Kirchheimer Umland

Stuttgarter Straße: Alles wird neu

Ausschuss segnet Sanierungskonzept für die Ortsmitte Ötlingen ab – Umbau von 2016 bis 2022

Die Sanierung der Ortsmitte Ötlingen kommt voran, zumindest planerisch: Der Technik- und Umweltausschuss des Kirchheimer Gemeinderats hat die komplette Konzeption für den Umbau der Stuttgarter Straße und der Isolde-Kurz-Straße abgesegnet. Die Arbeiten sollen bis ins Jahr 2022 dauern und über acht Millionen Euro kosten. Baubeginn ist nächstes Jahr.

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Kirchheim. Martin Zimmert, der Leiter des Fachbereichs Hoch- und Tiefbau, betont immer wieder, dass es jetzt nicht darum geht, in Zeiten knapper Kassen mehr als acht Millionen bereitzustellen für die kommenden sieben Jahre. Vielmehr gehe es um einen notwendigen Grundsatzbeschluss und dazu auch um die Priorisierung der einzelnen Bauabschnitte. Jeder Bauabschnitt für sich werde – sobald er denn ansteht – noch einmal eigens beschlossen.

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Erste Priorität haben die Bauabschnitte am Ortseingang von Wendlingen her sowie in der Ortsmitte, also östlich und westlich vom Rathaus, von der Hermann-Hesse- bis zur Wielandstraße. Wenn alles verwirklicht wird, dann wäre am Ende die komplette Stuttgarter Straße in Ötlingen saniert, von der Wendlinger Markung bis zum Beginn der Kirchheimer Kernstadt. Hinzu käme die komplette Isolde-Kurz-Straße, die von Rathaus zur Lauter führt.

Was die Stuttgarter Straße betrifft, spricht Landschaftsarchitekt Stephan Eurich vom Wendlinger Büro Eurich-Gula vor allem einmal von durchgängigen Schutzstreifen für Radfahrer. Der Radverkehr ist also dem Straßenverkehr zugeordnet, während die Gehwege den Fußgängern vorbehalten bleiben. Grünflächen am Fahrbahnrand sind ebenso vorgesehen wie an manchen Stellen in der Straßenmitte, beispielsweise gleich am Ortseingang von Wendlingen her. Die Grünflächen sind häufig kombiniert mit Parkflächen, längs zur jeweiligen Fahrtrichtung. Diverse Querungshilfen sollen es den Fußgängern erleichtern, die stark befahrene Hauptstraße zu überqueren. Die Gefahr für Fußgänger dürfte aber auch dadurch minimiert werden, dass durchgehend Tempo 30 gelten soll.

Besondere Bedeutung im Ortszentrum kommt den bisherigen Parkplätzen zwischen Silberner Rose und Rathaus sowie am CAP-Markt zu. Im Anschluss an die Silberne Rose ist das Parken nur noch am Straßenrand vorgesehen. Aus dem bisherigen Parkplatz soll ein „Platz der Begegnung“ werden, eine Art Park mit Bänken. Die Parkplätze am CAP-Markt bleiben zwar erhalten. Der ganze Platz soll aber trotzdem umgestaltet werden – mit Treppen, die als Sitzgelegenheiten dienen.

Eine weitere auffällige Veränderung in der Verkehrsführung soll es an der Kreuzung Stuttgarter Straße / Hermann-Hesse-Straße / Am Wasen geben. Für diese Stelle ist ein kleiner Kreisverkehr geplant.

Der notwendige Raum für die neue Gestaltung der Stuttgarter Straße wird unter anderem dadurch gewonnen, dass die Busse keine eigenen Haltebuchten mehr bekommen, sondern mitten in der Straße halten. Letzteres hat zu großen Diskussionen geführt, nicht nur im Technik- und Umweltausschuss, sondern bereits im Ötlinger Ortschaftsrat. Dort war die Befürchtung aufgekommen, dass sich hinter den Bussen längere Staus bilden könnten, weil ein Überholen nicht vorgesehen ist.

Ebenfalls kritisch betrachtet wurde die Planung in Bezug auf die Fahrbahnbreite: Ein Begegnungsverkehr von Lastwagen sei so gut wie unmöglich, ohne dass einer von beiden stark abbremst und auf den Fahrradstreifen ausweicht, wie Dr. Thilo Rose im Namen der CDU-Fraktion, aber auch des Ortschaftsrats ausführte.

Sabine Bur am Orde-Käß (Grüne) teilt diese Bedenken nicht. Zum einen fahre der Bus dort nur alle halbe Stunde, sodass er keinen Dauerstau produzieren könne. Ähnliches gelte für die Fahrradstreifen: Solange kein Fahrrad darauf unterwegs sei, könnten sie ja vom motorisierten Verkehr mitbenutzt werden. Außerdem seien Fahrräder – bedingt durch elektrische Antriebe – künftig immer schneller unterwegs. Tempo 30 sei da eher kein Problem, auch bergauf nicht.

Albert Kahle (FDP/KiBü) wehrte sich generell gegen Tempo 30: Die Stuttgarter Straße sei eine Hauptverkehrsader und stelle auch einen wichtigen Logistikweg für die Wirtschaft dar, den man nicht einfach durch Tempo 30 kaputtmachen dürfe.

Gernot Pohl, der Leiter des Fachbereichs Planung, verwies darauf, dass es sich beim Sanierungsgebiet Ortsmitte Ötlingen um ein einziges großes Wirtschaftsförderungsprogramm handle, und Bürgermeister Günter Riemer rechnete vor, dass die Stadtverwaltung von ungefähr 60 Prozent Fremdfinanzierung durch Zuschüsse ausgeht: „Diese Chance sollten wir nutzen.“

Die Ausschussmitglieder sahen das ähnlich und stimmten dem Gesamtkonzept zu, bei einer Gegenstimme und drei Enthaltungen.