Kirchheimer Umland

Viele Äpfel sind schon fällig

Ernte In diesem Jahr hat die Apfelmost-Saison bereits begonnen. In den ersten Keltereien kann ab heute angeliefert werden, in Dettingen ab dem kommenden Donnerstag. Von Andreas Pflüger

In diesem Jahr öffnen die Obstannahmestellen deutlich früher als sonst. Archivfotos: Natalie Becker
In diesem Jahr öffnen die Obstannahmestellen deutlich früher als sonst. Archivfotos: Natalie Becker

Stücklesbesitzer wissen in diesem Jahr ein Lied davon zu singen. Und auch bei einem Spaziergang durch die Streuobstwiesen im Neckartal oder im Voralbgebiet fällt auf, dass viele Äpfel bereits der Schwerkraft Tribut zollen mussten und am Boden liegen. Frühe Sorten sind noch früher dran als sonst und selbst Früchte, die für gewöhnlich erst Anfang September reif werden, sind im wahrsten Wortsinn schon fällig.

Wer getreu dem schwäbischen Leitspruch „Nex verkommâ lassâ“ handeln wollte, musste sich selbst helfen und nach dem Aufklauben Apfelkuchen backen oder einen Einkochautomaten in Gang setzen. Denn bis jetzt waren die Annahmestellen der Keltereien, Mostereien und Saft-Vereine noch geschlossen. Allerdings neigen sich die Wochen des Selbermachens dem Ende zu - und auch das früher als üblicherweise.

In diesem Jahr öffnen die Obstannahmestellen deutlich früher als sonst.Archivfotos: Natalie Becker
In diesem Jahr öffnen die Obstannahmestellen deutlich früher als sonst. Archivfotos: Natalie Becker

So geht es beim Familienunternehmen Häussermann Fruchtsäfte in Neckartailfingen, dem Marktführer im Kreis, am heutigen Samstag mit der Obstannahme los. „Wir verstehen uns als Fruchtsaftvermarkter und nehmen deshalb die gesamte Ernte an, auch die frühe und die späte“, sagt Lisa Häussermann. Die Gattin des Geschäftsführers verweist in diesem Zusammenhang auf die frühe Reifezeit: „Das ist der Grund, warum wir eine Woche eher anfangen als zunächst vorgesehen. Man muss sich in solch einem Bereich der Natur stellen.“ Dementsprechend würden auch die anderen Häussermann-Annahmestellen etwa in Beuren, Bonlanden oder Denkendorf noch im August geöffnet, ergänzt sie.

Bei der Filderwerkstatt, die ihrem Auftrag gemäß mit behinderten und nicht-behinderten Menschen in Ostfildern-Nellingen und Dettingen Obstannahmestellen betreibt, beginnt die Sammelsaison ebenfalls früher als üblich. „Wir starten am 20. August und tags drauf auch mit dem Bioobst“, erklärt Iris Keller, die stellvertretende Leiterin der Werkstatt. „Unser Verwerter, die Firma Dietz, nutzt die erste Ernte, um Saftkonzentrat herzustellen. Da reicht die Süße aus“, fügt sie hinzu. Auf dem Gelände der Einrichtung sei das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes der entsprechenden Landesverordnung zufolge allerdings Pflicht, betont Keller. Es bedürfe zwar keiner Anmeldung und auch nicht zwingend einer Registrierung der Anlieferer, aber es herrsche eben Maskenpflicht und es gelte auch das Abstandsgebot.

Auf Abstand wird bei der Fruchtsaftkelterei Mayer in Uhlbach ebenfalls geachtet. Im Familienbetrieb, der zudem in Esslingen-Rüdern Streuobst annimmt, ist man froh, dass es ansonsten keine großen corona-bedingten Einschränkungen gibt. „Ich habe mich beim Gesundheitsamt erkundigt“, sagt der Geschäftsführer Alexander Mayer. „Da bei uns ja in der Regel mit dem Auto angeliefert wird und alles im Freien stattfindet, müssen keine besonderen Vorkehrungen getroffen werden.“ Aufmachen wird Mayer seine Sammelstellen aber erst am 5. September. Für die frühen Sorten, das räumt er ein, sei es dann zu spät. „Aber aus meiner Sicht kann man das, was jetzt runterfällt, auch noch nicht wirklich trinken.“ Was den Behang der Bäume angeht, rechnet Alexander Mayer aber so oder so „mit einem guten Jahr“.

Diesen Eindruck teilt er mit Jens Häußler, dem Obstbauberater des Landkreises. „Es scheint ganz ordentlich zu werden, auch wenn’s an ein paar Stellen Hagelschäden gegeben hat.“ Er bestätigt darüber hinaus, dass die Früchte heuer zwei bis drei Wochen früher reif seien. „Dafür sind nicht zuletzt die Trockenheit und die hohen Temperaturen verantwortlich“, betont er. Dennoch hat Häußler Verständnis dafür, dass die Keltereien und Mostereien den Frühstart nicht eins zu eins übernehmen. „Das hat etwas mit der Qualität, mit einem möglicherweise geringeren Zuckergehalt sowie mit angeschlagenen oder unreifen Früchten zu tun, weshalb die frühe ebenso wie die späte Ernte nicht sonderlich begehrt sind“, fasst er die möglichen Probleme zusammen. Doch jetzt sei die Zeit in jedem Fall gekommen, weshalb er gerade die interaktive Karte auf der Homepage des Landkreises mit den aktuellen Daten füttere. Bis Ende dieser Woche will Häußler damit fertig sein, sodass einem ertragreichen Saftjahr eigentlich nichts mehr entgegensteht.

Auf einen nicht ganz unwesentlichen Punkt weisen allerdings sämtliche Gesprächspartner noch hin. Denn ganz gleich, wie die Ertragslage sei, gelte stets die Devise: Angenommen wird nur Fallobst und kein Faulobst. Und: auch wenn das natürlich für den Einzelnen viel bequemer ist - kein Schüttelobst.

 

Info Die Obstannahmestellen im Kreis Esslingen sind - in der Regel mitsamt den Öffnungszeiten - auf der Homepage des Landratsamts zu finden. Zur interaktiven Karte gelangt man mit einigen Klicks über landkreis-es.maps.arcgis.com.

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