Kirchheimer Umland

Unvergessliches Raderlebnis

Erfahrungen: Schwäbische-Alb-Radweg trifft auf Bodensee-Radweg

Auf 330 Kilometer Länge bringt es der Schwäbische-Alb-Radweg, auf insgesamt 273 Kilometer kommt der flache Bodensee-Radweg. Mit Bernd Cremer vom ADFC haben wir uns bei unserer Bodensee-Tagestour die Schnittstelle herausgepickt: Von Sigmaringen geht es 45 Kilometer bis zum Überlinger See und nochmals 45 Kilometer bis Friedrichshafen. An einem Tag an den Bodensee und zurück? Die Bahn macht es möglich.

Serie Erfahrungen: Bodensee 1 - VonSigmaringen nach FriedrichshafenBildunterschrift: Auf dem Schwäbischen-Alb-Radweg hier bei Me
Serie Erfahrungen: Bodensee 1 - VonSigmaringen nach FriedrichshafenBildunterschrift: Auf dem Schwäbischen-Alb-Radweg hier bei Meßkirch

Kirchheim/Friedrichhafen. Rasante Abfahrten, anspruchsvolle Steigungen, eine abwechslungsreiche Landschaft und viele Sehenswürdigkeiten machen den Schwäbische-Alb-Radweg zu einem unvergesslichen Raderlebnis. Kondition muss man schon mitbringen, denn die Strecke von Nördlingen bis nach Ludwigshafen am nordwestlichen Zipfel vom Bodensee verläuft nicht nur über die Hochebene der Alb, sondern führt immer wieder hinunter ins Albvorland. Vor allem sportliche Fahrer dürfte die Tour daher reizen, bei der neben der Natur die Kultur nicht zu kurz kommt. Überwiegend asphaltierte Wege, aber teilweise auch unbefestigte Waldwege wechseln sich ab. Wir haben uns hier die letzte Etappe ausgesucht: Die Route von Sigmaringen bis Ludwigshafen ist 45  Kilometer lang.

Da der Bodensee ein beliebtes Ausflugsziel ist, empfehlen wir diese Tagestour in der Ferienzeit unter der Woche. Los geht es mit der S-Bahn ab Kirchheim um 7.51 Uhr. Im Gepäck haben wir ein Baden-Württemberg-Ticket für 23 Euro plus fünf Euro für jeden weiteren Mitfahrer bis maximal fünf Personen. Für die Mitnahme von Fahrrädern ist grundsätzlich eine Fahrradtageskarte (pro Fahrrad fünf Euro) zu erwerben. In Wendlingen steigen wir in die Regionalbahn Richtung Tübingen. Der anschließende Interregio-Express nach Aulendorf ist ein Neigetechnik-Triebzug für den schnellen Schienenpersonennahverkehr. Vorbei am Schloss der Hohenzollern geht es hoch nach Hechingen und Albstadt-Ebingen. Um 10.11 Uhr haben wir planmäßig unser erstes Ziel erreicht: Sigmaringen ist eine Stadt mit einer äußerst interessanten und bewegten Vergangenheit. Das Schloss und Wahrzeichen der Stadt zeigt mit seinem heutigen Ausbau eindrucksvoll die geschichtliche Entwicklung von einer mittelalterlichen Burg zu einem fürstlichen Residenzschloss.

Wir fahren hinab zur Donau, durch das Landesgartenschaugelände von 2013 flussaufwärts, vorbei an Laiz, der Heimat des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Recht eindrucksvoll präsentiert sich die Klosteranlage von Inzigkofen, nur wenige Kilometer südwestlich von Sigmaringen. Wir verlassen die Donau, es geht sanft bergauf, elf Kilometer bis Meßkirch an der sogenannten Nahtstelle voralpiner Moränenlandschaft und der Schwäbischen Alb. Meßkirch liegt sowohl an der ­„Hohenzollernstraße“ als auch an der „Oberschwäbischen Barockstraße“. Weiter geht es vorbei an glücklichen Kühen mitten hinein ins Gebiet der Sauldorfer Baggerseen. Einer rasanten Abfahrt durch Zoznegg folgt ein langer Aufstieg und anschließende Abfahrt nach Winterspüren, wo der Radweg noch eine unverhoffte Wendung nimmt: Auf Schotter geht es durch den Wald hinauf bis zu einer Steige, die endlich den Blick auf den Bodensee freigibt. Die Abfahrt nach Ludwigshafen setzt neue Kräfte frei:

Die Landschaft rund um den Bodensee ist ein Radlerparadies, welches bis in den Herbst unzählige Pedalausflügler auf den Sattel lockt. Das werden wir noch hautnah erleben.

Unterwegs bieten sich immer wieder atemraubende Ausblicke auf die weite Wasserfläche des Bodensees und die Alpen. Die Tour rund um den Bodensee gehört zu den beliebtesten Radwegstrecken Europas. Die Beschilderung ist durchgängig und der Verlauf größtenteils auf eigenen Wegen entlang des Ufers. Uns stehen nun 45 Kilometer vom Überlinger See bis nach Friedrichshafen bevor. Der Radweg führt auch mitten durch Meersburg: An zügiges Radfahren ist hier nicht zu denken, genauso auf vielen anderen Passagen, auf denen der Radweg einen Parkplatz oder Campingplatz kreuzt. Die Hand hat die Bremse voll im Griff, die Klingel ist im Dauereinsatz. Man könnte auch sagen: Es ist etwas überlaufen hier auf der deutschen Seite des Bodensees, zumindest in der Hauptsaison. Wir erreichen Friedrichshafen und besuchen einen Biergarten an der Strandpromenade, bevor es an den oberhalb liegenden Bahnhof geht.

Rechtzeitig sollte man am Gleis stehen, denn die Bahn schreibt: Es kann zu Engpässen bei der Fahrradbeförderung kommen. Unser Zug verlässt um 17.31 Uhr die Zeppelin-Stadt, fährt über Ulm nach Plochingen. Dort wechseln wir auf die S-Bahn und erreichen Kirchheim um 20.08 Uhr. Natürlich geht es auch später, denn im Sommer sollte jeder Radler seine Badesachen griffbereit haben, und ein spontanes Abtauchen in den glitzernden See ist unverzichtbar bei einer Tour auf dem Bodensee-Radweg:

Um 19.32 Uhr fährt noch ein Interregio-Express nach Ulm, allerdings geht es dann mit der Regionalbahn weiter. Wenn die Bahn keine Verspätung hat, erreichen wir nach etwas mehr als drei Stunden mit der S-Bahn schließlich Kirchheim um 22.38 Uhr.

Rückfahrt im vollen Radabteil.Fotos: Jörg Bächle
Rückfahrt im vollen Radabteil.Fotos: Jörg Bächle
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