Kirchheimer Umland

Strähle zieht die Bewerbung zurück

Jesinger Ortsvorsteherwahl beginnt von vorn – erneute Ausschreibung noch vor Weihnachten

Ring frei zur zweiten Runde in Jesingen: Matthias Strähle hat seine Bewerbung zurückgezogen. Nachdem ihn der Ortschaftsrat zum neuen Ortsvorsteher gewählt hatte, war er anschließend von Kirchheimer Gemeinderat nicht bestätigt worden. Mit seinem Rückzug macht er nun den Weg frei, um die Stelle neu auszuschreiben.

Wer als erster hauptamtlicher Ortsvorsteher in den Neubau der Jesinger Verwaltungsstelle einziehen wird, soll sich im Februar en
Wer als erster hauptamtlicher Ortsvorsteher in den Neubau der Jesinger Verwaltungsstelle einziehen wird, soll sich im Februar entscheiden. Bis jetzt ist nur so viel klar: Matthias Strähle (kleines Bild) wird es nicht sein. Er hat mangels Unterstützung seine Bewerbung zurückgezogen.Fotos: Carsten Riedl¿/¿Markus Brändli

Kirchheim. Matthias Strähle macht am Telefon keinen Hehl aus seiner Enttäuschung: „Ich wäre gerne Jesinger Ortsvorsteher geworden. Sonst hätte ich mich ja nicht beworben.“ Deshalb hatte er seine Bewerbung nach dem Scheitern im Gemeinderat zunächst auch aufrechterhalten. Er wollte abwarten, wie sich die Gespräche zwischen Gemeinderat und Ortschaftsrat entwickeln, und seine weiteren Chancen ausloten. „Ich habe den Ortschaftsrat überzeugt, und wäre – mit entsprechender Unterstützung – bei meiner Bewerbung geblieben.“

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Nach wie vor kann er keinen Grund erkennen, der für ihn nachvollziehbar zur Ablehnung durch den Gemeinderat geführt haben könnte. Aber genauso wenig konnte er eine Wende erkennen, die dazu geführt hätte, dass ihn der Gemeinderat nächste Woche im zweiten Wahlgang bestätigen würde. Deshalb zieht er jetzt die Reißleine: „Ich kann nicht mehr damit rechnen, dass ich eine Mehrheit auf mich vereinigen kann“, sagt er und fügt hinzu: „Deshalb ziehe ich meine Bewerbung zurück. Es wäre Blödsinn, das jetzt noch aufrechterhalten zu wollen.“

Nach Matthias Strähles Rückzug geht es für Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker jetzt erst richtig weiter. Sie spricht von „sehr konstruktiven Gesprächen“, die sie geführt habe, mit dem Jesinger Ortschaftsrat sowie gemeinsam mit allen Fraktionsvorsitzenden des Ortschaftsrats und des Gemeinderats. „Wir haben aufgearbeitet, wie es zu der Situation gekommen ist, und die klare Aussage war: Es liegt an der Person des Bewerbers und nicht am Amt des Ortsvorstehers.“

Deshalb wird die Stelle erneut ausgeschrieben, und zwar noch vor Weihnachten. So gebe es die Möglichkeit, bereits im Februar zu wählen. Die Oberbürgermeisterin will dabei auch am bisherigen Prozedere der Wahl rütteln. Vom „großen Bevölkerungsauflauf“ bei einer solchen Ortsvorsteherwahl gehe das falsche Signal aus: „Man wählt da schließlich keinen Bürgermeister.“ Auch sei es nicht der Ortschaftsrat, der die entscheidende Wahl trifft: „Letztlich wählt der Gemeinderat, und darüber muss man sich im Klaren sein.“

Einen großen Gegensatz zwischen Ortschaftsrat und Gemeinderat kann sie nach den jetzigen „angenehmen“ Gesprächen ohnehin nicht erkennen. Künftig gehe es darum, gemeinsam einen Weg zu finden, wie sich die Struktur der Ortschaftsverwaltungen an neue Herausforderungen anpassen lässt. Bis zur nächsten Kommunalwahl 2019 sollen Ergebnisse vorliegen und nach Möglichkeit bereits umgesetzt werden.

„Es sieht nicht schlecht aus für Jesingen“, sagt Marianne Gmelin, die zweite ehrenamtliche Stellvertreterin des Ortsvorstehers. Es sei eine Lösung gefunden worden, „die sowohl für den Gemeinderat als auch für den Ortschaftsrat tragbar ist“. An dieser Lösung sei nun weiterhin zu arbeiten, und dabei müsse sich auch der Ortschaftsrat „bewegen“. Er müsse sich auf den Weg in die Zukunft machen.

Naberns hauptamtlicher Ortsvorsteher Ferdinand Truffner sieht ebenfalls die Notwendigkeit, über die Strukturen der Ortschaftsverfassungen nachzudenken: „Die Eingliederungsverträge stammen von 1974. Seither haben sich Zuständigkeiten und rechtliche Rahmenbedingungen ein bisschen verändert.“ Nach 40 Jahren dürfe man sich auf jeden Fall fragen: „Ist das noch aktuell?“ Es gehe aber nicht darum, die Ortschaftsverfassung komplett aufzuheben: „Einen Ortschaftsrat und einen Ortsvorsteher wird es immer geben.“ Allerdings könne es sich – auch in Jesingen und Nabern – eines Tages durchaus um ehrenamtliche Ortsvorsteher handeln. Diese Überlegungen seien aber völlig unabhängig von einzelnen Personen. Und sie finden auch nicht hinter verschlossenen Türen statt. Selbstverständlich solle die Öffentlichkeit rechtzeitig informiert und beteiligt werden.

In Jesingen dürfte sich das nicht anders darstellen als in Nabern. Aber im Februar soll auf jeden Fall wieder der hauptamtliche Ortsvorsteherposten vergeben werden.