser Kirche zukommen zu lassen, mit der sie sehr verbunden war: „Alles Rupps sind dort konfirmiert worden“, erklärt Andrea Haas. Für die Familie findet das Kapitel Kirchheim seinen würdigen Abschluss.

Das Haus Rupp im Zeitraffer

1962 erschien am 7. April ein großer Artikel im Teckboten anlässlich des 200-jährigen Bestehens der Firma Rupp. 1762 gilt also als Gründungsjahr der Firma, wobei deren Sitz nicht von Anfang an in diesem Haus war. Gründer war Johann Wilhelm Rupp I., der als Hofbeck und Conditor bezeichnet wurde. Ihm folgte sein Sohn, der Conditor Johann Wilhelm Rupp, und dann dessen Sohn Wilhelm Rupp, der als Kaufmann und Gemeinderat in die Geschichte eingegangen ist. Dessen Sohn wiederum trug denselben Namen wie sein Vater, Wilhelm, und war ebenfalls Kaufmann. Nach seinem Tod im Jahr 1950 führte seine Witwe das Geschäft weiter, unterstützt von ihrer Tochter Lotte. Während das Geschäft anfangs mehr handwerklichen Charakter hatte, wie es im Teckboten von 1962 heißt, vollzog sich in der dritten Generation der Wandel zum Einzelhandelsgeschäft, das im ausgehenden 19. Jahrhundert auch Farbwaren oder Feuerwerkskörper geführt haben soll und später zu einem „Lebensmittel-, Süßwaren- und Kerzengeschäft“ wurde. ist

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