Kirchheimer Umland

Vertröstet und abgekanzelt

Es ist starker Tobak, der den Bewohnern des Kirchheimer Paradiesles seit Jahren verabreicht wird. Ein Name, der zumindest an bestimmten Wochentagen und zu bestimmten Zeiten wie Hohn klingen muss. Es stimmt, dass der Wertstoffhof, den der Landkreis Ende der Achtzigerjahre auf eigenem Grund errichten ließ, schon da war, bevor neue Eigenheime ihm immer näher rückten. Es stimmt auch, dass es zu Recht inzwischen strengere Regeln gibt, die die Suche nach alternativen Standorten für die Abfallentsorgung deutlich erschweren. Und trotzdem haben für Bewohner der Stadt in vergleichbaren Quartieren die gleichen Rechte zu gelten.

Wer in verkehrsberuhigten Wohnstraßen seine Kinder nicht mehr guten Gewissens vor die Tür schicken kann, wer alltägliche Besorgungsfahrten an den Öffnungszeiten eines Wertstoffhofes ausrichten muss, und wer mitten in der Nacht von Maschinenlärm aus dem Schlaf gerissen wird, der hat das Recht, sich zu wehren. Stadt und Kreis haben Anwohner über Jahre hinweg vertröstet, abgekanzelt und im Unklaren gelassen. Jetzt wird mit 2018 erstmals ein Zeitpunkt genannt, der Besserung verspricht.

Wie lange das Versprechen gilt, wird wohl davon abhängen, ob die Stadt auch dann noch die Mittel hat, um in der „Au“ in neue Gewerbeflächen zu investieren und damit gleichzeitig einen neuen Zufahrtsweg zum Wertstoffhof zu schaffen. Eine Rechnung, die spätestens 2017 auf dem Tisch liegen muss. Der Druck auf Gewerbeflächen in Kirchheim ist hoch, das wird zurzeit im Neubaugebiet Hegelesberg deutlich, wo sich jeder Quadratmeter zweimal verkaufen ließe. Ein neues Asphaltband zum Kompostierplatz in der Saarstraße kostet Geld und spült keine zusätzliche Gewerbesteuer in die Kasse. Ein Beitrag zum Bürgerwohl in der Stadt wäre es allemal.

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